Neue Runde im Streit um Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff: In einem Zivilverfahren fordert der Arcandor-Insolvenzverwalter von Middelhoff und sieben weiteren Managern des pleitegegangenen Unternehmens Schadenersatz in Höhe von insgesamt 24 Millionen Euro. In dem Verfahren, das am Montag vor dem Essener Landgericht startet, geht es unter anderem um angeblich zu Unrecht bezahlte Sonderboni und Abfindungsbeträge sowie die Kosten für teure Charterflüge und Bewirtungsspesen.
Allein die Forderungen gegen den Ex-Arcandor-Chef Middelhoff belaufen sich auf rund 16 Millionen Euro. Middelhoff weist die Vorwürfe nach Angaben seines Anwalts Winfried Holtermüller "allesamt als unbegründet" zurück. In dem Termin am Montag sei das persönliche Erscheinen der Parteien nicht angeordnet, teilte das Essener Gericht mit. Auch eine abschließende Entscheidung sei zunächst noch nicht zu erwarten.
In der Juristenschlacht um das Erbe des Essener Unternehmens muss Middelhoff gleich an mehreren Fronten kämpfen. In einem weiteren Verfahren gegen Middelhoff und andere Manager geht es um Schadenersatzforderungen des Insolvenzverwalters in Höhe von insgesamt 175 Millionen Euro.
Den Managern wirft der Insolvenzverwalter vor, dem Konzern beim Verkauf von fünf Karstadt-Immobilien finanziellen Schaden zugefügt zu haben. Der Prozess, der bereits seit dem Frühjahr 2011 vor dem Essener Gericht läuft, soll im kommenden Jahr fortgesetzt werden. Ein vom Gericht angeregter Vergleich zwischen den Parteien scheint wenig Aussicht auf Erfolg zu haben: "Wir sehen keine Ansatzpunkte für eine gütliche Einigung", sagte Middelhoff-Anwalt Holtermüller, der die Klage als "unschlüssig" bezeichnete.
Nach einer Prozess-Niederlage in einem von einem Kleinaktionär angestrengten Schadenersatzprozess habe Middelhoff mittlerweile Berufung gegen das Urteil des Essener Landgerichts eingelegt, sagte Holtermüller. Vor dem Oberlandesgericht in Hamm sei bereits ein Verhandlungstermin für Anfang Februar angesetzt.
Das Essener Landgericht hatte den Ex-Arcandor-Chef im Mai dieses Jahres wegen "sittenwidriger Schädigung" zur Zahlung eines Schadenersatzes von 2575 Euro verurteilt. Der Kleinaktionär hatte bei Geschäften mit Arcandor-Aktien im Herbst 2008 rund 50 000 Euro verloren. Aus seiner symbolischen Klageforderung von rund 5000 Euro gestand ihm das Gericht gut die Hälfte zu. Nach Ansicht der Richter muss sich Middelhoff die "offensichtlich falschen Erklärungen" des Arcandor-Pressesprechers zurechnen lassen.
In der Juristen-Schlacht hat der Middelhoff-Anwalt zudem Strafanzeige wegen Prozessbetrugs gegen den Insolvenzverwalter gestellt. Für den Anfang kommenden Jahres kündigte Holtermüller die Vorlage einer Schadenersatzklage seines Mandanten gegen den Insolvenzverwalter an. Wegen Imageschädigung werde Middelhoff einen zweistelligen Millionen-Betrag fordern. "Bei Thomas Middelhoff ist praktisch alles zerstört worden", sagte er./uta/DP/stb
AXC0050 2011-12-16/09:36
