New York (BoerseGo.de) - Die heutige Wall Street-Sitzung hatte - wie es sich für ein solides Kammerspiel gehört - zwei Akte:
Akt 1: Fehltritt des Musterknaben
Zum Start pflegte der Aktienmarkt noch mal den Rezessions-Blues, allerding nur leise. Die Bären bekamen ihr Futter heute direkt vom Discounter: Der Discount-Riese Wal-Mart, sein Rivale Target und das Gros der restlichen US-Einzelhändler beichteten ihre - überwiegend grottenschlechten -Verkaufszahlen vom Dezember, also vom Weihnachtsgeschäft, das eigentlich der Höhepunkt des Jahres sein sollte. Vor allem die Zielverfehlung desgewohnten Musterknabens Wal-Mart, der bislang durch solides Wachstum überzeugt hatte, verstörte die Investoren.
Daran änderten die einzigen Konjunkturdaten des Tages nichts, zumal sie eigenartig durchwachsen ausfielen. Die - wie jeden Donnerstag gemeldeten - wöchentlichen Arbeitslosenmeldungen verblüfften, sie lagen - wie schon in der Vorwoche - deutlich unter den zuletzt gewohnten Niveaus und damit beträchtlich unter den Erwartungen. In der vergangenen Woche schmolz die Zahl der Jobverluste auf 467.000 (Vorwoche 491.000 , Konsenserwartung: 545.000). Die Zahl der kontinuierlich gemeldeten Empfänger von Arbeitslosengeld stieg dagegen auf 4,61 Millionen (Vorwoche: 4,51 Millionen). Das entwerte wieder etwa die positive Vorgabe. Die Gedanken vieler waren ohnehin schon beim morgigen Arbeitsmarktbericht vom Dezember.
Akt 2: Die Ritter gegen die Kreditkrise
Der zweite Akt erinnerte an einen gestandenen Western, in dem die Kavallerie plötzlich zu Hilfe kommt. Die Stimmung hellte sich jedenfalls deutlich auf als die Meldung die Runde macht, die Citigroup habe mit den Gesetzgebern im Senat einen Deal geschlossen. Damit sollen die Zwangsvollstreckungen gegen überschuldete Eigenheimbesitzer gebremst werden.
Ohnehin gab es von der Kreditfront weitere Erfolgsmeldungen:
Die Banken senkten die Zinsen für ihre Hypothekenkredite jetzt unter die 5-Prozent-Marke. Vereinzelt wurden nur noch 4,875 Prozent für 30-jährige Hausfinanzierungen verlangt. Das ist der niedrigste Satz seit er 1996 sein Geschäft startete, stellte ein Hypotheken-Broker fest. Da ist der US-Notenbank zu verdanken. Die Fed kauft seit Wochenbeginn Anleihen an, die durch Hypotheken besichert sind und drückt damit deren Zins in die Tiefe. Volkswirte hoffen darauf, dass dadurch die derzeit abstinenten Eigenheimkäufer aus der Reserve gelockt werden.
Auch der Markt für Unternehmensanleihen befindet sich auf dem Weg der Genesung. Die Finanzkrise, vor allem der Lehman-Schock, hatte den US-Unternehmen den Kredithahn abgedreht - zumindest zu einem großen Teil. Die Fed berichtete, dass der US-Markt für Unternehmensanleihen (Commercial Paper) gegenüber der Vorwoche um 4,9 Prozent auf 83,1 Milliarden Dollar wuchs. Das sei das höchste Niveau seit dem 10. September, fünf Tage vor dem Untergang der Investmentbank Lehman Brothers, kommentierte Bloomberg. Das Wachstum dieses Marktes sei durch die Zinsen begünstigt worden, die sich nahe der Rekordtiefs befänden. Die fallenden Zinsen hätten die Nachfrage der Unternehmen nach verbrieften Krediten (also über Wertpapiere) angeregt.
Der Dow Jones Industrial Average litt unter dem Wal-Mart-Effekt und bröckelte 0,31 Prozent auf 8.742 Punkte, der - für den breiten US-Aktienmarkt repräsentative - S&P 500 stieg 0,34 Prozent auf 909 Punkte und der technologielastige Nasdaq Composite Index kletterte 1,12 Prozent auf 1.617 Punkte.
Dow Jones Average: Bärenfutter vom Discounter
Tops:
So kann´s gehen. Gestern war Alcoa noch der Flop des Dow, heute war der Aluminimum-Weltmarktführer der Top des Blue Chip Index und gewann 4,3 Prozent auf 11,36 Dollar. Gestern hatte der Alu-Riese - wegen fallender Nachfrage und Preise - eine Produktionskürzung ( die dritte in drei Monaten), gesenkt Investitionen und die Entlassung von 13.500 Mitarbeitern angekündigt. Mittlerweile hat die Wall Street wohl durchgerechnet und erkannt, dass dadurch beträchtlich Kosten eingespart werden, was wiederum positiv für den Gewinn ist.
Microsoft stieg 3,1 Prozent auf 20,12 Dollar. Vielleicht half die Consumer Electronic Show in Las Vegas. Dort verkündete CEO Steve Ballmer, dass er im Kampf um die Vorherrschaft im Internet einen Punktgewinn gegen Google landen konnte. Der Softwareriese schloss einen Deal mit dem Handy-Netzwerkbetreiber Verizon Wireless. Danach sollen künftig alle Internet-Suchaufträge über das Verizon-Netz von der Microsoft-Suchmaschine Live ausgeführt werden. Damiten gewinnen die Redmonter das Such-Monopol auf einem der größten US-Netze.
Da konnte der Broker Davenport nicht viel Schaden anrichten, der sein Kursziel von 29 Dollar auf 27 Dollar korrigierte. Davenport bleibt allerdings bei dem Rat „Kaufen“.
Verizon avancierte 1,5 Prozent auf 32,39 Dollar. Vor kurzem war die Aktie des Telefonriesens - wegen einer negativen Broker-Beurteilung - noch unter Druck gestanden. Gestern äußerte sich aber der CEO zuversichtlich für das Jahr 2009 und versprach weiteres Wachstum. Außerdem halfen wohl Spekulationen, der angehende Präsident Obama lasse im Rahmen seines Strukturpakets auch 30 Milliarden Dollar in die Informationstechnologie fließen.
Flops:
Der Flop des Tages war natürlich der gestolperte Musterknappe Wal-Mart, der mit einem Tagesverlust von 7,5 Prozent auf 51,38 Dollar abgestraft wurde. Der Discount-Sumo gab eine Warnung ab. Die Dezember-Umsätze des Einzelhandelsgiganten (in Läden, die bereits schon länger als ein Jahr geöffnet sind, also ohne Neueröffnungen) stiegen nur um 1,7 Prozent gegenüber Vorjahr, der Konsens war von plus 2,9 Prozent ausgegangen. Im vergangenen Quartal bewegte sich Gewinn je Aktie nur in einer Spanne von 0,91 Dollar bis 0,94 Dollar (zuvor hatte man 1,03 bis 1,07 Dollar angepeilt). Der Konsens hatte 1,06 Dollar erwartet.
General Motors bleibt sich treu, entweder notiert die Aktie bei den Tops oder bei den Flops. Heute verlor der Auto-Titel 2,2 Prozent auf 4,04 Dollar. Vielleicht lag es an der Agentur Fitch die das Rating für die Finanztochter GMAC wieder einmal beschnitt.
S&P 500: Profitables Blut
Tops:
Obwohl das Gros der Einzelhändler grottenschlechte Zahlen beichtete gab es erstaunlich viele Gewinner in diesem Sektor:
Sears explodierte 23 Prozent auf 49,98 Dollar. Der Supermarktbetreiber (K-Mart) verblüffte mit einem Gewinnausblick auf das laufende Quartal (bis Ende Januar), der über den Erwartungen der Wall Street liegt. Außerdem sanken die Dezemberumsätze (in Läden, die länger als ein Jahr geöffnet sind) nur um 1,1 Prozent gegenüber Vorjahr, weniger als befürchtet. Das störte es die Anleger wenig, dass die Bilanzbeschauer von der Credit Suisse tönten, die Aktie sei überbewertet.
GameStop sprang 13 Prozent auf 25,58 Dollar. Der Spezialhändler für PC-Spiele und Zubehör meldete ein glänzendes Weihnachtsgeschäft (Umsatzplus 22 Prozent) und hob daher seinen Gewinnausblick an.
Urban Outfitters kletterte 10,4 Prozent auf 15,46 Dollar. Das ist wohl auch dem Broker Cowen zu verdanken. Das Wertpapierhaus beförderte den Textilverkäufer von „Neutral“ auf „Outperform“.Dort zeigte man sich vor allem davon beeindruckt, dass die Gesamt-Umsätze im Weihnachtsgeschäft um 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr verbesserten. Das sei vor allem den „Flaggschiff-Marken“ der Textilkette zu verdanken, hieß es. die Aktie sei an der Wall Street seit Dezember vernachlässigt worden und biete jetzt guten Wert, hieß es.
Aeropostale avancierte 3,6 Prozent auf 20,44 Dollar. Der Bekleidungshändler verbesserte seine Umsätze (in Läden, die länger als ein Jahr geöffnet sind) um 12 Prozent (Konsens: minus 5.1 Prozent). Außerdem hob er seinen Gewinnausblick für das 4. Quartal über den Konsens an.
Der Eigenheimaustatter Bed Bath & Beyond gewann 4,6 Prozent auf 26,72 Dollar.
Immucor verteuerte sich 12,7 Prozent auf 26,48 Dollar. Das Medizintechnik-Unternehmen, das unter anderem Bluttest-Systeme verkauft, steigerte seinen Gewinn dank höherer Preise. Außerdem hoben die Blut-Tester ihren Gewinn-Ausblick für 2009
Robbins & Myers stieg 7,4 Prozent auf 20,02 Dollar. Der Maschinenbauer schlug ebenfalls die Gewinnerwartungen der Wall Street, senkt allerdings seinen Ausblick.
EMC hüpfte 6,4 Prozent auf 11,89 Dollar. Der Datenspeicherspezialist, der an der New York Stock Exchange und nicht an der Nasdaq notiert wird, erfreute bereits gestern nach börsenschluss seine Aktionäre und bekräftigte seinen Ausblick, der über der Konsenserwartung der Wall Street lag. Außerdem will der Technologiekonzern seine Kosten senken.
Deere steigerte sich um 5,9 Prozent auf 45,18 Dollar. Der Broker Bernstein beförderte den Hersteller landwirtschaftlicher Maschinen von „Market Perform“ Outperform from
Marriott plus 2,6 Prozent auf 20,45 Dollar. Die Hotelkette wurde bei Goldman Sachs von „Neutral“ auf „Kaufen“ befördert.
Flops:
Viele Einzelhändler wurden aber hat abgestraft:
Gap fiel 4,7 Prozent auf 12,92 Dollar. Der Fashionhändler gehört außerdem zu der unrühmlichen Gruppe von Einzelhändlern, die wegen der abstinenten Verbraucher ihren Gewinnausblick für das laufende Geschäftsquartal (bis Ende Januar) eindampften.
Der Branchenkollege Saks verlor 5,2 Prozent auf 4,19 Dollar.
Prozent auf Dollar.
Limited Brands verbilligte sich 6,5 Prozent auf 10,00 Dollar. Der Textilkonzern (Victoria´s Secret) dampfte seinen Gewinnausblick je Aktie auf 55 Cents ein. Vorher hatte der Damenwäsche-Produzent die Spanne von 85 Cents bis einem Dollar in Aussicht gestellt.
Nasdaq: Viva Las Vergas
Die technologielastige Computerbörse wurde heute anscheinend doch noch von der zweitägigen Consumer Electronic Show (CES) in Las Vegas belebt, die zahlreiche neue elektronische Spielzeuge präsentierte und den Technologiefirmen ein Plattform zur Selbstdarstellung bot. Die Veranstaltung schlug zwar keine großen Wellen an der Wall Street, bei dem einen oder anderen Papier spürte man vielleicht etwas Gekräusel.
Der einflussreiche Tech-Trader Block von Barron`s zitierte den dort auch anwesenden Chip-Analysten Craig Berger vom Broker Friedman Billings Ramsey. Der Bilanzexperte ist schon seit längerem bullish für die Halbleiterwerte, nach einer Rallye von rund 35 Prozent binnen sechs Wochen könnte es kurzfristig einen Rückschlag geben, meinte der Analyst. Der Chip-Index SOX könnte aber in einem Jahr auf 300 stehen (heute 220). Zwischenzeitlich hält Berger aber einen Setzer auf 180 für möglich. Bergers Top-Picks sind derzeit: ON Semiconductur (heute: plus 11,9 Prozent auf 4,52 Dollar. Der Konzern gab gestern eine Umsatzwarnung für Q4 2008 und kündigte eine Serie von Kostenkürzungen an, darunter 1.500 Entlassungen), Marvell (heute: minus 0,4 Prozent auf 7,28 Dollar.) und Microsemi (heute: plus 2,5 Prozent auf 13,85 Dollar.).
Varian Semi gewann 4,6 Prozent auf 19,51 Dollar. Der Broker Soleil startete den Chip-Titel mit „Kaufen“ und Kursziel 24 Dollar.
Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel erfasst, bröckelte 0,3 Prozent auf 222 Punkte.
Sun Microsystems rutschte 8,3 Prozent auf 4,67 Dollar. Schuld daran ist Goldman Sachs. Die Ex-Investmentbank setzte den Server-King auf ihre „Americas Sell“-Liste (zuvor: „Neutral“). Die fundamentalen Bedingungen verschlechtern sich weiter, erklärte der dort zuständige Analyst David Baley und schraubte gleichzeitig sein Kursziel von 5 Dollar auf 3 Dollar herunter.
Der Technologiekonzern konzentriere sich zu stark auf die Absatzmärkte Finanzdienste, Telekommunikation und Industrieproduktion, behauptet der Bilanzexperte. Dadurch würden die Kalifornier zu stark vom derzeitigen konjunkturellen Abschwung betroffen. Außerdem sei das Gewicht der UNIX-Server zu hoch, weil dieser Software-Bereich langfristig an Boden verliert. Diese Konzentration bedeute einen Wettbewerbsnachteil gegenüber den Rivalen, die breiter aufgestellt sind, glaubt Baley.
Der Umsatz könnte daher im laufenden Jahr im einstelligen prozentualen Bereich schrumpfen, mutmaßt der Bilanzauswerter. Außerdem stünden die Gewinnmargen unter Druck, weil der Konzern gezwungen sei, seine Preise aggressiver zu gestalten. Nach der jüngsten Rallye bestünde ohnehin ein hohes Risiko für einen Kursrückschlag, vermutet der Analyst.
Intuitive Surgical verlor 6,2 Prozent auf 110,54 Dollar. Der Spezialist für sehr kostspielige Medizinroboter, die von Chirurgen eingesetzt werden, meldete gestern nach Börsenschluss einen Umsatzgewinn von 22 Prozent im 4. Quartal 08, die Wall Street hatte aber weit mehr erwartet. Die Broker Lazard Capital und Needham passten darauf hin ihre Empfehlung an: „Halten“ statt „Kaufen“ heißt es jetzt dort jeweils. Der Broker Brean Murray kappte den Medizintechnik-Titel sogar von „Halten“ auf „Verkaufen“ mit Kursziel 80 Dollar. Dessen Analysten verwiesen auch auf die Schwäche bei den Ausgaben der finanzklammen Kliniken.
Apple gewann 1,9 Prozent auf 92,70 Dollar. CDEO Steve Jobs ist auf dem Weg zur Genesung und die Aktie anscheinend auch.
Der Smartphone-Rivale Research in Motion, Hersteller des BlackBerry, bröckelte 0,4 Prozent auf 46,50 Dollar.
Internet: Treue Kunden
Der Gezeitenwechsel hob auch die an der Nasdaq notierten Flaggschiffe des Internets.
Amazon.com avancierte 1,7 Prozent auf 57,16 Dollar. Anfangs wurde der Onlinehändler noch für schlechten Verkaufszahlen seiner traditionellen Branchenkollegen (Wal-Mart & co.) abgestraft, im Laufe des Handels setzte sich aber wieder die Erkenntnis durch, dass sich das Online-Kaufahus deutlich davon abhebt. Die Beobachtungsfirma Geezeo ermittelte, dass die Ausgaben pro Kunden im vergangenen Dezember um 17 Prozent gegenüber Vorjahr wuchsen (von 139,78 Dollar auf 163,63 Dollar). Pro Besuch auf den Web-Seiten stiegen die Ausgaben um 4 Prozent (von 50,52 Dollar auf 52,54 Dollar). Die Anzahl der Besuche pro Kunde wuchs um 12 Prozent (von 2,77 auf 3,11).
Der Rivale Ebay verbesserte sich 0,6 Prozent auf 14,67 Dollar.
Google stieg 1 Prozent auf 325,19 Dollar. Der Broker Collins Stewarts klagte darüber, dass der Rivale Microsoft Suchmaschien-Abkommen sowohl mit dem PC-Hersteller Dell als auch dem Netzbetreiber Verizon abgeschlossen hat. Dadurch gingen dem Suchmaschinen-King möglicherweise einige Clicks verloren, mutmaßt der Broker
Yahoo gewann 2,8 Prozent auf 13,07 Dollar.
Baidu, Chinas Marktführer bei den Suchmaschinen, verlor 2,1 Prozent auf 124,65 Dollar. Dort belastete immer noch der verschärfte Zensurdruck der Regierung in Peking.
Öl: Das Gute an der Krise
In China bedeutet das Schriftzeichen für Krise zugleich auch Chance. Das gute an der aktuellen Wirtschaftskrise - und vor allem an dem allgemeinen Pessimismus - ist, dass sie den Ölpreis drückt. Die Angst, dass die Rezession die Ölnachfrage noch stärker zügelt, sorgte heute wieder für einen fallenden Preis bei dem strategischen Energieträger. Der Februar-Kontrakt für Crude bröckelte an der New York Mercantile Exchange um 93 Cents und schloss auf 41,70 Dollar, meldete MarketWatch.
Gold: Edelmetallpreis nutzt leichte Dollarschwäche
Der Dollar zeigte heute eine leichte Schwäche. Das wurde sofort wieder vom Edelmetall-Handel genutzt. Der Gold-Kontrakt für Februar verteuerte sich heute an der New York Mercantile Exchange um 12,80 Dollar und schloss auf 854,50 Dollar, berichtet Market Watch. Nachbörslich pendelte das Edelmetall bei 856,27 Dollar.
Akt 1: Fehltritt des Musterknaben
Zum Start pflegte der Aktienmarkt noch mal den Rezessions-Blues, allerding nur leise. Die Bären bekamen ihr Futter heute direkt vom Discounter: Der Discount-Riese Wal-Mart, sein Rivale Target und das Gros der restlichen US-Einzelhändler beichteten ihre - überwiegend grottenschlechten -Verkaufszahlen vom Dezember, also vom Weihnachtsgeschäft, das eigentlich der Höhepunkt des Jahres sein sollte. Vor allem die Zielverfehlung desgewohnten Musterknabens Wal-Mart, der bislang durch solides Wachstum überzeugt hatte, verstörte die Investoren.
Daran änderten die einzigen Konjunkturdaten des Tages nichts, zumal sie eigenartig durchwachsen ausfielen. Die - wie jeden Donnerstag gemeldeten - wöchentlichen Arbeitslosenmeldungen verblüfften, sie lagen - wie schon in der Vorwoche - deutlich unter den zuletzt gewohnten Niveaus und damit beträchtlich unter den Erwartungen. In der vergangenen Woche schmolz die Zahl der Jobverluste auf 467.000 (Vorwoche 491.000 , Konsenserwartung: 545.000). Die Zahl der kontinuierlich gemeldeten Empfänger von Arbeitslosengeld stieg dagegen auf 4,61 Millionen (Vorwoche: 4,51 Millionen). Das entwerte wieder etwa die positive Vorgabe. Die Gedanken vieler waren ohnehin schon beim morgigen Arbeitsmarktbericht vom Dezember.
Akt 2: Die Ritter gegen die Kreditkrise
Der zweite Akt erinnerte an einen gestandenen Western, in dem die Kavallerie plötzlich zu Hilfe kommt. Die Stimmung hellte sich jedenfalls deutlich auf als die Meldung die Runde macht, die Citigroup habe mit den Gesetzgebern im Senat einen Deal geschlossen. Damit sollen die Zwangsvollstreckungen gegen überschuldete Eigenheimbesitzer gebremst werden.
Ohnehin gab es von der Kreditfront weitere Erfolgsmeldungen:
Die Banken senkten die Zinsen für ihre Hypothekenkredite jetzt unter die 5-Prozent-Marke. Vereinzelt wurden nur noch 4,875 Prozent für 30-jährige Hausfinanzierungen verlangt. Das ist der niedrigste Satz seit er 1996 sein Geschäft startete, stellte ein Hypotheken-Broker fest. Da ist der US-Notenbank zu verdanken. Die Fed kauft seit Wochenbeginn Anleihen an, die durch Hypotheken besichert sind und drückt damit deren Zins in die Tiefe. Volkswirte hoffen darauf, dass dadurch die derzeit abstinenten Eigenheimkäufer aus der Reserve gelockt werden.
Auch der Markt für Unternehmensanleihen befindet sich auf dem Weg der Genesung. Die Finanzkrise, vor allem der Lehman-Schock, hatte den US-Unternehmen den Kredithahn abgedreht - zumindest zu einem großen Teil. Die Fed berichtete, dass der US-Markt für Unternehmensanleihen (Commercial Paper) gegenüber der Vorwoche um 4,9 Prozent auf 83,1 Milliarden Dollar wuchs. Das sei das höchste Niveau seit dem 10. September, fünf Tage vor dem Untergang der Investmentbank Lehman Brothers, kommentierte Bloomberg. Das Wachstum dieses Marktes sei durch die Zinsen begünstigt worden, die sich nahe der Rekordtiefs befänden. Die fallenden Zinsen hätten die Nachfrage der Unternehmen nach verbrieften Krediten (also über Wertpapiere) angeregt.
Der Dow Jones Industrial Average litt unter dem Wal-Mart-Effekt und bröckelte 0,31 Prozent auf 8.742 Punkte, der - für den breiten US-Aktienmarkt repräsentative - S&P 500 stieg 0,34 Prozent auf 909 Punkte und der technologielastige Nasdaq Composite Index kletterte 1,12 Prozent auf 1.617 Punkte.
Dow Jones Average: Bärenfutter vom Discounter
Tops:
So kann´s gehen. Gestern war Alcoa noch der Flop des Dow, heute war der Aluminimum-Weltmarktführer der Top des Blue Chip Index und gewann 4,3 Prozent auf 11,36 Dollar. Gestern hatte der Alu-Riese - wegen fallender Nachfrage und Preise - eine Produktionskürzung ( die dritte in drei Monaten), gesenkt Investitionen und die Entlassung von 13.500 Mitarbeitern angekündigt. Mittlerweile hat die Wall Street wohl durchgerechnet und erkannt, dass dadurch beträchtlich Kosten eingespart werden, was wiederum positiv für den Gewinn ist.
Microsoft stieg 3,1 Prozent auf 20,12 Dollar. Vielleicht half die Consumer Electronic Show in Las Vegas. Dort verkündete CEO Steve Ballmer, dass er im Kampf um die Vorherrschaft im Internet einen Punktgewinn gegen Google landen konnte. Der Softwareriese schloss einen Deal mit dem Handy-Netzwerkbetreiber Verizon Wireless. Danach sollen künftig alle Internet-Suchaufträge über das Verizon-Netz von der Microsoft-Suchmaschine Live ausgeführt werden. Damiten gewinnen die Redmonter das Such-Monopol auf einem der größten US-Netze.
Da konnte der Broker Davenport nicht viel Schaden anrichten, der sein Kursziel von 29 Dollar auf 27 Dollar korrigierte. Davenport bleibt allerdings bei dem Rat „Kaufen“.
Verizon avancierte 1,5 Prozent auf 32,39 Dollar. Vor kurzem war die Aktie des Telefonriesens - wegen einer negativen Broker-Beurteilung - noch unter Druck gestanden. Gestern äußerte sich aber der CEO zuversichtlich für das Jahr 2009 und versprach weiteres Wachstum. Außerdem halfen wohl Spekulationen, der angehende Präsident Obama lasse im Rahmen seines Strukturpakets auch 30 Milliarden Dollar in die Informationstechnologie fließen.
Flops:
Der Flop des Tages war natürlich der gestolperte Musterknappe Wal-Mart, der mit einem Tagesverlust von 7,5 Prozent auf 51,38 Dollar abgestraft wurde. Der Discount-Sumo gab eine Warnung ab. Die Dezember-Umsätze des Einzelhandelsgiganten (in Läden, die bereits schon länger als ein Jahr geöffnet sind, also ohne Neueröffnungen) stiegen nur um 1,7 Prozent gegenüber Vorjahr, der Konsens war von plus 2,9 Prozent ausgegangen. Im vergangenen Quartal bewegte sich Gewinn je Aktie nur in einer Spanne von 0,91 Dollar bis 0,94 Dollar (zuvor hatte man 1,03 bis 1,07 Dollar angepeilt). Der Konsens hatte 1,06 Dollar erwartet.
General Motors bleibt sich treu, entweder notiert die Aktie bei den Tops oder bei den Flops. Heute verlor der Auto-Titel 2,2 Prozent auf 4,04 Dollar. Vielleicht lag es an der Agentur Fitch die das Rating für die Finanztochter GMAC wieder einmal beschnitt.
S&P 500: Profitables Blut
Tops:
Obwohl das Gros der Einzelhändler grottenschlechte Zahlen beichtete gab es erstaunlich viele Gewinner in diesem Sektor:
Sears explodierte 23 Prozent auf 49,98 Dollar. Der Supermarktbetreiber (K-Mart) verblüffte mit einem Gewinnausblick auf das laufende Quartal (bis Ende Januar), der über den Erwartungen der Wall Street liegt. Außerdem sanken die Dezemberumsätze (in Läden, die länger als ein Jahr geöffnet sind) nur um 1,1 Prozent gegenüber Vorjahr, weniger als befürchtet. Das störte es die Anleger wenig, dass die Bilanzbeschauer von der Credit Suisse tönten, die Aktie sei überbewertet.
GameStop sprang 13 Prozent auf 25,58 Dollar. Der Spezialhändler für PC-Spiele und Zubehör meldete ein glänzendes Weihnachtsgeschäft (Umsatzplus 22 Prozent) und hob daher seinen Gewinnausblick an.
Urban Outfitters kletterte 10,4 Prozent auf 15,46 Dollar. Das ist wohl auch dem Broker Cowen zu verdanken. Das Wertpapierhaus beförderte den Textilverkäufer von „Neutral“ auf „Outperform“.Dort zeigte man sich vor allem davon beeindruckt, dass die Gesamt-Umsätze im Weihnachtsgeschäft um 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr verbesserten. Das sei vor allem den „Flaggschiff-Marken“ der Textilkette zu verdanken, hieß es. die Aktie sei an der Wall Street seit Dezember vernachlässigt worden und biete jetzt guten Wert, hieß es.
Aeropostale avancierte 3,6 Prozent auf 20,44 Dollar. Der Bekleidungshändler verbesserte seine Umsätze (in Läden, die länger als ein Jahr geöffnet sind) um 12 Prozent (Konsens: minus 5.1 Prozent). Außerdem hob er seinen Gewinnausblick für das 4. Quartal über den Konsens an.
Der Eigenheimaustatter Bed Bath & Beyond gewann 4,6 Prozent auf 26,72 Dollar.
Immucor verteuerte sich 12,7 Prozent auf 26,48 Dollar. Das Medizintechnik-Unternehmen, das unter anderem Bluttest-Systeme verkauft, steigerte seinen Gewinn dank höherer Preise. Außerdem hoben die Blut-Tester ihren Gewinn-Ausblick für 2009
Robbins & Myers stieg 7,4 Prozent auf 20,02 Dollar. Der Maschinenbauer schlug ebenfalls die Gewinnerwartungen der Wall Street, senkt allerdings seinen Ausblick.
EMC hüpfte 6,4 Prozent auf 11,89 Dollar. Der Datenspeicherspezialist, der an der New York Stock Exchange und nicht an der Nasdaq notiert wird, erfreute bereits gestern nach börsenschluss seine Aktionäre und bekräftigte seinen Ausblick, der über der Konsenserwartung der Wall Street lag. Außerdem will der Technologiekonzern seine Kosten senken.
Deere steigerte sich um 5,9 Prozent auf 45,18 Dollar. Der Broker Bernstein beförderte den Hersteller landwirtschaftlicher Maschinen von „Market Perform“ Outperform from
Marriott plus 2,6 Prozent auf 20,45 Dollar. Die Hotelkette wurde bei Goldman Sachs von „Neutral“ auf „Kaufen“ befördert.
Flops:
Viele Einzelhändler wurden aber hat abgestraft:
Gap fiel 4,7 Prozent auf 12,92 Dollar. Der Fashionhändler gehört außerdem zu der unrühmlichen Gruppe von Einzelhändlern, die wegen der abstinenten Verbraucher ihren Gewinnausblick für das laufende Geschäftsquartal (bis Ende Januar) eindampften.
Der Branchenkollege Saks verlor 5,2 Prozent auf 4,19 Dollar.
Prozent auf Dollar.
Limited Brands verbilligte sich 6,5 Prozent auf 10,00 Dollar. Der Textilkonzern (Victoria´s Secret) dampfte seinen Gewinnausblick je Aktie auf 55 Cents ein. Vorher hatte der Damenwäsche-Produzent die Spanne von 85 Cents bis einem Dollar in Aussicht gestellt.
Nasdaq: Viva Las Vergas
Die technologielastige Computerbörse wurde heute anscheinend doch noch von der zweitägigen Consumer Electronic Show (CES) in Las Vegas belebt, die zahlreiche neue elektronische Spielzeuge präsentierte und den Technologiefirmen ein Plattform zur Selbstdarstellung bot. Die Veranstaltung schlug zwar keine großen Wellen an der Wall Street, bei dem einen oder anderen Papier spürte man vielleicht etwas Gekräusel.
Der einflussreiche Tech-Trader Block von Barron`s zitierte den dort auch anwesenden Chip-Analysten Craig Berger vom Broker Friedman Billings Ramsey. Der Bilanzexperte ist schon seit längerem bullish für die Halbleiterwerte, nach einer Rallye von rund 35 Prozent binnen sechs Wochen könnte es kurzfristig einen Rückschlag geben, meinte der Analyst. Der Chip-Index SOX könnte aber in einem Jahr auf 300 stehen (heute 220). Zwischenzeitlich hält Berger aber einen Setzer auf 180 für möglich. Bergers Top-Picks sind derzeit: ON Semiconductur (heute: plus 11,9 Prozent auf 4,52 Dollar. Der Konzern gab gestern eine Umsatzwarnung für Q4 2008 und kündigte eine Serie von Kostenkürzungen an, darunter 1.500 Entlassungen), Marvell (heute: minus 0,4 Prozent auf 7,28 Dollar.) und Microsemi (heute: plus 2,5 Prozent auf 13,85 Dollar.).
Varian Semi gewann 4,6 Prozent auf 19,51 Dollar. Der Broker Soleil startete den Chip-Titel mit „Kaufen“ und Kursziel 24 Dollar.
Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel erfasst, bröckelte 0,3 Prozent auf 222 Punkte.
Sun Microsystems rutschte 8,3 Prozent auf 4,67 Dollar. Schuld daran ist Goldman Sachs. Die Ex-Investmentbank setzte den Server-King auf ihre „Americas Sell“-Liste (zuvor: „Neutral“). Die fundamentalen Bedingungen verschlechtern sich weiter, erklärte der dort zuständige Analyst David Baley und schraubte gleichzeitig sein Kursziel von 5 Dollar auf 3 Dollar herunter.
Der Technologiekonzern konzentriere sich zu stark auf die Absatzmärkte Finanzdienste, Telekommunikation und Industrieproduktion, behauptet der Bilanzexperte. Dadurch würden die Kalifornier zu stark vom derzeitigen konjunkturellen Abschwung betroffen. Außerdem sei das Gewicht der UNIX-Server zu hoch, weil dieser Software-Bereich langfristig an Boden verliert. Diese Konzentration bedeute einen Wettbewerbsnachteil gegenüber den Rivalen, die breiter aufgestellt sind, glaubt Baley.
Der Umsatz könnte daher im laufenden Jahr im einstelligen prozentualen Bereich schrumpfen, mutmaßt der Bilanzauswerter. Außerdem stünden die Gewinnmargen unter Druck, weil der Konzern gezwungen sei, seine Preise aggressiver zu gestalten. Nach der jüngsten Rallye bestünde ohnehin ein hohes Risiko für einen Kursrückschlag, vermutet der Analyst.
Intuitive Surgical verlor 6,2 Prozent auf 110,54 Dollar. Der Spezialist für sehr kostspielige Medizinroboter, die von Chirurgen eingesetzt werden, meldete gestern nach Börsenschluss einen Umsatzgewinn von 22 Prozent im 4. Quartal 08, die Wall Street hatte aber weit mehr erwartet. Die Broker Lazard Capital und Needham passten darauf hin ihre Empfehlung an: „Halten“ statt „Kaufen“ heißt es jetzt dort jeweils. Der Broker Brean Murray kappte den Medizintechnik-Titel sogar von „Halten“ auf „Verkaufen“ mit Kursziel 80 Dollar. Dessen Analysten verwiesen auch auf die Schwäche bei den Ausgaben der finanzklammen Kliniken.
Apple gewann 1,9 Prozent auf 92,70 Dollar. CDEO Steve Jobs ist auf dem Weg zur Genesung und die Aktie anscheinend auch.
Der Smartphone-Rivale Research in Motion, Hersteller des BlackBerry, bröckelte 0,4 Prozent auf 46,50 Dollar.
Internet: Treue Kunden
Der Gezeitenwechsel hob auch die an der Nasdaq notierten Flaggschiffe des Internets.
Amazon.com avancierte 1,7 Prozent auf 57,16 Dollar. Anfangs wurde der Onlinehändler noch für schlechten Verkaufszahlen seiner traditionellen Branchenkollegen (Wal-Mart & co.) abgestraft, im Laufe des Handels setzte sich aber wieder die Erkenntnis durch, dass sich das Online-Kaufahus deutlich davon abhebt. Die Beobachtungsfirma Geezeo ermittelte, dass die Ausgaben pro Kunden im vergangenen Dezember um 17 Prozent gegenüber Vorjahr wuchsen (von 139,78 Dollar auf 163,63 Dollar). Pro Besuch auf den Web-Seiten stiegen die Ausgaben um 4 Prozent (von 50,52 Dollar auf 52,54 Dollar). Die Anzahl der Besuche pro Kunde wuchs um 12 Prozent (von 2,77 auf 3,11).
Der Rivale Ebay verbesserte sich 0,6 Prozent auf 14,67 Dollar.
Google stieg 1 Prozent auf 325,19 Dollar. Der Broker Collins Stewarts klagte darüber, dass der Rivale Microsoft Suchmaschien-Abkommen sowohl mit dem PC-Hersteller Dell als auch dem Netzbetreiber Verizon abgeschlossen hat. Dadurch gingen dem Suchmaschinen-King möglicherweise einige Clicks verloren, mutmaßt der Broker
Yahoo gewann 2,8 Prozent auf 13,07 Dollar.
Baidu, Chinas Marktführer bei den Suchmaschinen, verlor 2,1 Prozent auf 124,65 Dollar. Dort belastete immer noch der verschärfte Zensurdruck der Regierung in Peking.
Öl: Das Gute an der Krise
In China bedeutet das Schriftzeichen für Krise zugleich auch Chance. Das gute an der aktuellen Wirtschaftskrise - und vor allem an dem allgemeinen Pessimismus - ist, dass sie den Ölpreis drückt. Die Angst, dass die Rezession die Ölnachfrage noch stärker zügelt, sorgte heute wieder für einen fallenden Preis bei dem strategischen Energieträger. Der Februar-Kontrakt für Crude bröckelte an der New York Mercantile Exchange um 93 Cents und schloss auf 41,70 Dollar, meldete MarketWatch.
Gold: Edelmetallpreis nutzt leichte Dollarschwäche
Der Dollar zeigte heute eine leichte Schwäche. Das wurde sofort wieder vom Edelmetall-Handel genutzt. Der Gold-Kontrakt für Februar verteuerte sich heute an der New York Mercantile Exchange um 12,80 Dollar und schloss auf 854,50 Dollar, berichtet Market Watch. Nachbörslich pendelte das Edelmetall bei 856,27 Dollar.
(© BörseGo AG 2007 - http://www.boerse-go.de, Autor: Maier Gerhard, Redakteur)
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