New York (BoerseGo.de) - Aus der aktuellen Entwicklung des Ölmarkts ergibt sich Bloomberg zufolge das Signal, dass die Preise für das schwarze Gold infolge der derzeit im Golf von Mexico grassierenden schlimmsten Ölpest der US-Geschichte vor einem unbestimmten Lauf nach oben stehen und die Erschließung neuer Felder mit künftig höheren Kosten verbunden ist. Der Preis für ein Barrel Rohöl der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung Dezember 2018 ist seit dem Ausbruch der Ölpest am 20. April infolge der Explosion der Ölplattform "Deepwater Horizon" um 86 Prozent gestiegen. Damit notiert der Dezember 2018-Futurekontrakt mehr als 21 Dollar über dem Futurekontrakt für Juli 2010. Vor dem Ausbruch der Ölpest stand der in acht Jahren fällige Kontrakt nur um 11 Dollar höher. Experten wie etwa von der Deutschen Bank gehen davon aus, dass sich diese Differenz in den nächsten Jahren noch um 5 Dollar vergrößert. Hiefür spreche die Aussicht auf stärkere Regulierungen.
Zudem dürfte US-Präsident Barack Obama ein wegen der Ölkatastrophe verhängtes Verbot für Tiefseebohrungen über eine Dauer von sechs Monaten verlängern. Damit verringere sich das zur Verfügung stehende Limit an potenziellen Öl-Ressourcen in den USA auf 23,2 Milliarden Barrel. Dies entspreche 76 Prozent sämtlicher geprüfter Reserven des Landes. Die Zahl bohrender Ölbohrinseln im Golf von Mexico ist in der Vorwoche um 50 Prozent auf den niedrigsten Stand seit 16 Jahren eingebrochen.
Eine weltweite Verzögerung bei Tiefseebohrungen verringert unter Berufung auf den Schätzungen der Analysten von Sanford C. Bernstein die weltweite Ölproduktion um 500.000 Barrel pro Tag. Diese Menge stelle zwar weniger als drei Prozent des täglichen Verbrauchs in den USA dar, aber reiche nahezu aus, um die drittgrößte lateinamerikanische Volkswirtschaft Argentinien zu versorgen. In diesem Fall komme auf die OPEC eine stärkere Belastung zu. Das Ölkartell sehe sich dann vermutlich zur Aktivierung von ungenutzten Feldern gezwungen, um die steigende Nachfrage zu befriedigen. In diesem Falls würden die Kapazitäten der OPEC besonders während der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts zurückgehen. Eine solche Entwicklung ziehe steigende Preise nach sich. Die Welt befinde sich daher in zunehmender Abhängigkeit von Ölfunden in der Tiefsee wie etwa vor der Küste von Brasilien. Die in mehr als 1000 Meter unter der Meeresoberfläche liegenden Reserven dürften bis 2018 fast vier Millionen Barrel an der weltweiten täglichen Produktion ausmachen und den derzeitigen Anteil um mehr als das sechsfache übertreffen, heißt es weiter von Bernstein.
