Die Gaspreise für private Verbraucher folgen schon seit gut einem Jahr nicht mehr den Ölpreisen. Nach einer Erhebung des Verbraucherportals Verivox stiegen die Durchschnittspreise für leichtes Heizöl zwischen August 2009 und Juli 2010 um 28,8 Prozent, wie die "Financial Times Deutschland" am Donnerstag schreibt. Gleichzeitig sank der Gaspreis im Schnitt um 5,5 Prozent. "Erstmals sehen wir einen deutlichen Trend zur Entkopplung des Gaspreises vom Heizölpreis", sagte Peter Reese, Leiter Energiewirtschaft bei Verivox, der Zeitung. Gazprom-Vize Alexander Medwedew sagte im Gespräch mit der "FTD" dennoch wieder steigende Preise voraus.
In der Aufbauzeit der Gaswirtschaft wollte die Branche einen konstanten Preisabstand zur Konkurrenzenergie Öl halten, um keine Marktanteile zu verlieren. So schützte sie ihre kapitalintensive Infrastruktur aus Pipelines, Speichern und Anlagen vor Wertverlust. Inzwischen fahren die Gasanbieter aber unterschiedliche Strategien. "Die jeweiligen Unternehmensziele prägen die Preispolitik der Anbieter", so Verivox. So versuchten einige Unternehmen, über niedrige Preise Kunden zu gewinnen, während für andere die Optimierung der Marge im Vordergrund stehe. Die Preisdifferenzierung nehme daher zu.
Die großen Gaslieferanten pochen dagegen weiter auf Langzeitverträge mit Preisbindung an Öl. "Die Erosion der Kopplung werde größere Preisschwankungen zur Folge haben", warnte Gazprom-Vize Alexander Medwedew in einem Interview mit der "FTD". Er sagte eine stetige Steigerung der Gaspreise voraus. "Bis 2012 ist unserer Meinung nach das Nachfrageniveau der Vorkrisenzeit wieder erreicht und die Differenz zwischen den langfristigen Preisen und den Spotmarktpreisen verschwunden."/ang/tw
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