Im Streit um ausstehende Zahlungen hat
Russland seinem Nachbarn Weißrussland den Gashahn noch weiter
zudreht. Die Lieferungen würden seit Dienstagmorgen um 30 Prozent
des üblichen Niveaus gekürzt. Der Chef des russischen
Gasmonopolisten Gazprom
Weißrussland unternehme keinerlei Schritte, um seine Schulden zu tilgen, hieß es in einer in Moskau veröffentlichten Mitteilung von Gazprom-Chef Miller. Zu Wochenbeginn hatte Gazprom zunächst 15 Prozent des Lieferumfangs gekürzt. Zwar hatte Minsk erklärt, das Geld bis 5. Juli zahlen zu wollen. "Wir werden aber sicher nicht diese zwei Wochen warten", sagte Gazprom-Sprecher Sergej Kuprijanow.
Durch Weißrussland laufen zwar wichtige Versorgungsleitungen auch für den Westen. Ein Engpass wurde zunächst aber nicht befürchtet. Eine EU-Kommissionssprecherin hatte am Montag gesagt, der Streit könnte Europas Gasversorgung mindern. Litauen etwa würden Kürzungen über weißrussische Leitungen schwer treffen, da das baltische Land zu 100 Prozent über diesen Weg versorgt wird. Polen und Deutschland wären "indirekt" betroffen, hieß es. Beide Länder würden ihre Speicher mit Gas aus Weißrussland auffüllen.
Russische Medien sehen in dem Konflikt ein Druckmittel, um Weißrusslands Widerstand gegen eine von Russland angestrebte Dreier-Zollunion mit Kasachstan zu brechen. Der autoritäre weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko ist zudem dringend auf Hilfe aus Moskau angewiesen, um seine Macht bei den bevorstehenden Präsidentenwahlen zu sichern./mau/DP/tw
ISIN RU0007661625
AXC0049 2010-06-22/10:14
