FRANKFURT (Dow Jones)--Der Kurssturz im vergangenen Jahr hat viele Aktien weit unter ihre einstigen Höchststände gedrückt. Anders adidas: Der Titel hat sich nicht nur der Talfahrt entzogen, sondern gerade ein neues Allzeithoch erreicht. Doch die Aktie könnte ihren Höhenflug hinter sich haben.
Eigentlich sieht es für adidas hervorragend aus. Mit den Olympischen Spielen und der Fußball-Europameisterschaft stehen in diesem Jahr zwei sportliche Großereignisse an, die für Sportartikelhersteller eine unvergleichbare Werbeplattform bieten. Nirgendwo sonst haben Firmen die Möglichkeit, ihre Produkte zur besten Sendezeit vor hunderten Millionen Zuschauern von durchtrainierten Athleten präsentieren zu lassen. Kein Wunder also, dass sich adidas hierdurch "erhebliche Umsatzimpulse" erwartet, wie Finanzvorstand Robin Stalker im Januar in einem Interview mit der Börsenzeitung gesagt hat.
Gerade für das Fußballsegment hegt man große Erwartungen. Der Umsatz in diesem Bereich soll sogar über dem Rekordhoch von 1,5 Milliarden Euro aus dem Weltmeisterschafts-Jahr 2010 liegen. Auch für das Gesamtjahr ist die Marke mit den drei Streifen zuversichtlich gestimmt: Die Erlöse sollen im mittleren bis hohen einstelligen Bereich wachsen, das Ergebnis sogar um 10 bis 15 Prozent zulegen.
Doch so verheißungsvoll das alles klingt, es hat den kleinen Schönheitsfehler, bereits bekannt zu sein. "Die Aktie hat schon alle möglichen Effekte vorweg genommen", gibt Analyst Constantin Rohrbach von der NordLB zu bedenken. Damit fehlt aber der notwendige Treibstoff für weitere Gewinne. Mit dieser Meinung steht der Analyst nicht allein. Auch Thomas Effler von der WestLB sieht die Luft für die Aktie dünner werden.
Das bedeutet nicht, dass er Zweifel an der Geschäftsentwicklung hegt. "Fundamental ist alles sauber", stellt der Experte fest. Nur sind die guten Perspektiven bereits eingepreist. Dies kommt auch im Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 14 zum Ausdruck, das damit klar über dem DAX-Durchschnitt von rund 10 für dieses Jahr liegt.
Optimisten verweisen zwar gerne auf den Bewertungsabstand zu Nike. Die Aktie des ewigen Konkurrenten kommt auf ein KGV von fast 20, doch die Amerikaner haben bei der Profitabilität bislang die Nase vorn. Trotz der ehrgeizigen Aufholjagd, die adidas-Chef Herbert Hainer oft und gerne beschwört, ist es bislang nicht gelungen, den Weltmarktführer einzuholen. Den Bewertungsabschlag hat sogar Finanzvorstand Stalker im Interview mit der Börsenzeitung als nachvollziehbar bezeichnet. Während Nike schon jetzt auf eine operative Marge von 12 Prozent kommt, hat sich adidas erst für 2015 ein Ziel von 11 Prozent gesetzt.
Selbst das setzt freilich eine erfolgreiche Aufholjagd voraus, denn mit 7,5 Prozent operativer Marge 2010 und erhofften 7,5 bis 8 Prozent im vergangenen Jahr sind die Franken von diesem Ziel noch ein gutes Stück entfernt. Und nicht zu vergessen: Mit den ehrgeizigen Ambitionen steigt auch die Gefahr, die eigenen Ziele zu verfehlen. Bekanntlich reißt die Latte um so leichter, je höher der Hochspringer sie auflegt. Immerhin gibt es genug Risiken wie steigende Rohstoffpreise oder Währungsturbulenzen, die schwer beherrschbar sind und adidas schnell einen Strich durch die Rechnung machen können.
Unerreichbar sind die Ziele freilich nicht. Analyst Effler sieht Potenzial in dem neuen Modelabel Neo. adidas richtet sich damit an junge Kunden zwischen 12 und 19 Jahren. Über eigene Läden, der erste hat gerade in Hamburg eröffnet, soll die Generation "Facebook" angesprochen werden. So können die jungen Kunden direkt im Geschäft Fotos im neuen Outfit von sich machen und dann auf "Facebook" die Meinung ihrer Freunde einholen. Doch so clever das Konzept ist, die Konkurrenz von Abercombie & Fitch bis H&M schläft nicht und muss sich im Gegensatz zu adidas nicht erst etablieren. Ob es gelingt, im hart umkämpften Modemarkt Fuß zu fassen, bleibt also abzuwarten.
Die Vorsicht der Analysten kommt in ihren aktuellen Einstufungen zum Ausdruck. Mit "Halten" und einem Ziel von 52 Euro liegt Rohrbach fast 10 Prozent unter dem aktuellen Kursniveau von 57 Euro. Effler ist mit "Add" und 56 Euro zwar etwas zuversichtlicher, gibt der Aktie aber ebenfalls keinen Spielraum mehr. Damit könnte es adidas in den kommenden Monaten ähnlich wie Fresenius und FMC gehen. Beide DAX-Werte hatten schon im Januar neue Allzeithochs erreicht, kommen seitdem aber nicht mehr recht vom Fleck.
DJG/mif/hru/ros
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February 02, 2012 09:10 ET (14:10 GMT)
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