DJ BÖRSEN-AUSBLICK/Unsichere Zeiten halten an - Die Hexen tanzen
Von Thomas Leppert Dow Jones Newswires
FRANKFURT (Dow Jones)--Grundlegend hat sich an den Rahmenbedingungen für die Kapitalmärkte in der abgelaufenen Woche nichts geändert. Es sind die gleichen Fragen, die sich die Investoren weltweit stellen: Sehen wir noch eine zweite Abwärtswelle der globalen Wirtschaft? Und: Schafft es die durch Konjunkturprogramme angeschobene Erholung in einen selbsttragenden Aufschwung? Wer sich zu dem Lager der Pessimisten zählt, wird sich vom Aktienmarkt fern halten - und vom sicheren Ufer zuschauen.
Der fundamentale Unterbau des DAX hat sich nach Einschätzung der DZ Bank jüngst stabilisiert. So stimmten insbesondere die Erstquartalsberichte sehr positiv. Es wurde ein Umsatzanstieg von durchschnittlich 9% gegenüber dem Vorjahr verzeichnet. Aufgrund der Sparprogramme der Unternehmen legten die Gewinne überproportional zu und betrugen das Vierfache des vergleichbaren Vorjahreswertes. Im April und im Mai kam es entsprechend zu heftigen Revisionen der DAX-Gewinnschätzungen für 2010 um plus 11% und 2011 um plus 8%. Die Analysten sind nach wie vor positiv gestimmt und erwarten für 2012 wieder ähnlich hohe Unternehmensgewinne wie 2007, also vor der Rezession.
Nicht nur Analysten sind positiv gestimmt. Auch die Manager der Unternehmen haben in den letzten Wochen im großen Umfang eigene Aktien gekauft, wie die jüngsten Daten der BaFin zeigen. So kauften in der vergangenen Woche 64 Top-Manager Aktien des eigenen Unternehmens, während lediglich vier verkauften. Seit Beginn der Veröffentlichung der Director's Dealings" in 2002 ist dies der positivste Wert.
So zuversichtlich sind allerdings nicht alle Teilnehmer, auch wenn die Notenbankchefs momentan Zuversicht zu verbreiten versuchen. So sagte der Chairman der US-Notenbank Ben Bernanke Anfang der Woche, die US-Wirtschaft sei wohl kraftvoll genug, um eine Double-Dip-Rezession zu umschiffen. Für die Eurozone hat EZB-Chef Jean-Claude-Trichet die Wachstumsprognose für 2010 auf 1% nach bisher 0,8% angehoben.
Wie unsicher aktuell das Fahrwasser ist, zeigen die Kursbewegungen. Die Volatilität ist weiterhin hoch, die Kurssprünge teilweise erschreckend. Viel Akteure halten sich bedeckt und schauen zu. Es gibt wichtige runde Marken, die es zu beachten gilt. Beim Gold ist es das historische Hoch bei nun 1.250 USD - gebildet in dieser Woche. Ebenfalls ein historisches Hoch hat diese Woche der Bund-Future bei 130% gebildet. Sollten neue Hochs erreicht werden, ist die Furcht vor dem Risiko erneut kräftig gestiegen.
Das Spiel an den Börsen ist im weitesten Sinne auch mit dem Spiel auf dem Rasen zu vergleichen. Einem Gewinner steht ein Verlierer gegenüber, bei einem Remis hat keiner von beiden wirklich etwas gewonnen. Die Fußballweltmeisterschaft wird in der kommenden Woche sicherlich nicht die Richtung an den Börsen vorgeben, sie wird sich allerdings auf das Handelsgeschehen auswirken. In der Londoner City arbeiten viele fußballbegeisterte Händler.
Als umsetzbare Strategie für die kommende Woche bietet sich an, einen Abwehr-Riegel im Bereich bei 6.200 Punkten im DAX aufzubauen - und in diesem Bereich die Angriffsbemühungen der bullischen Gegner auslaufen zu lassen. Unterstützung erhält die Verteidigungszone von der Charttechnik im Bereich 5.800 Punkten, bei 5.820 läuft zudem die steigende 200-Tages-Linie. Eine empfindliche Flanke könnte von der Terminbörse ausgehen, denn am Freitag tanzen dort wieder die alten Frauen mit den Krähen auf den Schultern - es ist Hexensabbat.
-Von Thomas Leppert, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 29725 221, thomas.leppert@dowjones.com DJG/thl/mod/raz Besuchen Sie auch unsere Webseite http://www.dowjones.de
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June 11, 2010 08:12 ET (12:12 GMT)
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