--Markit: Rezession wohl nicht mehr auf der Tagesordnung --Dienstleistungssektor stärker als verarbeitendes Gewerbe --Wachstum in Deutschland und Frankreich verstärkt sich --Schwächere Rezession in Italien und Spanien (NEU: Details, Reaktionen von Volkswirten)
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Privatwirtschaft des Euroraums ist zu Jahresbeginn wieder gewachsen. Dazu hat in sektoraler Betrachtung vor allem der Dienstleistungsbereich beigetragen, während regional betrachtet Deutschland und Frankreich die Wachstumstreiber waren. Der von Markit erhobene Einkaufsmanagerindex stieg im Januar in zweiter Veröffentlichung auf 50,4 Punkte von 48,3 im Vormonat. Der Sammelindex lag damit erstmals seit vier Monaten wieder über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten.
Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson sagte: "Die Lage hat sich im Januar nach der viermonatigen Schrumpfungsphase gegen Ende letzten Jahres wieder stabilisiert, und ein Abgleiten in die Rezession steht wohl nicht mehr zur Debatte." Nach Einschätzung von Markit könnte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Euroraums im ersten Quartal wieder wachsen.
Besonders erfreulich ist aus Williamsons Sicht, dass Deutschlands Wirtschaftswachstum wieder angesprungen ist, und sich die Talfahrt in den Peripherieländern erheblich verlangsamt hat. "Detailergebnissen der Umfrage zufolge profitierten sowohl das Geschäfts- als auch das Konsumklima größtenteils von der Annahme, dass jetzt das Schlimmste an der Schuldenkrise überwunden ist und keine neuerliche Kreditklemme mehr droht. Insofern hängt der Ausblick entscheidend von weiteren Fortschritten bei der Lösung der Schuldenkrise ab", sagte der Ökonom.
Der Einkaufsmanagerindex der deutschen Privatwirtschaft verzeichnete mit 53,9 Punkten den höchsten Stand seit sieben Monaten, Frankreichs Index erreichte mit 51,2 Punkten ein Viermonatshoch. Die Indizes Spaniens (46,0) und Italiens (45,7) deuteten zwar weiterhin auf eine Rezession hin, doch erreichten auch sie die höchsten Stände seit sechs beziehungsweise vier Monaten. Die Commerzbank hat ihre Prognose für das deutsche Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr auf 0,5 Prozent von zuvor Nullwachstum angehoben und dies hauptsächlich mit den vertrauensbildenden Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) begründet.
Die sechsten Auftragsverluste in Folge fielen weniger stark aus als in den zurückliegenden vier Monaten, die Vorabschätzung wurde leicht übertroffen. Industrie und Service-Sektor vermeldeten jeweils verlangsamte Rückgänge, wobei der Service-Sektor besser abschnitt. Infolge der anhaltenden Nachfrageschwäche wurden die Auftragsbestände zwar zum siebten Mal in Folge, jedoch mit reduzierter Rate abgebaut. Sowohl in der Industrie als auch bei den Dienstleistern nahmen die Auftragspolster weniger stark ab als zuvor.
Bei der Beschäftigung kam es erstmals seit April 2010 insgesamt zu Einschnitten, hauptsächlich wegen des rückläufigen Auftragseingangs. In der Industrie blieben die Beschäftigtenzahlen zum dritten Mal hintereinander weitgehend konstant, während bei den Dienstleistern erstmals seit April 2010 vereinzelt Stellen abgebaut wurden. In Deutschland fiel der Jobaufbau so schwach aus wie zuletzt Mitte 2010, in Frankreich blieb die Beschäftigung gegenüber Dezember weitgehend stabil. In Italien, Spanien und Irland wurden hingegen erneut Arbeitsplätze abgebaut. In Spanien kam es sogar zum stärksten Jobabbau seit über zwei Jahren.
Besonders gut liefen die Geschäfte im Januar im Dienstleistungssektor. Dessen Einkaufsmanagerindex stieg im Januar auf 50,4 Zähler von 48,8 im Vormonat. Beim ersten Ausweis war ein Stand von 50,5 berichtet worden. Dagegen gelang im verarbeitenden Gewerbe lediglich eine Abbremsung der Talfahrt, der Index stieg auf 48,8 Punkte von 47,9 im Dezember. Der Dienstleistungssektor ist in der Eurozone der wichtigste Wirtschaftsbereich.
Ken Wattret, Volkswirt bei BNP Paribas, rechnet auch für die kommenden Monate mit einer günstigen Entwicklung der Einkaufsmanagerindizes. "Der Anstieg der zukunftsgerichteten Elemente beider Indizes sind ein gutes Vorzeichen für die nächste Zeit", sagte er. Allerdings erfolgten die Indexanstiege von sehr unterschiedliches Niveaus aus.
-Von Hans Bentzien, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 300, Hans.Bentzien@dowjones.com (Gisela Simon hat zu diesem Bericht beigetragen) DJG/hab/sgs
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February 03, 2012 05:06 ET (10:06 GMT)
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