DJ Kommentar der Financial Times Deutschland zu Guttenberg - vorab2.3. 2011
Es hätte für die Union schlimmer kommen können. Man stelle sich nur vor, Karl-Theodor zu Guttenberg hätte an seinem Amt als Verteidigungsminister festgehalten. Sein Plagiatsskandal hätte drei Landtagswahlkämpfe bestimmt - und das sicher nicht zum Vorteil der CDU. Sie hätte es aber leichter haben können - wenn sich Guttenberg von Anfang an den Vorwürfen gestellt hätte. Doch lieber stritt er ab, was längst belegt war: Dass er im großen Stil seine Doktorarbeit abgeschrieben hat. Er lavierte und klebte an seinem Stuhl so lange es ging. Mit der Glaubwürdigkeit und Klarheit, die er selbst einfordert, hatte das nichts zu tun. Sein Rücktritt war deshalb überfällig. Dass er das noch immer nicht verstanden hat, zeigt seine gestrige Erklärung. In ihr verniedlicht er seinen Betrug als Petitesse, sieht sich als Opfer einer medialen Kampagne und will seinen jetzigen Schritt als Zeichen von Charakterstärke verstanden wissen. Reue klingt anders. Der Skandal mag an seinem Ruf kratzen, wirklich beschädigt aber hat er die Union. Denn sie hat nun bei den Wahlen ein Mobilisierungsproblem. Einerseits wurden die Guttenberg-Fans frustriert, weil ihnen ihr Star genommen wurde. Zugleich haben Angela Merkel und Co. - die nur auf die Umfragewerte schielten - dabei Teile der Wählerschaft verprellt: Konservative Bildungsbürger, denen Werte wie Ehrlichkeit, Verantwortungsbereitschaft und das Prinzip Aufstieg durch Leistung noch wichtig sind. Die CDU-Spitze hatte ja nicht etwa deshalb an Guttenberg festgehalten, weil sie ihm glaubte, sondern weil sie ihn dringend braucht. Er war ihr wichtigstes Wählerlockmittel. Und er ist ihr größtes politisches Nachwuchstalent. Nach seinem Weggang gibt es in der Union vorerst keine Perspektive mehr, wie es nach Merkel weitergehen könnte. Ihre Gegenspieler haben sich entweder aus der Partei zurückgezogen - wie Christian Wulff oder Roland Koch - oder wurden im Politalltag entzaubert, wie Ursula von der Leyen und Norbert Röttgen. Der Rücktritt dürfte für Guttenberg daher nicht das Ende seiner politischen Karriere bedeuten. Schon einmal musste ein Verteidigungsminister der CSU wegen eines Skandals zurücktreten und wurde später Kanzlerkandidat. Franz-Josef Strauß war beim Rücktritt im Zuge der Spiegel-Affäre 47 - Guttenberg ist jetzt 39. [www.guj.de] G+J Wirtschaftsmedien GmbH & Co. KG Am Baumwall 11 20459 Hamburg Wir sind umgezogen. Bitte beachten Sie, dass sich Adresse, Telefon- und Fax-Nummer geändert haben. G+J Wirtschaftsmedien GmbH & Co. KG | Sitz: Hamburg, Amtsgericht Hamburg HRA 92810 | Komplementärin: G+J Wirtschaftsmedien Beteiligungs GmbH | Sitz: Hamburg, Amtsgericht Hamburg HRB 70371 | Geschäftsführer: Ingrid M. Haas, Dr. Bernd Buchholz |(END) Dow Jones Newswires
March 01, 2011 13:58 ET (18:58 GMT)
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