DJ Kommentar der Financial Times Deutschland zu EADS/Boeing - vorab 22.März 2010
Tankflugzeuge: Scheinangebot des Pentagon Das jahrelange Gerangel um die Tankflugzeugbestellung der USA wird immer bizarrer: Nun bewirbt sich plötzlich das russische Konsortium UAC um den sogenannten Jahrhundertauftrag des US-Militärs. Und EADS will angeblich doch wieder gegen Boeing bieten. Eins zumindest ist in dieser unübersichtlichen Lage klar. Die Russen haben trotz ihres Dumpingpreises keine Chance. Nicht nur, weil das Tankflugzeug erst noch entwickelt werden muss und durch die Produktion fast nur in Russland Arbeitsplätze entstehen. Es ist völlig undenkbar, dass die Amerikaner ausgerechnet dem einstigen Feind des Kalten Krieges einen Auftrag erteilen, an dem die Versorgung der gesamten Air Force hängt. Es dürfte dem Pentagon aber auch gar nicht darum gehen, den Auftrag neu zu vergeben. Mit dem Schritt wollen die Amerikaner nur Boeing unter Druck setzen. Als einziger Bieter hätte der Konzern nach Belieben den Preis und die Lieferbedingungen diktieren können. Doch nicht nur deshalb sind die Chancen von EADS genauso gering wie vor zwei Wochen, als US-Kooperationspartner Northrop Grumman aus dem Bietergefecht ausstieg. Wie damals begünstigen die Ausschreibungsbedingungen weiterhin die kleineren Maschinen von Boeing. Das Pentagon erwägt bislang nur, die Ausschreibungsfrist zu verlängern. Sollte EADS tatsächlich dennoch versuchen, allein um die 179 Tankflugzeuge mitzubieten, geht der europäische Konzern ein extrem hohes Risiko ein. So handelt es sich bei dem Auftrag um ein Festpreisangebot. Wie schnell da die Kosten außer Kontrolle geraten können, hat Airbus gerade erst beim eigenen Militärtransporter A400M zu spüren bekommen. Auch der verzögerte Superjumbo A380 drückt die nächsten Jahre auf den Gewinn. Bei all diesen Großbaustellen sollte EADS daher erst dann ein Gebot für den Tanker erwägen, wenn das Pentagon auch die Ausschreibungsbedingungen erheblich ändert. Ansonsten sollten die Europäer lieber Abstand nehmen. G+J Wirtschaftsmedien GmbH & Co. KG Stubbenhuk 3 20459 Hamburg G+J Wirtschaftsmedien GmbH & Co. KG | Sitz: Hamburg, Amtsgericht Hamburg HRA 92810 | Komplementärin: G+J Wirtschaftsmedien Beteiligungs GmbH | Sitz: Hamburg, Amtsgericht Hamburg HRB 70371 | Geschäftsführer: Ingrid M. Haas, Dr. Bernd Buchholz |
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March 21, 2010 14:21 ET (18:21 GMT)
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