DJ IfW: Wirtschaftserholung in Deutschland bleibt 2010/2011 moderat
BERLIN/KIEL (Dow Jones)--Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) rechnet im laufenden wie kommenden Jahr mit einer nur moderaten Besserung der deutschen Wirtschaft. Die konjunkturelle Erholung dürfte nur allmählich an Breite gewinnen, heißt es in der aktuellen, am Donnerstag veröffentlichten Konjunkturprognose des Instituts. Die Konjunktur in Deutschland sei "nach wie vor fragil".
Für 2010 erwartet das IfW unverändert einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 1,2%. Für 2011 verringerte das Institut seine Prognose auf plus 1,8%, nachdem es im Dezember noch ein Wachstum von 2% erwartet hatte. Die Experten begründen dies damit, dass die für 2011 geplante Senkung der Einkommensteuer geringer ausfallen dürfte als damals erwartet.
Eine Reihe von Indikatoren deuteten auf einen sehr schwachen Start der deutschen Wirtschaft ins laufende Jahr. Für das erste Quartal rechnen die IfW-Experten daher mit einem "spürbar" gesunkenen BIP. Die konjunkturelle Grundtendenz sei nach wie vor schwach. Zudem habe der strenge Winter zu einem Einbruch bei der Bautätigkeit geführt. Auch der Einzelhandel habe unter der kalten Witterung in den ersten beiden Monaten des Jahres gelitten. "Die Einbußen dürften jedoch im weiteren Jahresverlauf aufgeholt werden."
Positiv für die außenwirtschaftliche Seite habe in den vergangenen Monaten die Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar gewirkt. Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen habe sich im ersten Quartal vor allem aufgrund dieser Abwertung um 0,8% verbessert. Im Jahresdurchschnitt dürften aus IfW-Sicht die Ausfuhren 2010 um 7,9% und 2011 um 6,1% steigen. Die Importe werden 2010 um 8,1% und 2011 um 8,8% zunehmen. Das IfW unterstellt für den Prognosezeitraum einen Euro-Wechselkurs von 1,35 gegenüber dem US-Dollar.
Die Lage am deutschen Arbeitsmarkt sei weiterhin erstaunlich positiv. Im Jahresdurchschnitt 2010 rechnen die IfW-Forscher mit 3,443 Millionen Arbeitslosen. Im kommenden Jahr dürften im Schnitt 3,275 Millionen Personen arbeitslos sein. Die Zahl der Erwerbstätigen sehen die Kieler Experten im laufenden Jahr bei 40,124 Millionen Personen und im kommenden Jahr bei 40,166 Millionen Personen.
Der Preisauftrieb wird aus IfW-Sicht "verhalten" bleiben. Voraussichtlich werde die Inflationsrate 2010 mit 0,6% etwas höher ausfallen als im Vorjahr. Im kommenden Jahr rechnen die Kieler Forscher mit einem Anstieg der Verbraucherpreise um 0,8%. Die privaten Konsumausgaben werden 2010 um 0,2% und 2011 um 1,8% steigen.
Die Budgetsituation Deutschlands wird sich im Prognosezeitraum deutlich verschlechtern. Das Defizit dürfte 2010 bei 5,2% und 2011 bei 5,1% des BIP liegen.
Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) wird nach IfW-Einschätzung "wohl noch längere Zeit expansiv bleiben. "Wir erwarten, dass die EZB nicht vor 2011 damit beginnen wird, den Hauptfinanzierungssatz anzuheben", heißt es in der IfW-Prognose. Allerdings werde im Laufe des Jahres die reichliche Liquiditätsversorgung der Banken wohl eingeschränkt.
Für den Euroraum rechnen die Kieler Experten im laufenden Jahr mit einem BIP-Anstieg um 1,4% und im kommenden Jahr um 1,3%. Die US-Wirtschaft wird nach IfW-Einschätzung im laufenden Jahr um 2,5% und im kommenden Jahr um 2,2% wachsen.
Webseite: www.ifw-kiel.de -Von Beate Preuschoff, Dow Jones Newswires, +49 (0)30 - 2888 4122, beate.preuschoff@dowjones.com DJG/bep/kth Dow Jones Newswires
March 11, 2010 05:00 ET (10:00 GMT)
