(Neu: Telefonkonferenz; Bayer-Aussagen; Details)
LUDWIGSHAFEN (dpa-AFX) - Der weltgrößte Chemiekonzern BASF
Die Unternehmenszentrale der BASF Plant Science werde von Limburgerhof (Deutschland) nach Raleigh (North Carolina, USA) verlegt, hieß es. Gleichzeitig solle die Forschung in Nordamerika, Gent und Berlin gestärkt werden. Die Maßnahmen sollen bis Ende 2013 abgeschlossen sein. BASF sei aber weiter davon überzeugt, dass die Pflanzenbiotechnologie eine der Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts ist. Allerdings werde nun die Entwicklung und Kommerzialisierung aller Produkte, die ausschließlich auf den europäischen Markt ausgerichtet seien, gestoppt. Die bereits eingeleiteten Zulassungsprozesse würden aber weitergeführt. Der Konzern bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der "Wirtschaftswoche" vom Wochenende.
Die Bundesregierung wollte die geplante Verlegung der BASF-Tochter für grüne Gentechnik in die USA nicht kommentieren. Es handele sich um eine unternehmerische Entscheidung, sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums. Minister Philipp Rösler (FDP) werbe generell für Offenheit für Technologien in Deutschland. Das Verbraucherministerium wollte ebenfalls keine Stellung nehmen.
Außerhalb von medizinischen Anwendungen sind Gen-Produkte in Europa oft umstritten. Die skeptische Haltung in der Bevölkerung spiegelte sich auch in der Politik. BASF erhielt die Anbaugenehmigung der Gen-Kartoffel Amflora für industrielle Anwendungen erst nach einem jahrelangen Streit 2010. "Es findet kein Amflora-Anbau mehr in Deutschland statt", sagte Marcinowski. Es werde aber wohl noch den ein oder anderen Freilandversuch im Rahmen laufender Verfahren geben. BASF hatte schon mehrfach mit einem Abzug aus Europa gedroht. Große unternehmerische Hoffnungen hatte der Konzern auf dieses Geschäft in Europa zuletzt wohl ohnehin kaum mehr gesetzt.
Weltweit liege der wachsende Anteil der Gen-Anbaufläche mit 148 Millionen Hektar bei über zehn Prozent der Agrarfläche. Doch in Europa seien die Widerstände gewaltig. "Ich habe keine Hoffnung auf einen schnellen Meinungswandel", sagte Marcinowski. Eine mögliche Rückkehr nach Europa wollte er zwar grundsätzlich nicht ausschließen. Doch kurz- und mittelfristig sei dies nicht zu erwarten. Am Finanzmarkt büßten BASF-Aktien in einem etwas festeren Umfeld 0,07 Prozent auf 57,58 Euro ein.
Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer
Die Kosten der geplanten Verlagerung für die Ludwigshafener
liegen laut BASF-Vorstand Marcinowski im unteren zweistelligen
Millionenbereich. Wertberichtigungen seien nicht erforderlich und
auch die bestehenden Kooperationen - etwa mit KWS Saat oder Monsanto
Am BASF-Standort Limburgerhof sollen von derzeit 157 nur elf Stellen erhalten bleiben, die sich etwa um Regulierungsfragen in Europa kümmern. Die Pflanzenschutz-Aktivitäten in Limburgerhof seien von den Maßnahmen nicht betroffen, hieß es. Die Standorte in Gatersleben (Deutschland) und Svalöv (Schweden) sollen laut BASF geschlossen werden. In Gatersleben arbeiten derzeit 57 und in Schweden sechs Mitarbeiter. Insgesamt sollen 123 Positionen von Limburgerhof und Gatersleben an andere Standorte der BASF Plant Science, hauptsächlich nach Raleigh, verlagert und in den kommenden zwei Jahren 78 Stellen abgebaut werden./jha/stb/wiz
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AXC0138 2012-01-16/15:01
