Die Photovoltaikbranche hat sich informierten Kreisen zufolge mit dem Bundesumweltministerium auf eine Änderung der Solarförderung verständigt. Ein entsprechendes Konzept soll am Donnerstag vom Bundesumweltministerium und vom Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) vorgestellt werden. Ministerium und Verband luden am Dienstag zu einem entsprechenden Termin ein, äußerten sich aber nicht konkreter über die Inhalte der geplanten Änderung der Photovoltaikvergütung im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Den Informationen zufolge sieht diese vor, dass die Absenkung zum Teil auf den Juli vorgezogen werden soll, in Abhängigkeit von der zwischen März und Mai installierten Menge, hieß es in mit den Verhandlungen vertrauten Kreisen.
Der Vorstandschef des Photovoltaikunternehmens Solarworld
Die Kappung im Sommer hängt von der installierten Solarleistung ab. Entscheidend für die Berechnung soll sein, wie viel Leistung von März bis Mai hinzukommt. Diese Menge soll dann auf das ganze Jahr hochgerechnet werden. Kommt dabei ein Zuwachs von weniger als 3,5 Gigawatt (GW) heraus, soll es keine Einschnitte geben. Ist es mehr, soll die Kürzung schrittweise auf bis zu 15 Prozentpunkte bei mehr als 7,5 GW installierter Leistung steigen. Im Boomjahr 2010 sollen den Berechnungen der Branche zufolge etwa 7 GW zusätzlich installiert worden sein.
Solarworld-Chef Asbeck rechnet für 2011 indes mit einer Leistung von höchstens fünf Gigawatt in Deutschland. Bereits der Januar sowie die Erwartungen für das Jahr ließen darauf schließen, dass die bereits 2010 erfolgten Förderkürzungen die hohe Nachfrage des vergangenen Jahres abgekühlt hätten. Damit sei dann auf der Basis des neuen Konzepts mit einer Kürzung um 6 Prozentpunkte im Juli zu rechnen. Die großen Energieversorger könnten künftig auf Basis dieses Konzept nicht mehr behaupten, die Preise wegen der Solarstromerzeugung erhöhen zu müssen, sagte Asbeck.
Ob es allerdings überhaupt bei dem zur Debatte stehenden Modell zu einer Förderkürzung kommt, ist umstritten. Im vergangenen Jahr war es so, dass im Juni besonders viel Solarleistung im Juni zugebaut wurde. Dieser Monat ist aber in den Berechnungen ausgeklammert. Kritiker, die eine höhere Förderkürzung fordern, sehen daher bereits eine Mogelpackung.
Mit den neuerlichen Änderungen bei der Solarförderung will die Branche der Sorge vor den explodierenden Kosten begegnen. Nach Angaben von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) zahlen die Stromverbraucher in diesem Jahr für die Förderung der erneuerbaren Energien eine Gesamtumlage von mehr als 13 Milliarden Euro. Experten befürchten, dass die Akzeptanz für den Ökostromausbau durch immer schneller steigende Belastungen Gefahr gerät.
Nach Ansicht von Kritikern profitieren besonders ausländische Hersteller von der üppigen Sonnenstromförderung in Deutschland. Allein in den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres haben nach Berechnungen der Hochschule für Technik und Wirtschaft chinesische Unternehmen Solarzellen und Module im Wert von 4,62 Milliarden Euro nach Deutschland importiert. "Auch bei Solar will der Käufer möglichst viel für wenig Geld", sagte HTW-Solarexperte Wolfgang Hummel. "Wir haben bei der Ökostromförderung den gleichen Effekt wie bei der Auto-Abwrack-Prämie. Der größte Gewinner im Autosektor war der Dacia aus Rumänien."/nmu/enl/stw
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AXC0199 2011-01-18/17:05