RALEIGH (Dow Jones)--Die HeidelbergCement AG könnte als weltgrößter Anbieter von Bau-Zuschlagstoffen von einem neuen Baustoffriesen aus den USA überrundet werden. Martin Marietta Materials Inc will den größeren US-Rivalen Vulcan Materials Co in einer feindlichen Übernahme für 4,8 Mrd USD an sich reißen. Damit übernähme die Nummer 2 in den USA den Marktführer.
HeidelbergCement war 2010 mit einem Volumen von 264 Mio Tonnen bei Zuschlagstoffen wie Kies und Sand weltweit die Nummer 1. Zusammen kämen die beiden US-Rivalen auf 278 Mio Tonnen.
Martin Marietta bietet eine halbe eigene Aktie für jeden Vulcan-Anteilsschein. Daraus ergibt sich ein 15-prozentiger Aufschlag auf den gleitenden 10-Tage-Kurs. Eine Reihe von Anlegern rechnet offenbar noch mit einer Aufbesserung des Angebots. Vulcan schossen am Montag um 17% auf 39,25 USD nach oben und schlossen damit über den rechnerischen Angebotspreis von 38,34 USD. Aber auch Martin-Marietta-Aktien verbesserten sich um 3,3% auf 76,66 USD.
Ward Nye, CEO von Martin Marietta, beteuert, dass er eine einvernehmliche Einigung mit dem Vulcan-Management anstrebe. Er bezeichnete das Angebot als fair, beantwortete die Frage nach einer Verbesserung der Konditionen aber nicht.
Angesichts der derzeit fragilen Lage der US-Wirtschaft biete sich eine gute Gelegenheit zum Zusammenschluss, um sich rechtzeitig für einen Aufschwung im Hoch- und Tiefbau zu positionieren. Nye will innerhalb von zwei bis drei Jahren jährlich 200 Mio bis 250 Mio USD einsparen und schwärmt von den ausgezeichneten Perspektiven.
Die Vulcan-Geschäftsführung äußert sich weit weniger euphorisch. Sie werde das Angebot "sorgfältig" prüfen und innerhalb von zehn Geschäftstagen eine Empfehlung abgeben. Die Aktionäre sollten vorher nichts unternehmen.
Martin Marietta und Vulcan hatten bereits seit vergangenem Jahr verhandelt. Im Mai diesen Jahres endeten die Gespräche jedoch, nachdem Vulcan-CEO Don James gefordert hatte, dass sein Unternehmen fast das gesamte Top-Management im neuen Konzern stellt.
Vulcan erwirtschaftete 2010 rund 2,56 Mrd USD Umsatz, Martin Mariettas 1,78 Mrd USD. Allerdings schrumpft der Vulcan-Aktienkurs seit fast zwei Jahren bedenklich, dazu drückt ein Schuldenberg von 2,8 Mrd USD.
Glückt die Übernahme, soll der Vulcan-Chef Chairman des neuen Unternehmens werden. Den Posten des CEO und President will der jetzige Martin-Marietta-CEO besetzen. Martin Marietta will zudem weiter üppige Dividenden ausschütten, die nach eigenen Angaben beim 20-fachen der momentanen Auszahlungen von Vulcan liegen.
Mit der Transaktion will der Konzern aus Raleigh vom sich langsam abzeichnenden Aufschwung am Bau in den USA profitieren. Noch ächzt die US-Bauindustrie unter der Rezession im Zuge der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise. Gewerbliche Bauten zogen zuletzt an. Dank staatlicher Infrastrukturprojekte der Obama-Administration erhoffen sich die US-Unternehmen aber auch gute Geschäfte vom Straßen- und Brückenbau.
-Von Bob Sechler, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 29725 130; unternehmen.de@dowjones.com DJG/DJN/axw/smh
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December 13, 2011 04:07 ET (09:07 GMT)
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