APA ots news: Fünftes gemeinsames Seminar des Eurosystems und der russischen Zentralbank
Wien (APA-ots) - Am 11. und 12. März 2009 veranstalteten das Eurosystem - d. h. die Europäische Zentralbank (EZB) und die nationalen Zentralbanken der 16 Euro-Länder - und die Zentralbank der Russischen Föderation (Bank von Russland) in Wien ihr fünftes gemeinsames hochrangig besetztes Seminar. An dem bei der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) abgehaltenen Seminar nahmen Zentralbankpräsidenten und hochrangige Vertreter des Eurosystems und der Bank von Russland teil. Auch Vertreter der Europäischen Kommission sowie des Regierungsbüros, des Parlaments und der Ministerien der Russischen Föderation zählten zu den Teilnehmern. Ziel des Seminars war es, den Dialog zwischen der russischen Zentralbank und dem Eurosystem weiter zu stärken und die in den letzten Jahren bereits intensivierten Beziehungen noch mehr zu festigen. Das Seminar stand im Zeichen der jüngsten gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen, der Auswirkungen der Rohstoffpreisentwicklung auf die Inflation wie auch der Finanzstabilität in Russland und im Euro-Währungsgebiet.
OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny hieß die Teilnehmer willkommen und hielt ferner eine Grundsatzrede über das Bankwesen und die Finanzstabilität in Russland und im Euroraum. Dabei betonte er die gemeinsame Herausforderung, in Zeiten großer Anspannung das Vertrauen in die Finanzinstitutionen durch glaubwürdige Rekapitalisierungsmaßnahmen und die Durchführung von Wertberichtigungen wiederherzustellen sowie die Interbankenmärkte und deren Widerstandskraft zu stärken. Zur Bewältigung der kurzfristigen krisenbedingten Herausforderungen sei entschlossenes Handeln vonnöten. Längerfristig, so Gouverneur Nowotny, ergeben sich aus dem fortgesetzten Engagement europäischer Banken am russischen Finanzmarkt beträchtliche Vorteile für beide Seiten.
Der Präsident der EZB, Jean-Claude Trichet, betonte in seiner Eröffnungsrede, dass sowohl der Euroraum als auch Russland von der Finanzkrise betroffen seien. Angesichts der gemeinsamen Herausforderungen sei es die vorrangige Aufgabe der politischen Entscheidungsträger im Euroraum und in Russland, zur raschen und umfassenden Bewältigung der Krise beizutragen. Präsident Trichet wies abschließend darauf hin, dass im vergangenen Jahr die Beziehungen zwischen dem Eurosystem und der Bank von Russland durch die Umsetzung eines bedeutenden Kooperationsprogramms in den Bereichen Bankenaufsicht und interne Revision (siehe Pressemitteilung vom 20. März 2008) weiter gefestigt werden konnten.
Sergej M. Ignatiew, der Präsident der Bank von Russland, sprach in seiner Grundsatzrede aktuelle geldpolitische Themen an. Als sich die Wirtschaftslage gegen Ende des Jahres 2008 signifikant veränderte, passte die Bank von Russland ihre Geldpolitik entsprechend an. Mit dem Ziel, die Stabilität des Bankensektors zu bewahren, setzte sie die Instrumente der Geldpolitik aktiv ein und ergriff zusätzliche Maßnahmen, um die Liquiditätslage im Bankensektor zu verbessern. Auch in Zukunft werde sich die Bank von Russland in erster Linie den von der internationalen Finanzkrise ausgelösten Herausforderungen stellen. Trotz der von den Finanzmarktturbulenzen ausgehenden Probleme beabsichtigt die russische Zentralbank, allmählich wieder einen Rückgang der Inflation herbeizuführen. Die Bank von Russland strebt nach wie vor an, ihre Geldpolitik in Zukunft an einem Inflationsziel auszurichten, und wird ihren Einfluss auf den Preisbildungsprozess am Devisenmarkt weiter reduzieren, um so auf ein System flexibler Wechselkurse umsteigen zu können. Mittelfristig konzentrieren die Bank von Russland und die Regierung der Russischen Föderation ihre Bemühungen auf die Gewährleistung geeigneter Rahmenbedingungen für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum.
Im Mittelpunkt der Diskussion unter den Seminarteilnehmern standen folgende Themen:
Die jüngsten gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen In der Diskussion über die neuesten makroökonomischen Entwicklungen stellten die Seminarteilnehmer fest, dass sich die Weltkonjunktur deutlich abgeschwächt hat. Sowohl im Euroraum als auch in Russland ist die Auslandsnachfrage gesunken, und die Binnennachfrage wurde durch das abnehmende Vertrauen und die verschärften Finanzierungsbedingungen beeinträchtigt. Es herrschte Einigkeit darüber, dass beträchtliche Abwärtsrisiken den Ausblick für die Wirtschaft im Euroraum und in Russland überschatten; in diesem Zusammenhang wurde aber auch darauf hingewiesen, dass die bedeutenden wirtschaftspolitischen Maßnahmen, die in den letzten Monaten im Hinblick auf die Finanzmarktturbulenzen gesetzt wurden, die Konjunktur unterstützen sollten.
Die Auswirkungen der Rohstoffpreisentwicklung auf die Inflation Die jüngsten Entwicklungen der Rohstoffpreise an den Weltmärkten und deren Auswirkungen auf die Verbraucherpreisentwicklung im Euroraum und in Russland standen ebenfalls zur Debatte. Die Seminarteilnehmer stellten fest, dass der bis Mitte 2008 zu beobachtende starke Anstieg und der darauf folgende beträchtliche Rückgang der Rohstoffpreise - insbesondere über die Energiekomponenten im Euroraum und die Nahrungsmittel in Russland - einen deutlichen Einfluss auf die Verbraucherpreise ausgeübt haben. Es herrschte Einigkeit darüber, dass die fundierte Kenntnis der Struktur und Dauer dieser Rohstoffpreisschwankungen sowie deren Auswirkungen auf die mittel- bis langfristige Preisstabilität für die Durchführung der Geldpolitik von zentraler Bedeutung sei.
Finanzstabilität in Russland und im Euroraum Die Seminarteilnehmer tauschten sich auch über die Entwicklungen im Bankensektor und die Auswirkungen der globalen Finanzkrise auf die Finanzstabilität im Euroraum und in Russland aus. Dabei wurde angemerkt, dass sich das Umfeld für die Finanzstabilität - von Unterschieden bei spezifischen Entwicklungen im Euroraum und in Russland abgesehen - seit dem Auftreten der weltweiten Finanzmarktturbulenzen deutlich verschlechtert habe. Schließlich wurden auch die Aktionspläne der jeweiligen Regierungen zur Eindämmung der Stabilitätsrisiken an den Finanzmärkten und zur Wiederherstellung des Vertrauens in den Bankensektor erörtert.
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OTS0212 2009-03-12/13:18
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