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23.11.2009 10:12

Klasse statt Masse

Sehr geehrter Anleger,

Sie kennen sicherlich auch den alten Anlegerspruch, dass man nicht "alle Eier in einen Korb legen soll". Was oft leichter gesagt, denn getan ist. Zudem sind - um im Bild zu bleiben - auch alle Eier kaputt, wenn man mit zwei Körben hinfällt. Ob ein oder zwei Körbe ist da dann relativ egal.

Nun gibt es die Theorie, dass mit der Anzahl der Aktien das Risiko in einem Portfolio abnimmt. Diversifikation heißt das Zauberwort. Und so meinen manche, dass bis zu 40 Aktien im Portfolio ein Muss sei. Selbst die große Investmentlegende Benjamin Graham meint, dass man zwischen 10 und 30 Aktien halten sollte.

Aber ist das wirklich richtig?

Sie ahnen an dieser Frage schon, dass diese weit verbreitete Regel nicht unbedingt der Weg zum Glück ist. Und Sie haben damit auch Recht. Ein Professor der Lousiana State Universität mit Namen Don Chance hat nun folgendes Experiment mit seinen Studenten gemacht. Er rief seine über 200 Studenten auf, erst einmal eine Aktie auszuwählen, dann noch eine und noch eine, bis sie schließlich 30 beieinander hatten. Und dann analysierte er die Portfolios.

Zunächst war das Ergebnis lehrbuchhaft. Von einer Aktie bis 20 Aktien fiel das Risiko um -40 %. Dann allerdings geschah etwas Eigenartiges. Mit der weiteren Aufstockung, also über 20 Aktien, stiegen die Volatilität und damit das Risiko zum Teil deutlich an. Um es auf den Punkt zu bringen. Bei einem von neun Studenten war das 30-Aktien-Portfolio riskanter als die erste Aktie, die ausgewählt wurde. Und bei 23 % war die Fluktuation der 30 Aktien größer als die der ersten 5 Aktien.

Der Grund ist, dass die Studenten am Anfang die Blue Chips auswählten. Aber schon die fünfte Aktie lag unter der Hälfte der Marktkapitalisierung der ersten Aktie. Und je höher die Anzahl der Aktien wurde, desto kleinere und unbekanntere Werte wurden beigemischt. Was dann verständlicherweise zu einem steigenden Risiko führte, ja zwangsläufig führen musste.

Was lernen wir nun daraus?


Fortsetzung Klasse statt Masse

Wie bei allem gibt es auch bei der Aktienanlage einen goldenen Mittelweg. Es sollten nicht zu wenige Aktien sein, aber auch nicht zu viel. Also 10 bis 20 reichen vollkommen aus. Laut Statistik halten in den USA übrigens 36 % der Aktienanleger nur eine Aktie und 84 % haben nicht mehr als 9 Aktien.

Und schließlich sollte man nicht den Fehler machen, mit zunehmender Aktienanzahl bei der Auswahl unvorsichtiger werden. Man sollte also bedenken, dass jede Aktie zählt. Und weil das so ist, kann man auch mit relativ Wenigen sehr erfolgreich sein.

Warren Buffett zeigt das übrigens recht deutlich. Von ihm stammt auch die Aktienregel, dass man nur Aktien kaufen sollte, bei denen man im Zweifel auch bereit wäre, das ganze Unternehmen zu kaufen.

Also. An der Börse scheint es nicht anders zu sein als im richtigen Leben. Nicht die Masse, sondern die Klasse macht"s. Was irgendwie auch beruhigend ist.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und stets hohe Renditen

Ihr Norbert Lohrke


Börsendaten


Marktbericht: Die Luft ist raus

Nicht nur der US-Energiesektor war aufgrund der Herabstufung von Peabody Energy durch Goldman Sachs von einem Rücksetzer betroffen. Auch andere Werte lagen eher verhalten. "Es schaut so aus, als ob die Investoren mit diesem Jahr abgeschlossen haben", meint dann auch Paresh Upadhyaya von Putnam Investments. Und so schichten derzeit nicht wenige in kurzfristige Zinsanlagen um, so dass der Zins gegen Null tendierte. Der Dow gab um -0,14 % (10.318) nach. Der Nasdaq um -0,50 % (2.146) und der S&P 500 um -0,37 % (1.091).

In Frankfurt gaben die Indices bist auf den Tec Dax, der mit +0,15 % (761,84) im Plus lag nach. Der Dax lag mit -0,69 % (5.663) und der C Dax mit -0,71 % (491,35) in den Miesen. Grund war zum einen die Bemerkung des EZB-Notenbankpräsidenten Trichet, dass die großzügig gewährte Liquidität nicht auf ewig zur Verfügung stände und die Weigerung des Deutsche Bank Chef Ackermann einen Ausblick auf die Bankgewinne in nächten Jahr zu geben.

Japan begeht heute den Feiertag "Tag des Dankes der Arbeit". Die Börsen sind deshalb geschlossen.


Radar internationale Presse

D.R. Horton Verlust geht zurück. Der zweitgrößte US-Eigenheimbauer D.R: Horton hat im vierten Quartal seinen Verlust im Vorjahr von -799 Mio. Dollar auf -231,9 Mio. Dollar senken können. Der Umsatz ging um -42 % auf 1,08 Mrd. Dollar zurück. (WSJ)

Standpunkt: Da nützt es wenig, wenn die Auftragseingänge um +26 % steigen. Offensichtlich sind die Konditionen, die man derzeit erzielen kann, nicht besonders gut. Der gesamte Eigenheimmarkt liegt immer noch darnieder.

AnnTaylor zeigt trotz Umsatzrückgang Gewinn. Der Frauen Bekleidungshersteller AnnTaylor erwirtschaftete mit +2,1 Mio. Dollar einen kleinen Gewinn. Der Umsatz ging um -12 % auf 462,4 Mio. Dollar zurück. Die Bruttomarge stieg von 48,8 auf 57,3 % an. (WSJ)

Standpunkt: AnnTaylor hat offensichtlich ein gutes Management, das die Kosten im Griff hat. Nur so kam dieser kleine Gewinn zustande. Dabei wird es wohl auch zunächst bleiben. Da man auch im nächsten Quartal mit Umsatzrückgängen rechnet.

Nippon Oil und Irak starten Gespräche über Ölfeld. Ein von Nippon Oil angeführtes Konsortium hat mit den Verantwortlichen des Ölministeriums Gespräche über die Ausbeutung des Nassiriyah Ölfelds im Süden Iraks geführt. (NNI)

Standpunkt: Nippon will über 8 Mrd. Dollar investieren, um den Output von 20.000 Barrel auf 200.000 Barrel anzuheben. Das ist gar nicht so einfach. So kam der erste Gesprächstermin wegen der Verkehrs- und Sicherheitslage nicht zustande.

SdK feiert sein 50-jähriges. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger vertritt nunmehr seit 1959 die Interessen von Investoren. Sie hat derzeit ca. 12.000 Mitglieder. (PM)

Standpunkt: Der SdK erlebte Höhen und Tiefen. Letzteres erst im vergangen Jahr im Zusammenhang mit der Wirecard. Und dennoch hat die Finanzkrise gezeigt, dass der SdK mehr gebraucht wird, als je zuvor. Ich wünsche deshalb dem Verband viel Erfolg und noch einmal mindestens 50 Jahre.

Steinbrück im Aufsichtsrat der ThyssenKrupp AG. In seiner Sitzung am 26.11.2009 die Tagesordnung verabschiedet werden auf der die Benennung von 7 Aufsichtsratsmitglieder u.a. der Ex-Finanzminister Peer Steinbrück ansteht. (PM)

Standpunkt: Ob sich ThyssenKrupp mit der Benennung von Steinbrück wohl einen Gefallen tut? Ich meine nicht. Haben Schulz, Beitz und Konsorten schon vergessen, wie sich Steinbrück im Ausland im Zusammenhang mit der Steueraffäre aufgeführt hat? In meinem Aufsichtsrat jedenfalls hätte Steinbrück nichts verloren.


Finanztermine

Statistische Zahlen
US Verkäufe bestehender Häuser 10/09

Hauptversammlung
DE Bibliographisches Institut AG
DE IPG Investment Partners Group Wertpapierhandelsbank AG

Quartalszahlen
US Analog Devices Inc.
US Atwood Oceanics Inc.
US Campbell Soup Co.
US Hewlett Packard Co.
US Tech Data Corp.
US Tyson Food Inc.

Jahreszahlen
k.A.

Sonstiges
k.A.




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