Lufthansa
Die Piloten der Vereinigung Cockpit (VC) haben in der Nacht zum Montag ihre Arbeit bei der Lufthansa niedergelegt. Zehntausende Passagiere müssen sich darauf einrichten, dass ihre Flüge gar nicht oder nur verspätet starten. Die Lufthansa rechnet mit Millionenschäden. Cockpit hat mehr als 4.000 Piloten dazu aufgerufen, bis Donnerstag in den Ausstand zu treten. Ihnen geht es vor allem um die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze. Sie wollen verhindern, dass Flüge aus dem Mutterkonzern auf ausländische, billigere Töchter verlagert werden. Auch nach Beginn des Streiks zeichnet sich noch keine Annäherung beider Seiten ab.
Ein Händler sagte dazu: "Rund 1.200 von 1.800 täglichen Flügen müssen nun gestrichen werden. Das hat die Fluggesellschaft aber bereits angekündigt und ist daher keine Überraschung." Zu dem Streik selbst äußerte er sich im Hinblick auf die Piloten sehr kritisch. Es sei bekannt, dass die "Lufthansa-Piloten besser bezahlt werden als andere und sie weitere beträchtliche Privilegien haben".
Equinet-Analyst Jochen Rothenbacher hält den Konflikt mit den Piloten für schwer lösbar und einen länger anhaltenden Ausstand für möglich. Die Piloten hätten bei den Gehältern gegenüber ihren Kollegen bei den Tochtergesellschaften Austrian Airlines, Brussels Airlines und den Geschäftstätigkeiten in Mailand eine vorteilhafte Position und wollten diese schützen. Gleichzeitig sei es offensichtlich, dass die Lufthansa zunehmend nach günstigeren Produktionsfaktoren suche. Der aktuelle Streik koste das Unternehmen täglich 20 Millionen Euro Gewinn. Die Einigung mit Fraport sieht Rothenbacher im Rahmen der Erwartungen. Er beließ die Lufthansa-Aktie auf "Reduce" mit einem Kursziel von 11 Euro.
Auf 25 Millionen Euro pro Tag schätzt Analyst Robert Heberger von Merck Finck die Verluste der Fluggesellschaft durch den Ausstand. Sollte dieser wirklich vier Tage anhalten, entspräche der Verlust seiner Schätzung für den Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) im vergangenen Jahr. "Allerdings dürfte der öffentliche Druck beide Seiten zwingen, schon früher eine Lösung zu finden." Die mit Fraport erreichte Einigung über die Flughafenkosten ist nach Einschätzung Hebergers unvorteilhaft für die Lufthansa. Sein Votum für deren Aktie lautet weiterhin "Sell".
Auch Cheuvreux sieht die Aktie durch den Streik sowie die anstehenden Jahreszahle Mitte März weiter unter Druck. Analyst Loic Sabatier senkte seine EBIT-Schätzung für 2010 um 100 Millionen auf 367 Millionen Euro. "Unserer Einschätzung nach ist es für die Lufthansa entscheidend, den Forderungen der Piloten nicht nachzugeben", so Sabatier. Andernfalls gingen die langfristigen Vorteile der Kostensenkungspläne sowie die Synergieeffekte mit den zuletzt übernommenen Aktivitäten verloren. Er beließ die Aktie auf "Outperform" mit einem Kursziel von 15 Euro./gl/ag
ISIN DE0008232125
AXC0062 2010-02-22/11:04
