Minden (ots) - Von Christoph Pepper Ginge es nach der Bevölkerung, wäre die Wahl entschieden: Amtsinhaber Horst Köhler ist beliebt wie wenige seiner Vorgänger, Gegenkandidatin Gesine Schwan konnte dagegen trotz eines mit viel medialer Aufmerksamkeit bedachten Bewerbungs-Wahlkampfs kaum Popularitäts-Punkte machen. Ihre Chancen bei den Wahlmännern und -frauen der Bundesversammlung mindert das nicht, weswegen die heute, am 60. Geburtstag des Grundgesetzes, stattfindende Präsidentschaftswahl eine spanende Angelegenheit werden dürfte. Denn dort sind die Mehrheiten sehr viel knapper verteilt als in der Bevölkerung. Sicher ist nur eines: dass der Zählkandidat der Linken, Peter Sodann, nach dem ersten Wahlgang aus dem Rennen sein wird. Einen Wahlgang zu spät, wie man nach der traurigen Vorstellung des Ex-Tatort-Kommissars als Präsidentschaftsbewerber nur feststellen kann. Präsidial präsentieren sich dagegen sowohl Köhler als auch Schwan. Beide sind keine typischen Berufspolitiker; beide stehen - in unterschiedlicher Ausprägung - für Auffassungen vom höchsten deutschen Staatsamt, die in der politischen Klasse eher mit Distanz gesehen werden. Was durchaus auch für die Personen gilt. Die Ironie der Macht allerdings verortet deren Wahlergebnis parteipolitisch, als Resultat lagerstrategischer Überlegungen: Siegt der Bürgerpräsident im Vorschein einer bürgerlichen Koalition? Gelingt der Überraschungssieg Schwans als Vorgriff auf eine strukturell linke Mehrheit in der Bevölkerung, deren grün-rot-roter Grundzusammenhang sich trotz aller Unverträglichkeiten doch auch irgendwie zu einer Regierungs-Zusammenarbeit verbinden lassen müsste? Eigentlich schade, dass es nicht mehr auf die Personen ankommt als auf solche Fragen. Und eigentlich schade, dass das Wahlvolk kein Wörtchen mitzureden hat. Nach 60 Jahren Grundgesetz scheint die deutsche Demokratie dafür reifer, als ihr die Mütter und Väter - anfangs sicher zu Recht - zutrauten.
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Pressekontakt: Mindener Tageblatt Christoph Pepper Telefon: (0571) 882-/-248 chp@mt-online.de
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