Angesichts der aktuellen Entwicklung muss ich noch einmal auf die Charttechnik zurückkommen. Wie Sie wissen, befinden wir uns an wichtigen Marken und jetzt müssen Sie besonders aufpassen. Es gibt kleine charttechnische Warnhinweise, die durchaus relevant werden können. Der DAX ist an der hier seit Wochen beschriebenen 6.430er Marke mit einem kleinen, wenn auch schwachen, Fehlsignal abgeprallt:

Sie sehen, am Montag kam es zu einem Intraday-Ausbruch über die beschriebene Widerstandslinie. Zum Schlusskurs sank der DAX auf 6.436 Punkten, also wieder fast (es fehlten 6 Punkte) auf diese Linie zurück. Da diese 6 Punkte nicht relevant sind und ein Intradaybruch nicht als nachhaltiger Bruch einer Linie gilt, ist diese Entwicklung bedenklich. Zudem leiten Fehlsignal häufig Konsolidierungen ein. Wenn es auch nur ein kleines Fehlsignal ist, so ist es doch ein erstes Achtungszeichen und deswegen müssen wir nun vorsichtig werden.
Nasdaq100: Scheitern an wichtigen Widerständen
Ein weiteres Gefahrensignal liefert der Nasdaq100:

Er hat ebenfalls intraday seinen hier beschriebenen Widerstand bei 2.438 Punkten gebrochen, um zum Schlusskurs wieder unter diese Marke zu fallen. Das ist ein ähnliches Bild wie im DAX. Es ist immer wieder erstaunlich, wie oft die internationalen Indizes zum gleichen Zeitpunkt an sehr wichtigen Widerständen stehen.
Eine alte und relevante Trendlinie
Im Nasdaq100 gibt es eine weitere Besonderheit. Man kann durch die Bewegungshochs seit 2007 eine aufwärtsgerichtete Trendlinie (hier blau) ziehen:

Diese Linie hat mittlerweile vier Auflagepunkte (die mehr oder weniger klar definiert sind). Sie ist damit als höchst relevant einzustufen. An dieser Linie, also dem Kreuzungspunkt dieser Linie mit dem oben beschriebenen Widerstand (nach der Target-Trend-Methode ist dies ein wichtiges Target) ist der Nasdaq100 mit einem Doji (kreuzähnliche Kerze, die oft an entscheidenden Marken auftritt -siehe Ausschnitt) abgeprallt und zwar nahezu punktgenau.
Auch das ist ein erhebliches Warnzeichen.
Nun sollte man nicht gleich alle Aktien verkaufen und auswandern - vielmehr sollten Sie in den kommenden Tagen die Märkte sehr genau beobachten: Verstärken sich diese ersten Schwächesignale, können Sie anfangen, erste Gewinne zu sichern.
Diese Positionen sollten Sie allerdings zurückkaufen, wenn diese Linien doch noch nachhaltig nach oben durchbrochen werden. So ist die Börse - es gibt keine Sicherheit, nur das Spiel mit den Wahrscheinlichkeiten und wir Trader versuchen lediglich, die Wahrscheinlichkeit auf unsere Seite zu bringen.
Die Fortsetzung der großen Seitwärtsbewegung
Scheitern die Indizes an den Widerständen und bildet sich ein Abwärtstrend heraus, muss man im DAX damit rechnen, dass die Kurse zunächst bis zur 6.200er Marke und eventuell sogar weiter fallen. Beim Bruch der 5.720er Marke und wenn der grünen Aufwärtstrend (siehe DAX-Chart ganz oben) verlassen wird, wären auch wieder Kurse bis 5.000 Punkte möglich. Hier kann man demnach an den genannten Marken schön Stück für Stück bei weiter fallenden Kursen die Investitionsquote verringern, um im unteren Bereich der Seitwärtsbewegung, sprich bei 5.000 Punkten, und entsprechenden Umkehrsignalen wieder einzusteigen.
Nur ein Warnschuss, mehr nicht
Aber, wie gesagt, noch ist es zu früh für die Bären-Party, die Kurse können auch einfach nur eine Weile mit diesen Widerständen kämpfen. Das wäre ein ganz normales Prozedere. Gerade der Nasdaq100 ist zurzeit etwas überkauft und neue Mehrjahreshochs wären, wie beschrieben, schon ein deutlich bullishes Signal und das wird nicht einfach so generiert. Dass ein Überschreiten dieser wichtigen Marken in der aktuellen Umgebung nicht einfach wird, war also zu erwarten. Bleiben Sie demnach noch gelassen, noch ist nichts wirklich Dramatisches passiert. Aber trotzdem sollte Sie ihre Aufmerksamkeit erhöhen und den weiteren Verlauf genau analysieren.
IWF warnt
Vielleicht passt diese Entwicklung ja zu der aktuellen Warnung des Internationalen Währungsfonds (IWF). Dieser warnt, dass sich das Weltfinanzsystem noch tief im Gefahrenbereich befindet. In dem Bericht zur Stabilität des Finanzsystems wird auf die Eurokrise und die angeschlagenen Banken hingewiesen. Besonders der zurzeit dysfunktionale Markt für Staatsanleihen und die Kreditmarktklemme bereiten dem IWF Sorgen.
Viele Grüße
Jochen Steffens