Die Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit Ungarns auf Ramsch-Niveau herabgestuft. Laut einer am Freitag veröffentlichten Mitteilung senkte die Agentur die Bewertung des von der Pleite bedrohten EU-Staates von zuvor "BBB-" auf "BB+" und damit auf die erste Stufe unterhalb der Ramsch-Grenze. Außerdem setzte Fitch den Ausblick auf "Negativ". Damit überwiegen in den kommenden Monaten die Chancen einer weiteren Absenkung.
Die Herabstufung sei eine Reaktion auf die schwere Finanzkrise des Landes und die schlechten Wachstumsaussichten, hieß es in einer Mitteilung von Fitch. Die zuletzt "unorthodoxe Wirtschaftspolitik" des Landes untergrabe das Vertrauen der Investoren, hieß es weiter. Außerdem erschwere die jüngste Wirtschaftspolitik der Regierung in Budapest eine Übereinkunft mit den Kreditgebern vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Union.
Ungarns Regierung zeigte sich in einer ersten Stellungnahme überrascht von der Herabstufung durch Fitch. Zuletzt habe sich der Kurs des ungarischen Forint nach einer rasanten Talfahrt wieder stabilisiert und die Kurse der Kreditausfallversichungen hätten sich verbessert, sagte Regierungssprecher Andras Giro-Szasz.
Am Morgen waren die politischen Spitzen des Landes in Budapest zu einem Krisentreffen zusammengekommen. Regierungschef Viktor Orban beriet sich in seinem Arbeitszimmer mit einigen Ministern und Notenbank-Chef Andras Simor. Über die Tagesordnung der Unterredung verlautete zunächst nichts, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur MTI.
Der rechts-nationalistische Orban hatte seinen Konfrontationskurs zur Europäischen Union (EU) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) immer weiter verschärft, gleichzeitig ist das Land wegen der angespannten Finanzlage auf internationale Hilfen angewiesen./jkr/hbr
AXC0112 2012-01-06/15:08
