DJ Kommentar der Financial Times Deutschland zu IKB/Deutsche Bank - vorab 17. März 2010
IKB/Deutsche Bank: Dreistes Manöver Angriff ist bekanntlich die beste Verteidigung, ganz besonders, wenn sie gegen die Deutsche Bank geht. Ihr Chef Josef Ackermann ist nicht gerade ein Volksheld und bietet sich auch durch manches kommunikative Missgeschick als Zielscheibe an Kein Wunder also, dass Ex-IKB-Chef Stefan Ortseifen seine letzte Chance in einer Attacke auf das größte deutsche Kreditinstitut sieht. Doch diesmal sollte die Kritik nicht verfangen. Zu dreist ist Orsteifens Argumentation. Im Kern argumentiert der Ex-Manager, die Deutsche Bank habe den Zusammenbruch der IKB herbeigeführt, indem sie wenige Tage zuvor ohne Vorwarnung alle Kreditlinien für die Mittelstandsbank kappte. Das ist insofern richtig, als die Deutsche Bank mit ihrer hastigen Aktion tatsächlich eine Panik an den Märkten auslöste, die letztendlich zum Untergang der IKB führte. Doch diese Panik wäre auch ohne Ackermann und Co. gekommen - nur eben vielleicht zwei, drei oder vier Tage später. Längst waren auch andere Institute nervös geworden ob der gigantischen Verbriefungsportfolios, die sich die kleine IKB in ihren ausländischen Zweckgesellschaften wie Rhineland Funding und Rhinebridge aufgebaut hatte. Goldman Sachs etwa wollte schon keine Geldmarktpapiere mehr platzieren, mit denen sich Rhineland Funding normalerweise finanzierte. Angesichts der enormen Risiken, die die IKB damals außerhalb ihrer offiziellen Bilanz führte, zeugt es schon von Realitätsverlust zu glauben, die Bank hätte die Finanzkrise ohne Milliardenhilfen überleben können. Dass sich die Deutsche Bank so schnell aus dem Geschäft mit der IKB verabschiedet hat, war vielleicht nicht ruhmreich, aber aus Sicht der eigenen Aktionäre durchaus richtig. Die hätten es Ackermann wohl kaum verziehen, wenn er wider besseres Wissen die Kreditlinien für eine marode Bank aufrechterhalten hätte. Wenn man der Deutschen Bank etwas vorwerfen kann, dann dass sie - wie alle Institute - die Finanzkrise zu spät erkannt hat. Nicht jedoch, dass sie mit als erste Alarm geschlagen hat. G+J Wirtschaftsmedien GmbH & Co. KG Stubbenhuk 3 20459 Hamburg G+J Wirtschaftsmedien GmbH & Co. KG | Sitz: Hamburg, Amtsgericht Hamburg HRA 92810 | Komplementärin: G+J Wirtschaftsmedien Beteiligungs GmbH | Sitz: Hamburg, Amtsgericht Hamburg HRB 70371 | Geschäftsführer: Ingrid M. Haas, Dr. Bernd Buchholz |
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March 16, 2010 14:40 ET (18:40 GMT)
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