11. März 2010. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Roger Peeters fragt sich, ob der geplante Börsengang von Kabel Deutschland der ersehnte "Eisbrecher" für andere werden kann - oder eher eine Hiobsbotschaft.
Mit dem geplanten Börsengang des Kabelbetreibers Kabel Deutschland kommt der deutsche IPO-Markt im Speziellen und der Aktienmarkt generell an einen entscheidenden Punkt. Das öffentliche Angebot, zu dem am Mittwochnachmittag viele Details bekannt gegeben worden sind, könnte zu einem der größten IPOs der vergangenen Jahre avancieren. Bei einer Preisspanne von 21,50 Euro bis 25,50 Euro und einem Volumen von 30 Millionen Aktien plus eventuell weiterer 4,5 Millionen Aktien geht es um ein Transaktionsvolumen im sehr hoch dreistelligen Millionen Euro-Bereich. Grund genug für alle Marktteilnehmer, einen Blick auf das Angebot zu werfen. Losgelöst von der Frage, ob Investoren eine Zeichnung wagen sollen, ist die Signalwirkung nicht zu unterschätzen.
Denn zum einen gibt es gute Gründe anzunehmen, dass die Transaktion Erfolg hat: Der Börsengang wird von einem überaus prominentem Konsortium internationaler Investmentbanken begleitet. Zum anderen liegt es in der Natur des Geschäftsmodells von Kabel Deutschland, eine hohe Planungssicherheit für künftige Erlöse zu haben. Die Marktkonsolidierung ist weit voran geschritten. Entsprechend der erreichten guten Marktposition generiert Kabel Deutschland üppige EBITDA-Margen.
Doch, und das ist einer der ebenso plausiblen Gründe, vorsichtig zu sein, kommt von eben diesem hohen Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Firmenwertamortisationen ausgesprochen wenig unter dem Strich an. So musste im Geschäftsjahr 2008/09 ein Nettoverlust verbucht werden. Insbesondere die hohe Zinsbelastung kann sich kurzfristig kaum bessern, da der komplette Börsengang mit keiner Kapitalzufuhr des Unternehmens verbunden ist. Die angebotenen Aktien entstammen komplett dem Besitz des Finanzinvestors Providence. Das schmeckt nicht jedem Investor, gleiches gilt für die dividendenfreien kommenden Jahre. Die Ausschüttungssperre ist auf eine Vereinbarung bei einem großen Darlehen an Kabel Deutschland zurück zu führen.
Unter dem Strich ist zu konstatieren, dass die Aktie von Kabel Deutschland mal losgelöst von Fragen der jeweiligen fundamentalen Bewertung auf diesem oder jenem Preisniveau eine regelrechte "Geschmackssache" ist. Investoren müssen, nicht zuletzt auf Grund der nicht gerade geringen Schuldenlast des Konzerns eine gewisse Risikoneigung mit sich bringen. Das etwa kleinere Volumen als bis dahin vermutet dokumentiert, dass das IPO kein Selbstläufer ist. Vielmehr handelt es sich bei der Transaktion um ein Event, das Zeichen setzt. Eine erfolgreiche Platzierung sollte nach menschlichem Ermessen Signalwirkung haben. Kabel Deutschland hat alleine auf Grund der Größe das Zeug, der ersehnte "Eisbrecher" zu werden. Sollte das IPO hingegen floppen, wird der Gesamtmarkt Schaden nehmen. Kabel Deutschland könnte im schlimmsten Fall zu einem Menetekel für den gesamten IPO-Markt in 2010 werden. Eben um dies zu verhindern, werden sich die Konsortialbanken besonders in Zeug legen. Das gibt der "Eisbrecher-These" objektiv eine erhöhte Eintrittswahrscheinlichkeit.
© 11. März 2010/Roger Peeters
*Roger Peeters ist Vorstand der Close Brothers Seydler Research AG, einer Tochter der auf mittelständische Unternehmen fokussierte Close Brothers Seydler Bank. Zuvor leitete Peeters viele Jahre die Redaktion der "Platow Börse" und beriet den von ihm konzipierten DB Platinum III Platow Fonds. 2008 erschien von ihm 'Finde die richtige Aktie - ein Profi zeigt seine Methoden' im Finanzbuchverlag. Peeters schreibt regelmäßig für die Börse Frankfurt.
(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)
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