Der frühere Bundesaußenminister Joschka Fischer hat die Europäische Union zu einer aktiveren Energiepolitik aufgefordert. "In den aufsteigenden Nationen China und Indien möchten die meisten Menschen einen Lebensstil wie im Westen. Das ist eine Aufgabe, der wir uns stellen sollten. Denn wenn wir es nicht machen, machen es die anderen", sagte Fischer auf einer Konferenz in der ukrainischen Stadt Jalta. Europa sollte schnellstmöglich alternative Energiekonzepte und Produkte entwickeln. Russlands ehemaliger Regierungschef Viktor Tschernomyrdin widersprach Fischer vehement. "Die Energiereserven reichen länger als viele im Westen behaupten", sagte Tschernomyrdin. Die dreitägige Konferenz auf der Krim ging am Sonntag zu Ende.
Fischer sagte, die Öl- und Gasvorkommen seien irgendwann erschöpft. "In den nächsten Jahren wird das Thema Energieeffizienz ganz oben auf der Tagesordnung stehen, gekoppelt mit der Entwicklung neuer Energiekonzepte aus Wind, Sonne und nachwachsenden Rohstoffen." Tschernomyrdin zeigte sich skeptisch. "Man muss zwar über die Zukunft reden, aber derzeit gibt es zu wenig einsetzbare alternative Energien." Er sei seit Jahrzehnten im Energiegeschäft, unterstrich der ehemalige Minister für die Gasindustrie mit Verweis auf Fischers Thesen. "Ich brauche von niemanden Nachhilfe auf diesem Gebiet."
Fischer warnte in Jalta vor einem erneuten Gaskonflikt zwischen
Russland und der Ukraine wie im vergangenen Januar. "Die Krise hat
gezeigt, dass es bei diesem Thema nur Verlierer gibt. Es gäbe
weniger solche Auseinandersetzungen, wenn die Energieversorgung in
Europa stärker diversifiziert wäre." Fischer berät beim geplanten
EU- Pipeline-Projekt Nabucco die Konsortiums-Mitglieder RWE
Die ukrainische Regierungschefin Julia Timoschenko sprach sich vor diesem Hintergrund für einen Umbau des Energiesektors der Ex- Sowjetrepublik aus. "Wir streben einen transparenten und mit internationalen Maßstäben kompatiblen Markt an." Es sei ihr Wunsch, dass die Ukraine einmal 25 bis 30 Prozent ihres Verbrauchs aus erneuerbaren Energieträgern beziehe./nj/DP/zb
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AXC0026 2009-09-27/14:43
