(neu: Vorbörsliche Kursreaktion, Reaktionen aus der Presse, Hintergründe)
WALLDORF (dpa-AFX) - Europas größter Softwarehersteller SAP
Weitere Informationen zum überraschenden Abgang Apothekers will SAP am Montag in einer Telefonkonferenz am frühen Nachmittag geben. Der Aufsichtsrat dankte Apotheker laut Mitteilung "für seinen enormen Beitrag zum Erfolg der SAP", den er seit seinem Eintritt in das Unternehmen vor mehr als 20 Jahren geleistet habe.
Aufsichtsratschef Hasso Plattner verspricht sich vom Umbau des Vorstandes, dass "die Produktinnovationen näher mit den Kundenanforderungen" zusammengebracht werden. Weiter heißt es, der Aufsichtsrat habe sich mit Vorstandssprecher Léo Apotheker einvernehmlich darauf verständigt, dessen Vertrag als Vorstandsmitglied nicht zu verlängern.
MANGELNDE UNTERSTÜTZUNG VON KUNDEN UND MITARBEITERN
Laut Medienberichten fehlte Apotheker sowohl die Unterstützung seiner Kunden als auch seiner Mitarbeiter. Die "Euro am Sonntag" schreibt auf ihrer Webseite "finanzen.net" unter Berufung auf informierte Kreise, mehrere Kunden hätten sich gegenüber Aufsichtsratschef Hasso Plattner kritisch über den SAP-Chef geäußert. Plattner habe zuvor wegen des heftigen Widerstands von Kundenseite gegen die geplante Erhöhung von Wartungsgebühren selbst mit ihnen gesprochen. Einige hätten erklärt, keine neuen Verträge mit SAP abschließen zu wollen, so lange Apotheker das Unternehmen führe. Erst vor wenigen Wochen hatte der Konzern die geplante Erhöhung der Wartungsgebühren zurückgenommen. Auch von seinen Mitarbeitern sei Apotheker nicht akzeptiert worden.
Auch in anderen Medienberichten hieß es am Montag, es sei in den vergangenen Wochen immer wieder zu hören gewesen, dass das Klima zwischen Apotheker und Plattner stark belastet gewesen sei. So habe es Kritik an der Kommunikation Apothekers gegeben, sowohl innerhalb des Konzerns als auch nach außen. Apotheker habe sich zudem in seinen Strategien zu häufig von den Wünschen der Kunden entfernt.
SEIT 2008 ERST AN DER SAP-SPITZE
Der Vertriebsexperte Apotheker stand erst seit April 2008 an der SAP-Spitze - zunächst gleichberechtigt neben dem Physiker Henning Kagermann und seit Mai 2009 allein. Apotheker war der erste Chef des traditionell stark entwicklergetriebenen Softwarehauses, der zuvor nicht selbst programmiert hatte. Die beiden neuen SAP-Chefs gehören dem Vorstand seit Juli 2008 an.
Der erneute Umbau an der Konzernspitze erfolgt in einer für SAP schwierigen Phase. Das lange Jahre erfolgsverwöhnte Unternehmen musste im abgelaufenen Geschäftsjahr wegen der weltweiten Finanzkrise und der daraus resultierenden Investitionszurückhaltung der Kunden einen Rückgang beim operativen Gewinn von 3,3 Milliarden auf 2,9 Milliarden Euro verbuchen. Unter dem Strich fiel der Gewinn bei SAP 2009 von 2,2 auf 2,0 Milliarden Euro. Der Umsatz ging um neun Prozent auf 10,7 Milliarden Euro zurück, und die Erlöse aus dem Geschäft mit Software sackten um 28 Prozent auf rund 2,6 Milliarden Euro ab./kf/DP/gr/stw/tw
ISIN DE0007164600
AXC0023 2010-02-08/08:26


