(Neu: weitere Aussagen Obermann, Analystenkommentar)
BONN (dpa-AFX) Die Telekom
Die Telekombranche tüftelt seit einiger Zeit, wie sie am Datenboom teilhaben kann. Denn zur reinen "Bitpipe" wollen sich die Konzerne nicht degradieren lassen, für das Geschäft mit Inhalten fehlt ihnen auf der anderen Seite das Know-How. Der Telekom-Chef setzt deshalb auf einen ganzen Strauß von Lösungen, auch Partnerschaften mit Internetdienstleitungen schreibt Obermann groß.
Der Umsatz dieser neuen "Wachstumsfelder" soll sich bis 2015 auf 30 Milliarden Euro fast verdoppeln und irgendwann die Hälfte der Erlöse ausmachen. Vieles davon gehöre bereits zum Geschäft der Telekom, kommentierte Gartner-Analystin Katja Ruud. Dennoch sei es gut zu wissen, wo das Unternehmen hinwolle. Obermann werde sich in Zukunft an den Zielen messen lassen müssen.
TREIBER MOBILES INTERNET
Das größte Wachstumspotenzial sieht Obermann nach wie vor im mobilen Internet. Aber auch Dienstleistungen rund ums Festnetz wie Internetfernsehen, und Internetangebote wie Musikdownloads und die Suchagenten der Scout-Gruppe sollen zu dem Wachstum beitragen. Weitere Übernahmen in dem Bereich schließt Obermann nicht aus, zuletzt war über die Übernahme des Internet -Bezahldienstleisters "Click&Buy" spekuliert worden. Doch auch die Großkundensparte T-Systems soll künftig stärker wachsen als der Markt und 2015 bis zu acht Milliarden Umsatz unter anderem mit Cloud Services einbringen. Zusätzliche Erlöse erhofft sich Obermann mit intelligenten Netzen wie Stromzählern oder der automatischen Übermittlung von Verkehrs- und Krankendaten.
Ganz verabschieden wird sich Obermann vom klassischen Telefongeschäft aber nicht: Auch in Zukunft wird es den Großteil des Geschäfts ausmachen. Marktanteile will Obermann weiterhin verteidigen: Das Netzgeschäft bleibe ein Milliardenmarkt und bringe nach wie vor "gutes Geld".
PAY-TV UND GLASFASER
In Deutschland legt sich der Telekom-Chef unterdessen mit Kabelnetzbetreibern und Pay-TV-Anbietern an. Mit seinem Internetfernsehen will die Telekom 2012 Marktführer beim PayTV-Geschäft werden. Um den Kabelnetzbetreibern Paroli zu bieten, die mehr und mehr ins Telefongeschäft dringen, setzt Obermann auf Glasfaser bis ins Gebäude. So hofft Obermann den Umsatzschwund in Deutschland - mit einem Anteil von 40 Prozent immer noch der wichtigste Markt für die Telekom - zu stoppen. Vor allem das Festnetzgeschäft steht in Deutschland nach wie vor unter Druck, ursprünglich war es einmal Obermanns Ziel, die Erlöse dort bis 2010 zu stabilisieren.
Auch die Expansion im Ausland sei noch nicht zu Ende, sagte
Obermann. "Multimilliarden-Investitionen in Ländern wie Indien sind
aber wenig zielführend." Es gehe eben nicht darum, mehr desselben
Geschäfts zu generieren, sondern das Geschäftsmodell zu verändern.
Beim Sorgenkind USA hofft der Telekom-Chef mit dem geplanten
Netzausbau weiter zu den Wettbewerbern aufzuschließen. Die Telekom
setzt auf dem US-Markt nicht auf den neuen Mobilfunkstandard Long
Term Evolution (LTE) sondern rüstet ihre UTMS-Netze mit HPSA+ auf.
Bis Ende 2010 wollen die Bonner außerdem acht Millionen Smartphones
in den USA verkaufen, um ihre Datenumsätze anzukurbeln. Die Telekom
steht nach wie vor hinter den Platzhirschen AT&T
ISIN DE0005557508
AXC0173 2010-03-17/16:24
