Von Hans Bentzien DOW JONES NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Europa und die USA gehen konjunkturell getrennte Wege. Während die Eurozone am Jahresende in eine Rezession abgleiten dürfte, deuten Daten aus den USA auf ein schwaches, aber anhaltendes Wachstum hin. Die europäischen Einkaufsmanagerindizes lagen im November erneut auf Rezessionsniveau und die Auftragseingänge der Industrie stürzten regelrecht ab. Dagegen lassen US-Indikatoren eine gewisse Stabilität erkennen: Die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter sanken weniger als erwartet, das Verbrauchervertrauen stagnierte und der Konsum stieg leicht. Vor diesem Hintergrund dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Zinsen demnächst erneut senken. Die US-Notenbank dagegen dürfte zunächst abwarten, wie sich die Konjunktur weiter entwickelt.
Der Auftragseingang in der Industrie des Euroraums brach im September gegenüber dem Vormonat um 6,4% ein, womit der stärkste Rückgang seit Dezember 2008 registriert wurde. Volkswirte hatten nur ein Minus von 2,7% erwartet. Zugleich revidierte Eurostat den Ordereingang für August auf plus 1,4% nach unten, nachdem vorläufig ein Zuwachs von 1,9% gemeldet worden war.
Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbes 'des Währungsgebiets sank auf 46,4 Punkte von 47,1 im Vormonat und erreichte damit den niedrigsten Stand seit Juli 2009, wie der Informationsdienstleister Markit Economics berichtete. Volkswirte hatten einen Rückgang auf 46,5 Zähler prognostiziert. Der Einkäuferindex für den Servicesektor kletterte auf 47,8 (Vormonat: 46,4) Punkte und der aggregierte Sammelindex, der auf dem Produktionsindex für das verarbeitende Gewerbe und dem Index des Dienstleistungsbereichs basiert, erhöhte sich auf 47,2 (46,5) Zähler. Damit lag er den dritten Monat unter der kritischen Marke von 50 Punkten. Markit rechnet vor diesem Hintergrund damit, dass die Wirtschaft des Euroraums im vierten Quartal um 0,6% schrumpfen wird.
Commerzbank-Volkswirt Christoph Weil sieht das Minus im Schlussquartal bei 0,25% und rechnet für 2012 mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,4%. "Doch selbst diese deutlich unter dem Konsens der Volkswirte liegende Prognose wäre noch zu optimistisch, wenn die Staatsschuldenkrise eskaliert und es zu einem Unsicherheitsschock wie nach dem Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers kommt", warnte er. Weil erwartet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins in der nächsten Woche erneut um 25 Basispunkte senken wird.
In den USA spricht nach Einschätzung der Commerzbank dagegen einiges für ein anhaltendes, wenn auch schwaches Wachstum. Die Auftragseingänge der Industrie für langlebige Wirtschaftsgüter sanken im Oktober weniger stark als erwartet für zuviel. Zwar gingen die Bestellungen für zivile Investitionsgüter ohne Flugzeuge deutlich zurück, doch wollte beispielsweise Postbank-Volkswirt Heinrich Bayer dem keine zu große Bedeutung beimessen. Die Ausrüstungsinvestitionen seien zuletzt überaus stark gestiegen, so dass ohnehin eine Abschwächung zu erwarten gewesen sei, meinte er und setzte hinzu: "Zudem liegen die Bestellungen immer noch fast 10% über dem Vorjahresniveau. Allzu große Besorgnis ist deshalb nicht angebracht."
Auch im Hinblick auf die Konsumausgaben der US-Amerikaner äußerte er sich optimistisch. Zwar seien diese im Oktober nicht so stark wie erwartet gestiegen, doch hätten die realen Verbraucherausgaben im Oktober immerhin um reichlich 0,4% über dem Niveau des dritten Quartals gelegen, analysierte er. Es würden also schon schwache Zuwächse im November und Dezember ausreichen, um den privaten Verbrauch im vierten Quartal um annualisiert 2,0% bis 2,5% steigen zu lassen. "Zu Hoffnungen berechtigt hier die aktuelle Entwicklung der Löhne und Gehälter. Diese sind im Oktober mit 0,5% zum zweiten in Folge recht kräftig gestiegen. Dies könnte die Bereitschaft des Durchschnittsamerikaners, im Weihnachtsgeschäft etwas mehr auszugeben, fördern."
-Von Hans Bentzien, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 300, Hans.Bentzien@dowjones.com DJG/hab
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November 23, 2011 10:34 ET (15:34 GMT)
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