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Gigantische Nachfrage nach EZB-Geld

von Jochen Steffens

Gestern kam es zu einer kleinen Intradayrally an den Märkten. Hintergrund waren unter anderem bessere Daten zum US-Immobilienmarkt. Auch in den USA scheinen sich, wie schon häufiger beschrieben, die Konjunkturdaten langsam zu verbessern. Die US-Wirtschaft erholt sich, wenn auch nur sehr schleppend und langsam. Mit dafür verantwortlich dürfte sein, dass der Fokus der weltweiten Anlegerschar auf der europäischen Krise liegt. Und so kann sich die USA im Schatten dieser Krise langsam stabilisieren. Anders sähe es sicherlich aus, wenn die Anleger den Probleme in den USA mehr Aufmerksamkeit schenken würden.

Unbegrenzte Liquidität

Ein zweiter Grund für die Rally war, dass spanische Staatsanleihen von der Absicht der EZB profitierten, den Banken unbegrenzt Liquidität zum Ankauf europäischer Staatsanleihen zur Verfügung zu stellen. Bei der gestrigen Auktion sanken die Zinsen der spanischen Anleihen mit einer Laufzeit von drei Monaten auf 1,735 %. Vor wenigen Wochen musste Spanien noch 5,11 % zahlen. Auch der Zinssatz der sechsmonatigen Anleihen sank von zuvor 5,227 % auf nun 2,435 %.

Alle Schleusen geöffnet

Die EZB hat mit dieser Ankündigung die Geldschleusen weit geöffnet - die Wirkung lässt offensichtlich nicht auf sich warten, wie man an der spanischen Auktion erkennen kann. Heute wurden schließlich die neuen Drei-Jahres-Kredite der EZB vergeben. Die Nachfrage war gigantisch. Insgesamt 523 Banken liehen sich Kredite im Wert von 489 Mrd. Euro zu einem Zinssatz von einem Prozent.

Werden die Sparprogramme umgesetzt?

Die wirklich entscheidende Frage ist nun: Werden die europäischen Staaten die radikalen Sparprogramme auch tatsächlich umsetzen? Denn nur so kann aus den Aktionen der EZB tatsächlich eine langfristige Lösung werden.

Die kurzfristigen Auswirkungen der Schuldenkrise, also immer weiter steigende Zinsen bei den Staatsanleihen, sind damit erst einmal vom Tisch. Doch keineswegs geklärt ist es, wie es mittelfristig, bzw. langfristig weitergeht. Das wird sich erst in den kommenden Monaten und Jahren zeigen. Die Krise ist also 2012 nicht vorbei. Interessant wird aber, wie lange sich der Markt noch für diese Krise interessiert.

Window-Dressing

Zurzeit kann man dabei den Kursbewegungen der Indizes nur wenig Prognosekraft zuschreiben. Zu sehr wird nun das Jahresendgeschäft den weiteren Verlauf bestimmen. Wirklich spannend wird allerdings, wie sich die Kurse zum Jahresanfang entwickeln. Hier werden sich viele Fonds für das neue Jahr positionieren. Die Kursbewegungen im Januar können also durchaus richtungsweisend für den weiteren Jahresverlauf sein. Dazu natürlich mehr, wenn es soweit ist.

Noch keine Entscheidung im DAX

Der DAX konnte die blaue Abwärtstrendlinie immer noch nicht nachhaltig überwinden. Sie wissen, das hatte ich als Mindestanforderung für eine bullishere Entwicklung genannt. Interessant ist, dass diese blaue Abwärtstrendlinie nicht mehr eindeutig zu definieren ist. Es gibt zu viele mögliche Varianten. Offensichtlich orientiert sich der DAX vielmehr an der roten Abwärtstrendlinie, die allerdings nur mit der Target-Trend-Methode entwickelt werden kann. Auch hier zeigt sich wieder einmal die Relevanz dieser Methode.

Festzuhalten bleibt: Der Abwärtstrend muss gebrochen werden, damit sich das Bild aufhellt. Wir können es uns trotz diese verschiedenen Abwärtstrendlinien im Moment einfach machen: Die 6.000-Punkte-Marke muss nachhaltig nach oben aufgelöst werden, das wäre das erste bullishe Zeichen. Geschieht das, sind auch die Abwärtstrends durch.

Insgesamt hält sich der DAX aber in einer Seitwärtsbewegung auf. Und für das mittelfristige Bild ist nach wie vor entscheidend, in welche Richtung er diese nachhaltig verlässt.

Viele Grüße

Jochen Steffens

© 2011 Börse-Intern
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