DJ UPDATE2: SAP trennt sich von Vorstandssprecher Apotheker
(NEU: Weitere Aussagen von Plattner)
Von Philipp Grontzki
DOW JONES NEWSWIRES
WALLDORF (Dow Jones)--Der Softwarekonzern SAP und Vorstandssprecher Léo Apotheker gehen künftig getrennte Wege. Apotheker habe sein Mandat mit sofortiger Wirkung niedergelegt, teilte der DAX-Konzern aus dem badischen Walldorf am Sonntagabend mit. Neu an die Spitze rücken Vertriebsvorstand Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe, der im Vorstand für die Produktentwicklung verantwortlich ist. Die SAP-Aktie reagierte mit Abschlägen auf den Führungswechsel.
Der Aufsichtsrat und Apotheker hätten sich "einvernehmlich" darauf verständigt, dessen Vertrag nicht zu verlängern, so das Unternehmen. Apotheker kam 1988 zu SAP und war seit 2002 im Vorstand des Konzerns. Der US-Amerikaner McDermott (48) und der Däne Hagemann Snabe (44) werden nun gleichberechtigte Vorstandssprecher sein. Daneben wurde Chief Technology Officer Vishal Sikka zum Vorstandsmitglied bestellt.
"Die Neuaufstellung der Unternehmensspitze soll die Produktinnovationen näher mit den Kundenanforderungen zusammenbringen", erklärte Hasso Plattner, Aufsichtsratsvorsitzender und einer der Gründer von SAP. In einer Telefonkonferenz sagte Plattner am Montag, er werde alles daran setzen, dass SAP wieder eine "glückliche" Firma werde. Die Doppelspitze sei keine kurzfristige Lösung.
Apotheker, Jahrgang 1953, war erst seit Juni 2009 alleiniger CEO von SAP. Davor hatte der Manager für etwas mehr als ein Jahr zusammen mit Henning Kagermann als Co-CEO den Konzern geleitet. SAP hat in Folge der Finanzkrise den Rotstift angesetzt und im vergangenen Jahr mehrere Tausend Stellen gestrichen, um dem der Wirtschaftskrise geschuldeten Nachfragerückgang zu begegnen.
Doch nicht nur die Wirtschaftskrise stellte Apotheker vor Probleme. So vollzog SAP im Januar einen Schwenk bei seiner Wartungsvertrags-Politik und bietet seinen Kunden weltweit nun wieder eine Wahlmöglichkeit bei Wartungsvereinbarungen, nachdem man erst 2008 eine Vereinheitlichung angekündigt hatte, die für bestehende Kunden vor allem höhere Preise bedeutete.
Daneben war der Manager in der Belegschaft offenbar nicht unumstritten. So schreibt die IG Metall auf einer Webseite für SAP-Beschäftigte, dass in einer durchgeführten Umfrage zur Mitarbeiterzufriedenheit die Zustimmungsrate zur Frage des Vertrauens in den Vorstand nur von rund 50% positiv beantwortet worden sei. Apotheker habe daraufhin deutlich gemacht, dass ihn dies "betroffen" gemacht habe. Eine SAP-Sprecherin wollte sich dazu am Montag nicht äußern.
"Für SAP ist der plötzliche Rücktritt eines CEO ein sehr außergewöhnlicher und bemerkenswerter Vorgang", schreibt Michael Bahlmann, Analyst bei M.M. Warburg. Es sei anzunehmen, dass der Rücktritt eine Reaktion auf die ungewöhnlich hohe Unzufriedenheit unter Kunden und Mitarbeitern sei.
Für 2010 hatte SAP Ende Januar nach Rückgängen im vergangenen Jahr wieder Wachstum bei den Produkterlösen angekündigt. Auch die operative Marge soll gegenüber dem Vorjahr zulegen. Plattner, der selbst jahrelang Vorstandssprecher bei SAP gewesen war, kündigte an, auch künftig eine "starke" Rolle zu spielen, um die neue Führung in Fragen der Technologie und der Produktentwicklung zu beraten.
Am Markt kam der Wechsel an der Spitze nicht gut an: Die Aktie von SAP verlor am Montagnachmittag 2,1% auf 32,66 EUR, während der DAX 0,6% gewinnt.
Webseite: www.sap.com -Von Philipp Grontzki, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 107, philipp.grontzki@dowjones.com (Archibald Preuschat in Düsseldorf und Hans Seidenstücker in Frankfurt haben an diesem Bericht mitgewirkt.) DJG/phg/cbr Besuchen Sie auch unsere Webseite http://www.dowjones.de
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February 08, 2010 10:36 ET (15:36 GMT)
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