New York (BoerseGo.de) - Die Party hätte heute an der Wall Street so schön werden können, hätte es nicht einen Spielverderber gegeben. Aber alles der Reihe nach.
Zum Start wurde der noch der gestrige positive Schwung übernommen. Auch die heutigen Konjunkturdaten wurden per Saldo positiv aufgenommen, obwohl sie - den Umständen entsprechend - wieder recht durchwachsen ausfielen.
Dämpfer beim Konsum
Die gestrige Freude über das in BIP-Zahlen ausgewiesene Konsumwachstum im ersten Quartal bekam heute wieder einen Dämpfer: Im März sanken die Ausgaben der privaten Haushalte (= Konsum) - nach der Erholung vom Januar und Februar - wieder um 0,2 Prozent (Konsenserwartung: minus 0.1 Prozent, Februar : plus 0,4 Prozent). Die Einnahmen der privaten Haushalte sanken um 0,3 Prozent.
Stabilisierung am Arbeitsmarkt?
Die Meldung des Tages kam aber vom Arbeitsmarkt - und die viel positiv aus. Die - wie jeden Donnerstag gemeldeten - wöchentlichen Arbeitslosenmeldungen gingen auf 631.000 zurück (Vorwoche 645.000 , Konsenserwartung: 640.000).
Auf diesem Niveau pendeln die wöchentlichen Jobverluste bereits schon seit Mitte März, damit verstärkt sich der Eindruck, dass sich die Entwicklung allmählich stabilisiert. Die Zahl der kontinuierlich gemeldeten Empfänger von Arbeitslosengeld stieg allerdings noch auf 6,27 Millionen (Vorwoche: 6,14 Millionen).
Die Stabilisierung, die sich jetzt anscheinend am Jobmarkt abzeichnet, weckte auch wieder die Hoffnung, dass der Konsum nach dem leichten Rückschlag vom März wieder in Gang kommt.
Eine frohe Botschaft gab es auch aus dem Ballungsgebiet Chicago, einem der Industriezentren der USA. Dort hat sich die Stimmung in der Industrie wieder deutlich verbessert. Das signalisiert der Chicago Einkaufsmanagerindex, der im April auf 40,1 Prozent sprang (März: 31,4), dem höchsten Ergebnis seit vergangenem September. Der Konsens ging nur von einem Anstieg auf 35,0 aus. Werte unter 50 signalisieren zwar, dass die Industrie schrumpft, der Rückgang hat sich aber merklich verlangsamt.
Erholung liegt in der Luft
Die heutige Partystimmung, die zumindest in den ersten Börsenstunden herrschte, hatte aber noch einen weiteren Grund: Die Flut der Unternehmensgewinne, die überwiegend besser ausfallen als erwartet, setzte sich heute fort. Laut Bloomberg haben inzwischen knapp 70 Prozent der Unternehmen die Erwartungen geschlagen. Heute kamen etwa Procter & Gamble (Ariel, Gillette, Pampers, Wella), Colgate-Palmolive oder der Kreditkartenanbieter Visa hinzu.
„Die Erholung liegt in der Luft und der Markt schaut jetzt nach vorne," kommentierte Peter Cardillo, Chef Markt-Ökonom beim Brokerhaus Avalon Partners die aktuelle Entwicklung. "Das Gefühl etwas zu verpassen, scheint den Markt in die Höhe zu schieben."
„Jetzt sind alle Faktoren vorhanden, um den Bärenmarkt zu beenden“, erklärte auch Anthony Bolton, Präsident des Investmentbereichs beim Fondsverwalter Fidelity International, in einem Bloomberg-Interview.
Gegen 18:00 Uhr MEZ ging die Party aber zu Ende - für heute jedenfalls. Die Indizes kamen just in dem Moment ins Rutschen, in dem das Weiße Haus den Bankrott von Chrysler bestätigte. Allerdings wird der Autobauer keineswegs völlig verschwinden, sondern soll restrukturiert werden, eine Partnerschaft mit Fiat eingehen und mit mehreren Milliarden Dollar Staatsgeldern wieder hochgepäppelt werden. Die Nachricht kam nicht unerwartet und präzise Vorankündigungen liefen schon Stunden vorher über die Nachrichtenagenturen, schien aber dennoch die Stimmung zu verderben.
Auffällig war allerdings, dass die Banken mit minus 1 Prozent wieder einmal die Verluste anführten. Immerhin sind am kommenden Montag die Ergebnisse des Stress-Tests fällig, der schon seit Wochen für Nervosität sorgt..
Nasdaq Composite Index baut Outperformance aus
Der Dow Jones Industrial Average bröckelte 0,22 Prozent auf 8.168 Punkte, der - für den breiten US-Aktienmarkt repräsentative - S&P 500 gab homöopathische 0,10 Prozent ab und schloss auf 872 Punkten. Der April brachte aber ein Plus von 9,4 Prozent, der beste Monat seit März 2000.
Der technologielastige Nasdaq Composite Index baute aber seine Outperformance aus und avancierte 0,31 Prozent auf 1.717 Punkte.
Dow Jones Average: Des einen Leid...................
Tops:
Top des Dow war General Motors mit einem Tagesgewinn von 6,1 Prozent auf 1,92 Dollar. Der Autobauer schien vom Bankrott des Rivalen Chrysler zu profitieren.
Caterpillar stieg 5,6 Prozent auf 35,58 Dollar. Der Spezialist für schwere Geräte wie Baumaschinen oder Minen-Erdbewegungs-Geräte, wurde wohl von einem Artikel im Wall Street Journal angeregt. Danach profitiert eine wachsende Anzahl von US-Unternehmen - dank wachsender Exporte - von dem 585 Milliarden Dollar Stimulierungs-Programm der Regierung in Peking. Das Blatt zitierte dabei Caterpillar CEOs James W. Owens. Der Unternehmenslenker berichtete, dass sich die Verkäufe von Fahrstühlen in China - nach einer Delle im Winter - wieder erholt haben. Das fernöstliche Riesenreich habe einen großen Bedarf an Infrastruktur und staatliche Projekte könnten in dem fernöstlichen Staat schneller gestartet werden als in den USA.
Walt Disney avancierte 4,2 Prozent auf 21,90 Dollar. Der Medien-Mischkonzern erwarb eine Beteiligung an dem Video-Portal Hulu, einem Rivalen von YouTube. Über Hulu sollen künftig komplette Episoden von TV-Serien angeboten werden, heißt es. Dazu zählen Erfolgsserien wie „Lost“, Grey´s Anatomy“ oder „Verzweifelte Hausfrauen“. An dem Joint-Venture Hulu sind bereits NBC Universal und die News Corporation (Fox) beteiligt.
Flops:
Der Flop des Dow war JP Morgan mit minus 4,3 Prozent auf 33,00 Dollar. Am Montag sind die Ergebnisse des Stress-Tests fällig.
Die Citigroup verlor 2,2 Prozent auf 3,05 Dollar.
Exxon Mobil büßte 2,6 Prozent auf 66,67 Dollar. Der Energieriese beichtete einen Gewinneinbruch um mehr als die Hälfte, noch schlimmer als erwartet.
Der Branchenkollege Chevron zeigte sich solidarisch und gab 2,2 Prozent auf 66,10 Dollar ab.
S&P 500: Phalanx positiver Überraschungen
Tops:
Ford gewann 9,7 Prozent auf 5,98 Dollar. Der Autobauer schien ebenfalls vom Chrysler-Bankrott zu profitieren.
Trotz der schwachen Konsum-Zahlen vom März setzten die Einzelhändler, vor allem die Kaufhausbetreiber, ihre gestrige Rallye fort. Die besseren Jobdaten schienen wohl den Ausschlag zu geben.
JC Penney kletterte 7,9 Prozent auf 30,69 Dollar, Macy´s stieg 5,5 Prozent auf 13,68 Dollar.
Visa gewann 2,3 Prozent auf 64,96 Dollar. Zeitweise war das Papier rund 10 Prozent im Plus. Der Kreditkartenanbieter meldete gestern Abend einen Gewinnanstieg um 72 Prozent, mehr als erhofft. Die Credit Suisse (Neutral) schraubte das Kursziel von 57 Dollar auf 70 Dollar.
Dow Chemical kletterte 18,4 Prozent auf 16,00 Dollar. Der Spezialchemiekonzern meldete einen unerwarteten Gewinn, dank drastischer Kostenkürzungen.
Starbucks verteuerte 5,6 Prozent auf 14,46 Dollar. Dort ging der Gewinn zwar zurück, der Cafe`-Betreiber gelobte aber - wegen Kostenkürzungen - Besserung.
Kellogg hüpfte 6,6 Prozent auf 42,11 Dollar. Der Nahrungsmittelhersteller steigerte seinen Gewinn trotz fallender Umsätze.
NYSE Euronext avancierte 2,9 Prozent auf 23,17 Dollar. Der Börsenbetreiber reihte sich in die Phalanx der Unternehmen, die im Rahmen ihrer Q1-Zahlen positiv überraschten.
Das galt auch für den Plastikwaren-Hersteller Newell-Rubbermaid der um 20,5 Prozent auf 10,45 Dollar kletterte.
Der Casino-Betreiber MGM Mirage explodierte 35,6 Prozent auf 8,38 Dollar. Der kriselnde Las Vegas-Konzern (Rezession bedeutet weniger Reisen in die Wüstenmetropole) schloss einen Deal mit Dubai World, dem Investmentbereich der Regierung in Dubai. Dabei geht es um die Finanzierung eines Projekts in Las Vegas, dem so genannten CityCenter, im Volumen von 8,5 Milliarden Dollar, die jetzt anscheinend gewährleistet ist.
Bernstein Research bezeichnet aber MGM Mirage weiterhin als ein „sehr spekulatives“ Investment. Zumindest so lange, bis der Freitzeitkonzern einen Plan für die Restrukturierung seiner schulden vorgelegt hat. Der Broker Stifel Nicolaus befürchtet, dass der Casino-Konzern möglicherweise eine weiterer Kapitalinfusion benötigt oder Vermögenswerte verkaufen muss.
Flops:
Smithfield Foods setzte seinen Kursrutsch fort und verlor 5,9 Prozent auf 19,24 Dollar. Der weltgrößte Produzent leidet utner der Angst vor der Schweinepest.
Allergan verlor 1,3 Prozent auf 46,66 Dollar. Das Unternehmen produziert Botox. Das populäre Präparat wird gegen Gesichtsfalten gespritzt. Die zuständige Behörde The Food and Drug Administration warnte heute, dass die Verwendung von Botox möglicherweise mit tödlichen Risiken verbunden ist.
Nasdaq: Immer wieder mal was Neues
Apple avancierte 0,6 Prozent auf 125,83 Dollar. Das Wall Street Journal berichtete, dass die immer noch von Steve Jobs, trotz Krankheitsabwesenheit, geführte Firma jetzt signifikante Kapazitäten aufbaut, um eigene Computer-Chips zu entwickeln.
Dazu habe Apple Fachkräfte aus der Halbleiterindustrie angeworben. Dazu zählten Spezialisten für Multi-Funktion-Chips, die in Handys verwendet werden. Damit würden die Kalifornier unabhängiger und müssten weniger Produktionswissen mit den Komponentenhersteller teilen, erklärte das Journal.
Der Smartphone-Rivale Research in Motion, Hersteller des Smartphones BlackBerry, sprang 4,1 Prozent auf 69,50 Dollar.
Palm kletterte 6,1 Prozent auf 10,49 Dollar.
Motorola verlor 7,2 Prozent auf 5,53 Dollar. Der angeschlagene Handybauer steigerte seinen Verlust.
Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel erfasst, gewann 2,8 Prozent auf 258 Punkte.
Seagate Technology gewann 9,7 Prozent auf 8,16 Punkte. Der Spezialist für PC-Laufwerke wurde beim Broker Stifel Nicolaus von „Halten“ auf „Kaufen“ aufgewertet mit Kursziel 11 Dollar. Das Geschäft habe den Boden gefunden, hieß es. Weil sich der Geschäftstrend allmählich wieder bessere, sollte sich die Stimmung für die Aktie (Sentiment) aufhellen. Dem Broker gefallen außerdem die Restrukturierung und die Kostenkürzungen.
Internet: Späte Reaktion
Die an der Nasdaq notierten Flaggschiffe des Internets konnten sich dem Chrysler-Blues weitgehend entziehen und trugen damit zur relativen Stärke der Computerbörse bei.
Amazon.com gewann 0,9 Prozent auf 80,52 Dollar. Damit wurde fürs erste der Kursrutsch gestoppt, der vergangenen Freitag kurz nach den überraschend starken Q1-Zahlen (Anstieg der Gewinnmargen) eingesetzt hatte.
Der Rivale Ebay stagnierte bei 16,47 Dollar.
Die Online-Videothek Netflix, gestern ebenfalls im Minus, avancierte 0,2 Prozent auf 45,31 Dollar.
Expedia sprang 28,5 Prozent auf 13,61 Dollar. Das Online-Reisebüro schlug im Rahmen seiner Q1-Zahlen die Erwartungen der Analysten recht deutlich. Der Internetdienstleister verdiente je Aktie 21 Cents, 6 Cents mehr als erwartet.
Google avancierte 1,2 Prozent auf 395,97 Dollar.
Yahoo stieg 1,9 Prozent auf 14,29 Dollar.
Baidu, Chinas Marktführer bei den Suchmaschinen, gewann 2,5 Prozent auf 232,90 Dollar. Die am Montag Abend vorgelegten Q1-Zahlen der Chinesen lagen deutlich über den Erwartungen, dennoch gab es am Dienstag erst mal Kursverluste, die aber inzwischen wieder ausgebügelt wurden.
Akamai Technologies kletterte 9,8 Prozent auf 22,02 Dollar. Der Spezialist für die Übermittlung von Videos und anderen Inhalten im Internet, hatte gestern nach Wall Street Schluss beeindruckende Geschäftszahlen aus dem Ärmel gezaubert.
Goldman Sachs beförderte heute den Internet-Infrastruktur-Titel von „Verkaufen“ auf „Neutral“ und verbesserte das Kursziel von 16 Dollar auf 18,50 Dollar. Das starke Wachstum im Ausland habe teilweise die Schwäche in den USA überspielt, die vermutlich vom wachsenden Konkurrenzdruck herrührt, hieß es.
Die Credit Suisse bleibt bei „Neutral“ und verbesserte das Kursziel von 16 Dollar auf 18,50 Dollar.
Der Broker Wedbush Morgan hält an der Empfehlung „Halten“ fest und korrigierte sein Kursziel von 18 Dollar auf 20 Dollar.
Bei Friedman Billings bleibt es bei „Market Perform“ und das Kursziel ging von 18 Dollar auf 20 Dollar.
Öl: Teurer trotz Chrysler-Bankrott
Trotz des Chrysler-Bankrotts - un der dadurch bewirkten zeitweisen Verunsicherung der Wall Street - wurde das Öl teurer. An der New York Mercantile Exchange stieg der Juni-Kontrakt für Crude um 19 Cents und schloss auf 51,16 Dollar.
Gold: Gewinnmitnahmen
Das Gold litt anscheinend heute unter Gewinnmitnahmen. Der Gold-Kontrakt für Juni fiel heute an der New York Mercantile Exchange um 9,00 Dollar und schloss auf 891,50 Dollar. Nachbörslich pendelte das Edelmetall bei 890,95 Dollar.
Zum Start wurde der noch der gestrige positive Schwung übernommen. Auch die heutigen Konjunkturdaten wurden per Saldo positiv aufgenommen, obwohl sie - den Umständen entsprechend - wieder recht durchwachsen ausfielen.
Dämpfer beim Konsum
Die gestrige Freude über das in BIP-Zahlen ausgewiesene Konsumwachstum im ersten Quartal bekam heute wieder einen Dämpfer: Im März sanken die Ausgaben der privaten Haushalte (= Konsum) - nach der Erholung vom Januar und Februar - wieder um 0,2 Prozent (Konsenserwartung: minus 0.1 Prozent, Februar : plus 0,4 Prozent). Die Einnahmen der privaten Haushalte sanken um 0,3 Prozent.
Stabilisierung am Arbeitsmarkt?
Die Meldung des Tages kam aber vom Arbeitsmarkt - und die viel positiv aus. Die - wie jeden Donnerstag gemeldeten - wöchentlichen Arbeitslosenmeldungen gingen auf 631.000 zurück (Vorwoche 645.000 , Konsenserwartung: 640.000).
Auf diesem Niveau pendeln die wöchentlichen Jobverluste bereits schon seit Mitte März, damit verstärkt sich der Eindruck, dass sich die Entwicklung allmählich stabilisiert. Die Zahl der kontinuierlich gemeldeten Empfänger von Arbeitslosengeld stieg allerdings noch auf 6,27 Millionen (Vorwoche: 6,14 Millionen).
Die Stabilisierung, die sich jetzt anscheinend am Jobmarkt abzeichnet, weckte auch wieder die Hoffnung, dass der Konsum nach dem leichten Rückschlag vom März wieder in Gang kommt.
Eine frohe Botschaft gab es auch aus dem Ballungsgebiet Chicago, einem der Industriezentren der USA. Dort hat sich die Stimmung in der Industrie wieder deutlich verbessert. Das signalisiert der Chicago Einkaufsmanagerindex, der im April auf 40,1 Prozent sprang (März: 31,4), dem höchsten Ergebnis seit vergangenem September. Der Konsens ging nur von einem Anstieg auf 35,0 aus. Werte unter 50 signalisieren zwar, dass die Industrie schrumpft, der Rückgang hat sich aber merklich verlangsamt.
Erholung liegt in der Luft
Die heutige Partystimmung, die zumindest in den ersten Börsenstunden herrschte, hatte aber noch einen weiteren Grund: Die Flut der Unternehmensgewinne, die überwiegend besser ausfallen als erwartet, setzte sich heute fort. Laut Bloomberg haben inzwischen knapp 70 Prozent der Unternehmen die Erwartungen geschlagen. Heute kamen etwa Procter & Gamble (Ariel, Gillette, Pampers, Wella), Colgate-Palmolive oder der Kreditkartenanbieter Visa hinzu.
„Die Erholung liegt in der Luft und der Markt schaut jetzt nach vorne," kommentierte Peter Cardillo, Chef Markt-Ökonom beim Brokerhaus Avalon Partners die aktuelle Entwicklung. "Das Gefühl etwas zu verpassen, scheint den Markt in die Höhe zu schieben."
„Jetzt sind alle Faktoren vorhanden, um den Bärenmarkt zu beenden“, erklärte auch Anthony Bolton, Präsident des Investmentbereichs beim Fondsverwalter Fidelity International, in einem Bloomberg-Interview.
Gegen 18:00 Uhr MEZ ging die Party aber zu Ende - für heute jedenfalls. Die Indizes kamen just in dem Moment ins Rutschen, in dem das Weiße Haus den Bankrott von Chrysler bestätigte. Allerdings wird der Autobauer keineswegs völlig verschwinden, sondern soll restrukturiert werden, eine Partnerschaft mit Fiat eingehen und mit mehreren Milliarden Dollar Staatsgeldern wieder hochgepäppelt werden. Die Nachricht kam nicht unerwartet und präzise Vorankündigungen liefen schon Stunden vorher über die Nachrichtenagenturen, schien aber dennoch die Stimmung zu verderben.
Auffällig war allerdings, dass die Banken mit minus 1 Prozent wieder einmal die Verluste anführten. Immerhin sind am kommenden Montag die Ergebnisse des Stress-Tests fällig, der schon seit Wochen für Nervosität sorgt..
Nasdaq Composite Index baut Outperformance aus
Der Dow Jones Industrial Average bröckelte 0,22 Prozent auf 8.168 Punkte, der - für den breiten US-Aktienmarkt repräsentative - S&P 500 gab homöopathische 0,10 Prozent ab und schloss auf 872 Punkten. Der April brachte aber ein Plus von 9,4 Prozent, der beste Monat seit März 2000.
Der technologielastige Nasdaq Composite Index baute aber seine Outperformance aus und avancierte 0,31 Prozent auf 1.717 Punkte.
Dow Jones Average: Des einen Leid...................
Tops:
Top des Dow war General Motors mit einem Tagesgewinn von 6,1 Prozent auf 1,92 Dollar. Der Autobauer schien vom Bankrott des Rivalen Chrysler zu profitieren.
Caterpillar stieg 5,6 Prozent auf 35,58 Dollar. Der Spezialist für schwere Geräte wie Baumaschinen oder Minen-Erdbewegungs-Geräte, wurde wohl von einem Artikel im Wall Street Journal angeregt. Danach profitiert eine wachsende Anzahl von US-Unternehmen - dank wachsender Exporte - von dem 585 Milliarden Dollar Stimulierungs-Programm der Regierung in Peking. Das Blatt zitierte dabei Caterpillar CEOs James W. Owens. Der Unternehmenslenker berichtete, dass sich die Verkäufe von Fahrstühlen in China - nach einer Delle im Winter - wieder erholt haben. Das fernöstliche Riesenreich habe einen großen Bedarf an Infrastruktur und staatliche Projekte könnten in dem fernöstlichen Staat schneller gestartet werden als in den USA.
Walt Disney avancierte 4,2 Prozent auf 21,90 Dollar. Der Medien-Mischkonzern erwarb eine Beteiligung an dem Video-Portal Hulu, einem Rivalen von YouTube. Über Hulu sollen künftig komplette Episoden von TV-Serien angeboten werden, heißt es. Dazu zählen Erfolgsserien wie „Lost“, Grey´s Anatomy“ oder „Verzweifelte Hausfrauen“. An dem Joint-Venture Hulu sind bereits NBC Universal und die News Corporation (Fox) beteiligt.
Flops:
Der Flop des Dow war JP Morgan mit minus 4,3 Prozent auf 33,00 Dollar. Am Montag sind die Ergebnisse des Stress-Tests fällig.
Die Citigroup verlor 2,2 Prozent auf 3,05 Dollar.
Exxon Mobil büßte 2,6 Prozent auf 66,67 Dollar. Der Energieriese beichtete einen Gewinneinbruch um mehr als die Hälfte, noch schlimmer als erwartet.
Der Branchenkollege Chevron zeigte sich solidarisch und gab 2,2 Prozent auf 66,10 Dollar ab.
S&P 500: Phalanx positiver Überraschungen
Tops:
Ford gewann 9,7 Prozent auf 5,98 Dollar. Der Autobauer schien ebenfalls vom Chrysler-Bankrott zu profitieren.
Trotz der schwachen Konsum-Zahlen vom März setzten die Einzelhändler, vor allem die Kaufhausbetreiber, ihre gestrige Rallye fort. Die besseren Jobdaten schienen wohl den Ausschlag zu geben.
JC Penney kletterte 7,9 Prozent auf 30,69 Dollar, Macy´s stieg 5,5 Prozent auf 13,68 Dollar.
Visa gewann 2,3 Prozent auf 64,96 Dollar. Zeitweise war das Papier rund 10 Prozent im Plus. Der Kreditkartenanbieter meldete gestern Abend einen Gewinnanstieg um 72 Prozent, mehr als erhofft. Die Credit Suisse (Neutral) schraubte das Kursziel von 57 Dollar auf 70 Dollar.
Dow Chemical kletterte 18,4 Prozent auf 16,00 Dollar. Der Spezialchemiekonzern meldete einen unerwarteten Gewinn, dank drastischer Kostenkürzungen.
Starbucks verteuerte 5,6 Prozent auf 14,46 Dollar. Dort ging der Gewinn zwar zurück, der Cafe`-Betreiber gelobte aber - wegen Kostenkürzungen - Besserung.
Kellogg hüpfte 6,6 Prozent auf 42,11 Dollar. Der Nahrungsmittelhersteller steigerte seinen Gewinn trotz fallender Umsätze.
NYSE Euronext avancierte 2,9 Prozent auf 23,17 Dollar. Der Börsenbetreiber reihte sich in die Phalanx der Unternehmen, die im Rahmen ihrer Q1-Zahlen positiv überraschten.
Das galt auch für den Plastikwaren-Hersteller Newell-Rubbermaid der um 20,5 Prozent auf 10,45 Dollar kletterte.
Der Casino-Betreiber MGM Mirage explodierte 35,6 Prozent auf 8,38 Dollar. Der kriselnde Las Vegas-Konzern (Rezession bedeutet weniger Reisen in die Wüstenmetropole) schloss einen Deal mit Dubai World, dem Investmentbereich der Regierung in Dubai. Dabei geht es um die Finanzierung eines Projekts in Las Vegas, dem so genannten CityCenter, im Volumen von 8,5 Milliarden Dollar, die jetzt anscheinend gewährleistet ist.
Bernstein Research bezeichnet aber MGM Mirage weiterhin als ein „sehr spekulatives“ Investment. Zumindest so lange, bis der Freitzeitkonzern einen Plan für die Restrukturierung seiner schulden vorgelegt hat. Der Broker Stifel Nicolaus befürchtet, dass der Casino-Konzern möglicherweise eine weiterer Kapitalinfusion benötigt oder Vermögenswerte verkaufen muss.
Flops:
Smithfield Foods setzte seinen Kursrutsch fort und verlor 5,9 Prozent auf 19,24 Dollar. Der weltgrößte Produzent leidet utner der Angst vor der Schweinepest.
Allergan verlor 1,3 Prozent auf 46,66 Dollar. Das Unternehmen produziert Botox. Das populäre Präparat wird gegen Gesichtsfalten gespritzt. Die zuständige Behörde The Food and Drug Administration warnte heute, dass die Verwendung von Botox möglicherweise mit tödlichen Risiken verbunden ist.
Nasdaq: Immer wieder mal was Neues
Apple avancierte 0,6 Prozent auf 125,83 Dollar. Das Wall Street Journal berichtete, dass die immer noch von Steve Jobs, trotz Krankheitsabwesenheit, geführte Firma jetzt signifikante Kapazitäten aufbaut, um eigene Computer-Chips zu entwickeln.
Dazu habe Apple Fachkräfte aus der Halbleiterindustrie angeworben. Dazu zählten Spezialisten für Multi-Funktion-Chips, die in Handys verwendet werden. Damit würden die Kalifornier unabhängiger und müssten weniger Produktionswissen mit den Komponentenhersteller teilen, erklärte das Journal.
Der Smartphone-Rivale Research in Motion, Hersteller des Smartphones BlackBerry, sprang 4,1 Prozent auf 69,50 Dollar.
Palm kletterte 6,1 Prozent auf 10,49 Dollar.
Motorola verlor 7,2 Prozent auf 5,53 Dollar. Der angeschlagene Handybauer steigerte seinen Verlust.
Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel erfasst, gewann 2,8 Prozent auf 258 Punkte.
Seagate Technology gewann 9,7 Prozent auf 8,16 Punkte. Der Spezialist für PC-Laufwerke wurde beim Broker Stifel Nicolaus von „Halten“ auf „Kaufen“ aufgewertet mit Kursziel 11 Dollar. Das Geschäft habe den Boden gefunden, hieß es. Weil sich der Geschäftstrend allmählich wieder bessere, sollte sich die Stimmung für die Aktie (Sentiment) aufhellen. Dem Broker gefallen außerdem die Restrukturierung und die Kostenkürzungen.
Internet: Späte Reaktion
Die an der Nasdaq notierten Flaggschiffe des Internets konnten sich dem Chrysler-Blues weitgehend entziehen und trugen damit zur relativen Stärke der Computerbörse bei.
Amazon.com gewann 0,9 Prozent auf 80,52 Dollar. Damit wurde fürs erste der Kursrutsch gestoppt, der vergangenen Freitag kurz nach den überraschend starken Q1-Zahlen (Anstieg der Gewinnmargen) eingesetzt hatte.
Der Rivale Ebay stagnierte bei 16,47 Dollar.
Die Online-Videothek Netflix, gestern ebenfalls im Minus, avancierte 0,2 Prozent auf 45,31 Dollar.
Expedia sprang 28,5 Prozent auf 13,61 Dollar. Das Online-Reisebüro schlug im Rahmen seiner Q1-Zahlen die Erwartungen der Analysten recht deutlich. Der Internetdienstleister verdiente je Aktie 21 Cents, 6 Cents mehr als erwartet.
Google avancierte 1,2 Prozent auf 395,97 Dollar.
Yahoo stieg 1,9 Prozent auf 14,29 Dollar.
Baidu, Chinas Marktführer bei den Suchmaschinen, gewann 2,5 Prozent auf 232,90 Dollar. Die am Montag Abend vorgelegten Q1-Zahlen der Chinesen lagen deutlich über den Erwartungen, dennoch gab es am Dienstag erst mal Kursverluste, die aber inzwischen wieder ausgebügelt wurden.
Akamai Technologies kletterte 9,8 Prozent auf 22,02 Dollar. Der Spezialist für die Übermittlung von Videos und anderen Inhalten im Internet, hatte gestern nach Wall Street Schluss beeindruckende Geschäftszahlen aus dem Ärmel gezaubert.
Goldman Sachs beförderte heute den Internet-Infrastruktur-Titel von „Verkaufen“ auf „Neutral“ und verbesserte das Kursziel von 16 Dollar auf 18,50 Dollar. Das starke Wachstum im Ausland habe teilweise die Schwäche in den USA überspielt, die vermutlich vom wachsenden Konkurrenzdruck herrührt, hieß es.
Die Credit Suisse bleibt bei „Neutral“ und verbesserte das Kursziel von 16 Dollar auf 18,50 Dollar.
Der Broker Wedbush Morgan hält an der Empfehlung „Halten“ fest und korrigierte sein Kursziel von 18 Dollar auf 20 Dollar.
Bei Friedman Billings bleibt es bei „Market Perform“ und das Kursziel ging von 18 Dollar auf 20 Dollar.
Öl: Teurer trotz Chrysler-Bankrott
Trotz des Chrysler-Bankrotts - un der dadurch bewirkten zeitweisen Verunsicherung der Wall Street - wurde das Öl teurer. An der New York Mercantile Exchange stieg der Juni-Kontrakt für Crude um 19 Cents und schloss auf 51,16 Dollar.
Gold: Gewinnmitnahmen
Das Gold litt anscheinend heute unter Gewinnmitnahmen. Der Gold-Kontrakt für Juni fiel heute an der New York Mercantile Exchange um 9,00 Dollar und schloss auf 891,50 Dollar. Nachbörslich pendelte das Edelmetall bei 890,95 Dollar.
(© BörseGo AG 2007 - http://www.boerse-go.de, Autor: Maier Gerhard, Redakteur)