DJ Kommentar der Financial Times Deutschland zur PID - vorab -22.12.2010
PID: Richtiger Vorschlag Der gestern vorgestellte Kompromissvorschlag zur Präimplantationsdiagnostik (PID) geht in die richtige Richtung. Er wurde von Vertretern aller Bundestagsfraktionen erarbeitet. Die Union hatte sich kürzlich noch für ein vollständiges Verbot der PID ausgesprochen. Wenn der neue Entwurf hilft, die verhärteten Fronten in dieser Debatte aufzubrechen, wäre allen geholfen. Die Frage, ob werdende Eltern ihren Nachwuchs auf genetische Defekte untersuchen lassen dürfen, erregt die Gemüter. Sie ist aber zu bedeutend, um sie an ideologischen Hürden scheitern zu lassen. Wenn der Bundestag demnächst festlegt, ob und wie Embryonen vor dem Einsetzen in die Gebärmutter untersucht werden dürfen, sollten die Abgeordneten Tests unter strengen Auflagen zulassen. Die vorgeschlagene Ethikkommission ist eine Möglichkeit, diese Regeln zu prüfen. Die PID sollte jenen ermöglicht werden, die wissen, dass sie besonders schwere und oft tödliche Gendefekte an ihre Kinder weitergeben können. Sie müssen die Chance haben, dies zu verhindern. Bislang stehen die Eltern vor der Wahl, ihrem Kinderwunsch zu entsagen oder - in dem Fall, dass die genetischen Schäden nach der Implantation entdeckt werden - eine Spätabtreibung oder eine Totgeburt zu riskieren. Selbstverständlich sind die Vorbehalte gegen die PID nicht nur rückwärtsgewandt oder fortschrittsfeindlich. Stets droht die Gefahr, dass das Verfahren missbraucht wird, um Menschen nach genetischen Merkmalen wie dem Geschlecht auszuwählen oder weniger schwerwiegende, aber teure Erbkrankheiten zu verhindern. Beides muss die Gesellschaft verhindern, indem sie die Regelungen zur PID nachbessert, sobald Missbrauch erkennbar wird. Ein verantwortungsbewusster Umgang mit dem Fortschritt bedeutet aber nicht, ihn beim ersten Anzeichen von Gefahr abzuwürgen.
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December 21, 2010 13:25 ET (18:25 GMT)
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