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UPDATE: EZB bekräftigt abwartende geldpolitische Haltung

DJ UPDATE: EZB bekräftigt abwartende geldpolitische Haltung

(NEU: Zusammenfassende Berichterstattung, weitere Einzelheiten, Bankökonomen) 
 

FRANKFURT (Dow Jones)--Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte vorerst weder die Leitzinsen weiter senken noch neue "außergewöhnliche" geldpolitische Maßnahmen beschließen. Nachdem die Notenbank am Donnerstag bei der auswärtigen Sitzung in Luxemburg das Niveau der Leitzinsen bestätigt hatte, sagte ihr Präsident Jean-Claude Trichet: "Das aktuelle Leitzinsniveau ist unter Berücksichtigung aller Informationen und Analysen, die seit unserer letzten Sitzung verfügbar geworden sind, nach wie vor angemessen".

Er erklärte dazu, dass der Zinsbeschluss einstimmig vom EZB-Rat gefällt worden sei. Zwar hielt Trichet daran fest, dass das aktuelle Leitzinsniveau von 1,00% keine Untergrenze darstelle, Signale für weitere mögliche Zinssenkungen gab er jedoch nicht. Bankvolkswirte gehen inzwischen weithin davon aus, dass die Notenbank - nach Zinssenkungen um 325 Basispunkte seit Oktober vergangenen Jahres - den Zinsboden gefunden hat. Zuletzt hatte die EZB im Mai ihre Geldpolitik gelockert.

Trichet zeigte sich zudem zufrieden mit den Ergebnissen des ersten einjährigen Refinanzierungsgeschäfts, bei dem die EZB vergangene Woche den Banken 442 Mrd EUR zu 1,00% zugeteilt hatte. Der Langfristtender habe bereits jetzt einen positiven Effekt auf den Geldmarkt gehabt, er sei ein "enormer Erfolg" gewesen, sagte der EZB-Präsident. Vor diesem Hintergrund erklärte er auch, dass keine weiteren geldpolitischen Extramaßnahmen diskutiert worden seien. Trichet forderte aber die Banken dazu auf, die reichliche Liquidität an die Realwirtschaft weiterzuleiten.

Der EZB-Präsident verwies im Rahmen seiner "Einleitenden Bemerkungen" darauf, dass der zuletzt verzeichnete Rückgang der jährlichen Teuerungsraten in den negativen Bereich - minus 0,1% im Juni - den Erwartungen der EZB entsprochen habe und vor allem zeitlich begrenzte Effekte widerspiegele. Er gehe aber davon aus, "dass die Preisentwicklung - nach einer Rückkehr der Inflationsraten in den positiven Bereich - über die geldpolitisch relevante Frist gedämpft bleibt".

Die verfügbaren Indikatoren für die mittel- bis längerfristigen Inflationserwartungen seien zudem weiterhin fest auf einem Niveau verankert, das mit dem Ziel des EZB-Rats im Einklang steht, die Preissteigerung "mittelfristig unter, aber nahe 2%" zu halten. Auch die Ergebnisse der monetären Analyse untermauerten die Einschätzung eines geringen Inflationsdrucks, so Trichet weiter.

Die jüngsten Indikatoren lieferten ferner weitere Hinweise dafür, dass die Wirtschaft in der Eurozone im Jahresverlauf schwach bleiben werde, aber weniger stark schrumpfen dürfte als im ersten Quartal, sagte der EZB-Präsident. "In dieser Einschätzung sind verzögerte negative Effekte berücksichtigt, die in den kommenden Monaten zum Tragen kommen dürften, etwa eine weitere Verschlechterung der Arbeitsmarktlage", fügte er hinzu. Mit Blick auf 2010 wird Trichet zufolge ab Jahresmitte mit einer allmählichen Wachstumserholung gerechnet.

Abschließend unterstrich er die Bereitschaft der EZB, die ergriffenen expansiven Maßnahmen rasch wieder rückgängig zu machen, "sobald sich das gesamtwirtschaftliche Umfeld aufhellt". Dann solle die bereitgestellte Liquidität abgeschöpft werden, um jeglicher Gefahr für die Preisstabilität auf mittlere bis längere Sicht wirksam und rechtzeitig entgegenwirken zu können.

Volkswirte sagten, die EZB befinde sich weiter im Abwartemodus. Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer meinte, "nach ihrer heutigen Sitzung hat die EZB signalisiert, dass sie den Leitzins noch lange bei nur 1,00% belassen wird". Gegen höhere Leitzinsen sprächen die Rezession und sinkende Kerninflationsraten, gegen niedrigere Zinsen hingegen die zuletzt deutlich gestiegenen Frühindikatoren. NordLB-Ökonom Christian Lips sagte ebenfalls, dass die EZB die Zinsen noch längere Zeit unangetastet lassen werde. Weitere Zinssenkungen dürfte es nicht mehr geben, vielmehr werde die EZB die Geldpolitik ab Mitte 2010 schrittweise straffen.

Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe verwies darauf, dass die EZB zunächst abwarten werde, inwieweit die von ihr eingeleiteten expansiven Maßnahmen wirken. "Treffen unsere Erwartungen zu, dass sich die aktuelle Stabilisierung an den Finanzmärkten fortsetzen, die Konjunktur im Sommer die Talsohle erreichen und sich Deflation nicht etablieren wird, dürfte sich an dieser Ausrichtung für längere Zeit nichts ändern", sagte er.

-Von Peter Trautmann, Dow Jones Newswires, +49 (0) 69/297 25-313 
   peter.trautmann@dowjones.com 
   DJG/ptt/apo 
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(END) Dow Jones Newswires

July 02, 2009 10:49 ET (14:49 GMT)

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