Eigentlich haben die Märkte das bekommen, was sie wollten: Nun hat schon der dritte Regierungschef innerhalb von drei Wochen vor der Schuldenkrise kapitulieren müssen: Nur wenige Tage nach den Rücktritten der wankelmütigen Premiers Giorgos Papandreou in Griechenland und Silvio Berlusconi in Italien muss nun der Spanier José Luis Rodríguez Zapatero abtreten. Und auch in Spanien folgt dem geschwächten Vorgänger ein Technokrat mit Willen zu Reformen - diesmal sogar durch eine Neuwahl legitimiert.
Aber sind die Investoren darüber glücklich? Nein. Die Anleihezinsen dieser Länder bleiben gefährlich hoch. Rational scheint das kaum. Dabei ist die Skepsis der Anleger verständlich. Die Märkte haben Spanien abgeschrieben, denn die Iberer stecken in einer Zwickmühle.
Wahlgewinner Mariano Rajoy ist eigentlich eine Art Musterknabe des Finanzmarkts. Der designierte Ministerpräsident hat den Spaniern im Wahlkampf nichts versprochen. Stattdessen hat er seine Wähler auf einen harten Sparkurs für die kommenden vier Jahre vorbereitet. Er macht damit genau das, was Investoren von ihm verlangen: Er setzt auf Haushaltskonsolidierung.
Dass dies in der Politik aber zu wenig ist, hat sich auch bis zu den Anlegern herumgesprochen. Rajoy wird diese Krise allein nicht lösen können. Denn Spaniens neuer Ministerpräsident steht vor einer Aufgabe, die nicht lösbar ist. Er soll die Staatsfinanzen konsolidieren, um das Vertrauen der Märkte zu gewinnen. Dafür soll er das Haushaltsdefizit von derzeit mehr als sechs Prozent auf drei Prozent bis zum Jahr 2013 senken. Doch erstens wurde er weniger als Sparer gewählt, vielmehr wurde sein Vorgänger abgewählt. Der blasse Rajoy muss es daher erst einmal hinbekommen, politische Mehrheiten für seinen umfassenden Sparkurs zu gewinnen.
Und was nutzen Bekenntnisse zur Haushaltskonsolidierung, wenn zugleich die Wachstumsaussichten des Landes äußerst düster sind?: Der Binnenmarkt liegt lahm. Die Wirtschaft stagnierte im dritten Quartal. Bei einer Arbeitslosigkeit von 21,5 Prozent und einer hohen Verschuldung der privaten Haushalte fällt der heimische Konsum als Motor für einen Aufschwung aus. Und der Export leidet unter der Euro-Krise. Spanien steht somit vor einer mehrjährigen Wachstumsflaute. Rajoy kann daran nichts ändern.
Schon sein Vorgänger Zapatero hatte versucht, sich dem entgegenzustellen. Jeder seiner Reformversuche, wie die Ankündigung einer konstitutionellen Schuldenbremse nach deutschem Vorbild, verpuffte aber an den Märkten. Das dürfte sich auch unter dem neuen, konservativen Premier kaum ändern. Ihm wird daher kaum etwas anderes übrig bleiben, als - wie schon seine sozialistischen Vorgänger - zu hoffen, dass die Europäische Zentralbank einspringt, um Spanien zu stützen. (END) Dow Jones NewswiresNovember 21, 2011 13:57 ET (18:57 GMT)
Aber sind die Investoren darüber glücklich? Nein. Die Anleihezinsen dieser Länder bleiben gefährlich hoch. Rational scheint das kaum. Dabei ist die Skepsis der Anleger verständlich. Die Märkte haben Spanien abgeschrieben, denn die Iberer stecken in einer Zwickmühle.
Wahlgewinner Mariano Rajoy ist eigentlich eine Art Musterknabe des Finanzmarkts. Der designierte Ministerpräsident hat den Spaniern im Wahlkampf nichts versprochen. Stattdessen hat er seine Wähler auf einen harten Sparkurs für die kommenden vier Jahre vorbereitet. Er macht damit genau das, was Investoren von ihm verlangen: Er setzt auf Haushaltskonsolidierung.
Dass dies in der Politik aber zu wenig ist, hat sich auch bis zu den Anlegern herumgesprochen. Rajoy wird diese Krise allein nicht lösen können. Denn Spaniens neuer Ministerpräsident steht vor einer Aufgabe, die nicht lösbar ist. Er soll die Staatsfinanzen konsolidieren, um das Vertrauen der Märkte zu gewinnen. Dafür soll er das Haushaltsdefizit von derzeit mehr als sechs Prozent auf drei Prozent bis zum Jahr 2013 senken. Doch erstens wurde er weniger als Sparer gewählt, vielmehr wurde sein Vorgänger abgewählt. Der blasse Rajoy muss es daher erst einmal hinbekommen, politische Mehrheiten für seinen umfassenden Sparkurs zu gewinnen.
Und was nutzen Bekenntnisse zur Haushaltskonsolidierung, wenn zugleich die Wachstumsaussichten des Landes äußerst düster sind?: Der Binnenmarkt liegt lahm. Die Wirtschaft stagnierte im dritten Quartal. Bei einer Arbeitslosigkeit von 21,5 Prozent und einer hohen Verschuldung der privaten Haushalte fällt der heimische Konsum als Motor für einen Aufschwung aus. Und der Export leidet unter der Euro-Krise. Spanien steht somit vor einer mehrjährigen Wachstumsflaute. Rajoy kann daran nichts ändern.
Schon sein Vorgänger Zapatero hatte versucht, sich dem entgegenzustellen. Jeder seiner Reformversuche, wie die Ankündigung einer konstitutionellen Schuldenbremse nach deutschem Vorbild, verpuffte aber an den Märkten. Das dürfte sich auch unter dem neuen, konservativen Premier kaum ändern. Ihm wird daher kaum etwas anderes übrig bleiben, als - wie schon seine sozialistischen Vorgänger - zu hoffen, dass die Europäische Zentralbank einspringt, um Spanien zu stützen. (END) Dow Jones NewswiresNovember 21, 2011 13:57 ET (18:57 GMT)
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