Hamburg (BoerseGo.de) - An den Finanzmärkte grassiert nach wie vor die Sorge vor einem Staatsbankrott von Griechenland. Wie aus einem Bericht der "Financial Times Deutschland" hervorgeht, ist es den führenden Vertretern der Europäischen Union nicht gelungen, mit ihren abgegebenen Hilfsbekundungen bzw. der Beschränkung auf politische Hilfen für Griechenland die Euro-Skepsis einzudämmen. Die vage Erklärung nähre weiters den Verdacht, dass eine tatsächliche Einigung über Hilfen noch in Ferne liegt. Dadurch bleibe die Unsicherheit bestehen. Dies lässt sich unter anderem aus dem Trend beim Euro ableiten. Die Gemeinschaftswährung setzt heute ihren Abwärtstrend verstärkt fort. Dabei wurde mit 1,36 eine weitere Barriere unterschritten. Zuletzt notierte der Euro bei 1,3587 je Dollar. Dies entspricht einem Minus von 0,7668 Prozent. Das bisherige Tagestief lag bei 1,3537.
Als belastender Faktor für den Euro erweise sich weiters der enttäuschende Datenfluss zur europäischen Wirtschaft. So ist die Wirtschaft der Eurozone im vierten Quartal 2009 gegenüber dem dritten Quartal um lediglich 0,1 Prozent gewachsen und auf Jahressicht um 2,1 Prozent geschrumpft. Die Wirtschaft Deutschlands ist im vierten Quartal im Vergleich zum Vorquartal stagniert. Hier lagen die Erwartungen bei einem Wachstum von 0,2 Prozent.
Zudem zogen die Risikoaufschläge für die mit Credit Default Swaps (CDS) bezeichneten Kreditderivate weiter an. So sind die fünfjährigen griechischen CDS unter Berufung auf den Datenanbieter CMA Datavision am Vortag in New York von 353,7 Basispunkte auf 359,1 Basispunkte gestiegen. Dies bedeutet, dass sich die Kosten zur Absicherung von zehn Millionen Euro für griechische Verbindlichkeiten auf jährlich 354.900 Euro belaufen. Die CDS für Italien und Irland stiegen um zwei auf 130,6 Basispunkte sowie von 149,7 auf 155,9 Basispunkte.
Die Experten von Barclays gehen davon aus, dass selbst eine konkrete Hilfszusage für Griechenland den Ausverkauf beim Euro nicht verhindert, zumal jedes Hilfspaket den Eindruck der Gefährdung mit sich bringt. Zudem bestünden Zweifel, dass die EU die bekundeten Sparbemühungen der Griechen hinreichend überwacht. Nur ein Eingreifen des Internationalen Währungsfonds (IWF) könnte diese Sorge verblassen lassen. Aber diese Option erscheint unwahrscheinlich, zumal ein Eingreifen des IWF mit einem Stigma verbunden ist.
Die Strategen bei HSBC sehen den Euro derzeit von strukturellen Faktoren bestimmt. Alleine wegen der Angst vor einer Staatspleite Griechenlands werte der Euro gegenüber dem Dollar um sieben Prozent ab. Ein derartiger Verlust sei übertrieben, da ein Zusammenbruch von Griechenland seit Beginn dieses Themas als unwahrscheinlich gilt. Es sei davon auszugehen, dass der Euro wieder aufwertet, sobald zyklische Faktoren wieder vermehrt zur Geltung kommen. Die Gemeinschaftswährung verfüge dann über Aufwärtspotenzial auf 1,48 Dollar.