NEW YORK (Dow Jones)--Talfahrt an den US-Börsen: Zu den Sorgen über die europäische Schuldenkrise haben sich am Freitag auch noch massive Konjunktursorgen gesellt. Die US-Arbeitsmarktdaten waren so schlecht ausgefallen wie selten. Mit einem Stellenplus von nur 69.000 im Mai wurde die Erwartung von plus 155.000 mehr als deutlich verfehlt - und das bereits zum dritten Mal in Folge. Der Stellenaufbau war zugleich der niedrigste seit einem Jahr. Dazu wurden auch noch die Vormonatsdaten nach unten revidiert. Mit einem Wert von 8,2 Prozent stieg die Arbeitslosenquote erstmals seit einem Jahr wieder an. Abgerundet wurde das düstere Konjunkturbild von enttäuschenden Wirtschaftsdaten aus Europa und China.
Entsprechend negativ fiel die Reaktion der Anleger am Aktienmarkt aus. Der Dow-Jones-Index verzeichnete den höchsten Verlust im laufenden Jahr und gab 2,2 Prozent auf 12.119 Punkte ab. Zudem rutschte der US-Leitindex auf Jahressicht damit ins Minus. Der S&P-500 reduzierte sich um 2,5 Prozent auf 1.278 Zähler und der technologielastige Nasdaq-Composite sank gar um 2,8 Prozent auf 2.748 Stellen. Alle drei Indizes durchbrachen damit deutlich ihre 200-Tagelinien. "Das erste Quartal an den Börsen verlief exzellent, nun aber regiert die Angst. Und die ist wirklich gewaltig", beschrieb Marktstratege Greg Peterson von Ballentine Partners das Sentiment. Umgesetzt wurden 1,00 (Donnerstag: 1,33) Milliarden Stück. Dabei standen 448 (1.468) Kursgewinnern 2.630 (1.564) -verlierer gegenüber, 61 (119) Titel schlossen unverändert.
Eine ganze Serie schlechter Nachrichten überraschte Investoren am Berichtstag. Aus China wie aus Europa prasselten schwache Einkaufsmanager-Indizes hernieder. Das immer lautere Stottern des Wachstumsmotors in Fernost und die in eine Rezession rutschende Eurozone dämpften weltweit die Hoffnungen auf eine Stabilisierung der Wirtschaft. Etwas Entlastungen lieferte zumindest temporär der ISM-Index für das verarbeitende US-Gewerbe, der im Mai die Markterwartungen nur knapp verfehlte. Die Bauausgaben stiegen im April moderat und legten hinsichtlich der Marktprognosen eine Punktlandung hin. Die Ausgaben der US-Verbraucher zogen im April im vorhergesagten Rahmen an. Trotz dieser Lichtblicke dominierte jedoch die Tristesse am Arbeitsmarkt.
"Was wir am Markt sehen ist ganz klar das Einpreisen eines synchronisierten globalen Konjunkturabschwungs", ließ Marktstratege Joe Quinlan von U.S. Trust keine Zweifel an den Befürchtungen der Marktteilnehmer aufkommen. Nutznießer der negativen Stimmung an den US-Märkten waren einmal mehr die US-Staatsanleihen, deren Notierungen deutlich anzogen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen fiel auf ein weiteres Allzeittief (1,437 Prozent), die Rendite der 30-jährigen markierte bei 2,50 Prozent ein Rekordtief. Im späten US-Rentenhandel brachte eine US-Anleihe mit zehnjähriger Laufzeit noch eine Rendite von 1,46 Prozent.
Der Euro machte dagegen deutlich an Boden gut, die Gemeinschaftswährung erholte sich vom zuvor gesehenen Zweijahrestief bei 1,2294 Dollar. Am Abend wechselte der Euro für 1,2416 Dollar den Besitzer. Im Devisenhandel wurde dies mit der Erwartungen einer neuen Runde geldpolitischer Lockerungen in den USA begründet. "Die Diskussion über Quantitative Easing (QE) innerhalb der Fed wird sich nach diesen Daten intensivieren", sagte ein Analyst. Diese Annahme kam auch dem Goldpreis zu Gute, er schoss in die Höhe und stieg deutlich über 1.600 Dollar je Feinunze.
Sollte die US-Notenbank ihre Bilanz aufblähen, beispielsweise um US-Anleihen vom Markt zu nehmen, steigt die Inflationsgefahr, was wiederum den Dollar belastet. Weiter im freien Fall befanden sich die Ölpreise, die auf dem tiefsten Stand seit Oktober 2011 schlossen. Die europäische Referenzsorte Brent fiel erstmals seit Langem unter die wichtige Marke von 100 Dollar und ging auf dem niedrigsten Preisniveau seit 17 Monaten aus dem Handel. Zum Settlement verbilligte sich der Markt führende Juli-Kontrakt auf ein Barrel US-Leichtöl der Sorte WTI um 3,8 Prozent oder 3,30 Dollar auf 83,23 Dollar - im Tagestief kostete das Barrel 82,29 Dollar. Der nächstfällige Julikontrakt für ein Fass der europäischen Referenzsorte Brent ermäßigte sich um 3,4 Prozent bzw 3,44 Dollar auf 98,43 Dollar. "Das Angebot ist zu hoch, die Nachfrage zu niedrig. Die größten Sorgen drehen sich aber um die künftige Nachfrageentwicklung", erläuterte Ölanalyst Tim Evans von Citi Futures Perspective den Preisverfall.
Am Aktienmarkt wies kein Sektor ein positives Vorzeichen auf, es regierte die Farbe rot. Im Dow wurde die Liste der Verlierer von Hewlett-Packard mit einem Abschlag von 6,3 Prozent auf 21,25 Dollar angeführt. Die Analysten von Jefferies hatten die Titel abgestuft. Walt Disney ernannte Alan Horn zum Chairman der Walt Disney Studios. Horn war zuvor Präsident und COO von Warner Brothers Entertainment, wo er für Filmlizenzen einschließlich der "Harry-Potter-Serie" zuständig war. Walt Disney fielen um 2,9 Prozent auf 44,40 Dollar. Händler schrieben die Kursentwicklung aber mehr dem schwachen Marktsentiment zu.
Der Telekommunikationskonzern Verizon Communications übernimmt Hughes Telematics, einen Entwickler von Stimm- und Datendiensten in Fahrzeugen, für 12 Dollar je Aktie. Verizon verbilligten sich um 1,5 Prozent auf 41,03 Dollar, Hughes Telematics katapultierten um 171 Prozent auf 11,79 Dollar in die Höhe.
Im breiteren Wall-Street-Universum brachen OmniVision Tchnologies um 17,2 Prozent auf 13,40 Dollar ein. Das im Bereich Bildtechnologie tätige Unternehmen verschreckte Anleger mit einem schwachen Gewinnausblick. Die Umsatzprognose rangierte dagegen deutlich über dem Marktkonsens. Im berichteten vierten Quartal verbuchte das Unternehmen einen Gewinn- und Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Vera Bradley sanken um 9,4 Prozent auf 19,81 Dollar. Der Hersteller von Handtaschen und Mode-Accessoires senkte seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr, hielt an seiner Gewinnschätzung allerdings fest. Groupon maschierten um 8,9 Prozent auf 9,69 Dollar gen Süden, am Berichtstag endete die Haltefrist für bestimmte Aktionäre nach dem Börsengang des Gutscheinvermittlers. Sara Lee will nach der Ausgliederung des internationalen Kaffee- und Teegeschäfts eine Sonderdividende ausschütten. Die Titel sanken mit dem Gesamtmarkt um 2,2 Prozent auf 20,44 Dollar und hielt sich damit recht wacker.
=== INDEX zuletzt +/- % absolut DJIA 12.118,57 -2,22 -274,88 S&P-500 1.278,04 -2,46 -32,29 Nasdaq-Comp. 2.747,48 -2,82 -79,86 Nasdaq-100 2.458,83 -2,62 -66,04 DEVISEN zuletzt '+/- % Fr, 8.08 Uhr Do, 17.50 Uhr EUR/USD 1,2425 0,54% 1,2358 1,2357 EUR/JPY 97,0689 0,11% 96,9577 96,6511 EUR/CHF 1,2011 0,00% 1,2011 1,2010 USD/JPY 78,1050 -0,44% 78,4530 78,2400 GBP/USD 1,5356 -0,17% 1,5382 1,5391 KUPON LAUFZEIT KURS ÄNDERUNG RENDITE ÄNDERUNG 1/4% 2-jähr. 99 31/32 + 1/32 0,254% -1,2BP 1/4% 3-jähr. 99 24/32 + 2/32 0,333% -1,8BP 7/8% 5-jähr. 100 1/32 + 8/32 0,620% -5,0BP 1 1/4% 7-jähr. 101 9/32 +20/32 0,933% -9,5BP 2% 10-jähr. 102 22/32 +1 4/32 1,459% -12,1BP 3 1/8% 30-jähr. 109 31/32 +3 7/32 2,524% -14,7BP === DJG/DJN/flf
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June 01, 2012 16:22 ET (20:22 GMT)
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