Niederlage für Eon
Wie die Staatsholding Parpública und die Kommission für den Wertpapiermarkt CMVM in Lissabon mitteilten, wurde Three Gorges bei einem Treffen des Ministerrats am Donnerstag zum Sieger der Privatisierungsausschreibung erkoren. Neben dem Düsseldorfer Versorger waren auch die brasilianischen Unternehmen Eletrobras und Cemig bis zuletzt im Rennen.
VOLLZUG BIS ENDE JANUAR
Die Privatisierung von EDP, dessen Marktwert insgesamt auf rund 8,5 Milliarden Euro geschätzt wird, soll nach Regierungsangaben nach den nun anstehenden Detailverhandlungen mit den Chinesen bis spätestens Ende Januar abgewickelt werden. Der Staat wird danach noch knapp vier Prozent am EDP-Kapital behalten, die aber auch bald abgestoßen werden sollen.
Nach Informationen führender Wirtschaftsblätter wie "Financial Times" hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem Treffen mit dem portugiesischen Regierungschef Pedro Passos Coelho heftig für die Eon-Offerte geworben. Passos hatte eingeräumt, das deutsche Interesse sei vor dem Hintergrund der Euro-Krise "wichtig".
CHINESEN WOLLEN MILLIARDEN INVESTIEREN
Die Zeitung "Jornal de Negocios" schrieb, Lissabon habe nun eine "mutige, aber auch waghalsige Entscheidung getroffen", da man gegen die Interessen der für Portugal wichtigen Wirtschaften von Deutschland und Brasilien gehandelt habe.
Für die Chinesen sprach allerdings, dass sie nicht nur das höchste Gebot abgaben, sondern auch, dass sie Investitionen von mindestens vier Milliarden Euro in Aussicht stellen. Sie wollen zudem in Portugal auch den Bau einer Windturbinenfabrik finanzieren, die für Exporte im Wert von mindestens 500 Millionen Euro pro Jahr sorgen werde, hieß es.
AUFPREIS
Mit 3,45 Euro pro Aktie zahlt Three Gorges einen deutlichen Aufpreis, da die EDP-Titel am Donnerstag an der Lissabonner Börse nach einem Tages-Anstieg von rund vier Prozent bei 2,33 Euro notierten.
EDP ist einer der größten Energieversorger Europas und auch im Bereich der erneuerbaren Energien führend. Im Ausland ist der Konzern unter anderem in Spanien, Belgien, Frankreich, Polen, Rumänien, USA und Brasilien präsent. Mit rund 12.000 Mitarbeitern machte er 2010 einen Umsatz von 14,17 Milliarden Euro bei einem Nettogewinn von 1,234 Milliarden Euro.
WEITERE PRIVATISIERUNGEN
Neben EDP will Portugal nach Absprache mit den internationalen Geldgebern unter anderem auch die Fluggesellschaft TAP, den Fernsehsender RTP, die Eisenbahngesellschaft Comboios de Portugal (CP), den Betreiber des portugiesischen Stromverteilernetzes REN, die Bank CGD und andere Firmen völlig oder zum Teil privatisieren. Davon erhofft man sich in den nächsten eineinhalb Jahren Einnahmen von sieben Milliarden Euro.
Als Gegenleistung für das 78 Milliarden schwere Hilfspaket der Europäischen Union (EU) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) muss Portugal dieses Jahr das Haushaltsdefizit von 9,8 Prozent (2010) auf 5,9 Prozent senken. Bis 2015 will man am Tejo sogar ein Defizit von 0,5 Prozent erreichen./er/DP/stw
ISIN DE000ENAG999 PTEDP0AM0009
AXC0189 2011-12-22/17:55


