--Ungarn bereit über Bedingungen für Notfallkredit zu verhandeln
--Chefunterhändler deutet Veränderung des umstrittenen Notenbankgesetzes an
--Land reagiert auf bedrohliche Lage der eigenen Währung
--Zinsen erreichen bei Auktion die Marke von 10 Prozent
--Refinanzierung Ungarns immer schwieriger
(NEU: Weitere Details und Hintergründe, Einschätzungen von Analysten) Von Veronika Gulyas, Clare Connaghan und Emese Bartha DOW JONES NEWSWIRES
BUDAPEST (Dow Jones)--Nachdem das Land unter erheblichen Druck der Finanzmärkte geraten ist, signalisiert Ungarn Bereitschaft, mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ohne eigene Vorbedingungen über einen Notfallkredit zu verhandeln. Das Kabinett reagierte damit auf die bedrohliche Lage des Forints und die immer schwieriger werdende Refinanzierung des Landes. "Die Regierung ist bereit, das Notenbankgesetz zu diskutieren", kündigte Chefunterhändler Tamas Fellegi an. Die jüngst in Kraft getretene Bestimmung hatte erheblichen Unmut sowohl bei der Europäischen Union als auch beim IWF hervorgerufen. Sie beschneidet die Unabhängigkeit der Zentralbank. Die EU machte deutlich, dass eine Veränderung "unabdingbar" für die finanzielle Stabilität des Landes sei.
"Ich kann über die Notfallkredite verhandeln, muss aber die besten Konditionen für Ungarn erreichen", erklärte Fellegi nach einem Gespräch mit Ministerpräsident Viktor Orbán. Zuvor hatte die ungarische Führung immer darauf bestanden, die Kreditlinie von 15 bis 20 Milliarden Euro ohne Restriktionen bei ihrer Wirtschaftspolitik seitens des IWF beanspruchen zu können. Die Regierung sei sich der schwierigen Lage bewusst und wisse auch, was beim IWF auf dem Spiel stehe, so der Chefunterhändler weiter. Der Währungsfonds betonte, bei dem am 11. Januar beginnenden Treffen werde keine endgültige Entscheidung gefällt.
Ungarn steht mittlerweile am Abgrund einer Währungskrise. Am Morgen fiel der Forint auf den niedrigsten Stand zur europäischen Gemeinschaftswährung seit der Beinahpleite 2008 und notierte bei 324,25 Forint je Euro. Die Renditen ungarischer Staatsanleihen überschritten die Marke von 11 Prozent und bei einer Neuemission von Schuldtiteln blieb das Land auf einem Teil der Papiere sitzen, musste zugleich aber deutlich höhere Zinsen hinnehmen.
Die ungarische Auktion für zwölfmonatige Schatzwechsel stieß nur auf eine geringe Nachfrage. Obwohl das Land Rekordzinsen von fast 10 Prozent akzeptierte, brachte es am Markt nur Anleihen im Volumen von 35 Milliarden Forint unter. Angestrebt war ein Volumen von 45 Milliarden Forint. Analyst Gergely Suppan von der Takarekbank in Budapest äußert Unverständis, dass sich die staatliche ungarische Schuldenverwaltung den hohen Zinsforderungen der Bieter gebeugt hat. Seiner Meinung nach hätte die Schuldenverwaltung alle Gebote zurückweisen sollen.
Nach der Ankündigung von Chefunterhändler Fellegi erholte sich der Forint etwas und die Renditen auf zehnjährige Staatsanleihen sanken von 11,20 auf 10,79 Prozent. Nichtsdestoweniger bleibt die Landeswährung schwach und die Risikoaufschläge bei Schuldtiteln extrem hoch. "Das Vertrauen der Märkte in die Regierung befindet sich auf dem Tiefpunkt", sagte Timothy Ash, Analyst bei der Royal Bank of Scotland. Er glaubt nicht, dass die Äußerungen Fellegis die Stimmung grundlegend verändern können. Ein fallender Forint setzt das Kabinett von Orban unter Druck, weil dadurch die Kosten für Fremdwährungskredite steigen. Dies belastet wiederum die ungarischen Privathaushalte, die sich zu einem guten Teil in US-Dollar oder Schweizer Franken verschuldet haben. Ungarn möchte mit dem Notfallkredit ein Sicherheitsnetz knüpfen, um das Vertrauen der Investoren nicht gänzlich zu verlieren.
Ungarn brauche dringend Unterstützung, urteilt Analystin Aurelija Augulyte von Nordea. Sie schätzt den externen Finanzbedarf des Landes im ersten Quartal auf 2,14 Milliarden Euro. Im vierten Quartal dürfte der Bedarf auf 3,85 Milliarden Euro steigen. Die noch ausstehende Herabstufung der ungarischen Bonitätsnote durch die Ratingagentur Fitch werde den Druck erhöhen. Die beiden anderen großen Ratingagenturen Standard & Poor's und Moody's bewerten Ungarn schon mit Bonitätsnoten, die eine Stufe unter dem Investment-Grade-Rating liegen.
-Von Veronika Gulyas, Clare Connaghan und Emese Bartha, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29 725 300, konjunktur@dowjones.com DJG/DJN/chg/apo/flf
(END) Dow Jones Newswires
January 05, 2012 07:41 ET (12:41 GMT)
Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.
