WASHINGTON (Dow Jones)--Die US-Währungshüter rechnen damit, dass das Zinsniveau in den USA bis mindestens Ende 2014 niedrig bleiben wird. Da die Arbeitslosigkeit nur langsam sinke und die Inflation eingedämmt bleibe, sei ein außergewöhnlich niedriges Zinsniveau gerechtfertigt, teilte die Federal Reserve mit. Ihren Leitzins beließen die Währungshüter bei der auf zwei Tage verlängerten Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) bei 0 bis 0,25 Prozent. Unter den von Dow Jones Newswires befragten Volkswirten hatte breiter Konsens darüber bestanden, dass der Tagesgeldsatz auf dem historischen Tief verharren wird.
Die Nullzinspolitik in den USA dürfte damit länger anhalten als von Marktteilnehmern bislang erwartet. In den vergangenen Monaten hatte die Zentralbank immer wieder ihre Absicht bekräftigt, den Leitzins bis mindestens Mitte 2013 außergewöhnlich niedrig zu halten.
Der Beschluss für das verlängerte Zinsversprechen fiel jedoch nicht einstimmig aus: Der als "geldpolitische Falke" bekannte Präsident der Federal Reserve Bank von Richmond, Jeffrey Lacker, plädierte dafür, keinen Zeitraum in dieser Textpassage zu nennen.
Mit Spannung erwarten die Marktteilnehmer nun die Aussagen der Notenbank zur neuen Kommunikationspolitik. In einem ungewöhnlichen Schritt hin zu mehr Transparenz wollen die Währungshüter um Fed-Chef Vorsitzenden Ben Bernanke erstmals offenlegen, wann sie erwarten, den Leitzins zu verändern. Um 20.15 Uhr (MEZ) steht dazu eine Pressekonferenz von Bernanke an. Mit ihrer Kommunikationsoffensive hofft die US-Zentralbank, die eigentlich nur die kurzfristigen Zinsen direkt beeinflussen kann, auch die Markterwartungen über zukünftige Zinsniveaus steuern zu können.
Denkbar ist zudem, dass die Federal Reserve zum ersten Mal auch ein explizites Inflationsziel vorstellt. Bisher hatten die US-Währungshüter nur indirekt bekundet, dass eine jährliche Inflationsrate von knapp zwei Prozent angestrebt wird.
Einige Beobachter hatten im Vorfeld Bedenken über die neue Kommunikationsstrategie der Federal Reserve geäußert. So könnten manche Marktteilnehmer die von nun an vierteljährlich veröffentlichten Leitzinsprojektionen als bedingungslose Festlegungen missverstehen. Diese Befürchtung hatte auch der Präsident der Federal Reserve Bank von Philadelphia, Charles Plosser, zum Ausdruck gebracht.
Nach Aussage von Plosser handelt es sich jedoch nicht um Projektionen, wie sie von Analysten oder Ökonomen gemacht werden. Seiner Beschreibung nach handelt es sich bei den veröffentlichten Zinsprognosen um Aussagen der Fed-Geldpolitiker darüber, wo der Leitzins sein sollte, nicht wo er sein wird. Plosser gehört als eines von vier Mitgliedern dem Kommunikationsausschuss der Zentralbank an, der die neue Kommunikationsstrategie vorbereitet hat.
-Von Andreas Plecko, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 - 29725 300, andreas.plecko@dowjones.com
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January 25, 2012 12:52 ET (17:52 GMT)
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