Düsseldorf (BoerseGo.de) - Weder in Berlin noch in Finanzkreisen rechnet man mit einem Jahresgewinn bei der Commerzbank - jedenfalls nicht nach den Bilanzregeln des Handelsgesetzbuches (HGB). Wie das "Handelsblatt" (HB - Donnerstagausgabe) unter Berufung auf Regierungs- und Finanzkreise schreibt, wird somit der Bund erneut keine Zinsen für seine stillen Einlagen bei dem angeschlagenen Institut erhalten.
"Ich gehe davon aus, dass die Bank nach dem deutschen Handelsgesetzbuch einen Verlust ausweisen wird und die Zinsen auf die verbleibenden stillen Einlagen des Bundes nicht zahlen wird", sagte daher Dieter Hein, Bankanalyst bei Fairesearch, gegenüber dem HB.
Bei den ausfallenden Zinsen handelt es sich nicht um eine staatstragende Summe, allerdings jedoch um eine symbolische, wie das Blatt weiter schreibt. Denn das wäre nun das vierte Jahr in Folge, in dem keine Zinsen gezahlt würden. Für die 1,9 Milliarden Euro, die immer noch als stille Einlage des Bundes in der Bilanz der Commerzbank stehen, müsste das Institut eigentlich für das vergangene Jahr 170 Millionen Euro Zinsen an den Bund zahlen.
Dass die Commerzbank vor drei Wochen erst verkündete, sie werde am 23. Februar mit den endgültigen Zahlen voraussichtlich einen Gewinn von 1,6 Milliarden Euro vorlegen, hängt damit zusammen, dass dies nach internationalem Bilanzrecht IFRS der Fall wäre. Nicht aber nach dem Maßstab des HGB. Und der ist maßgeblich für das Zahlen der Zinsen.
Zu dieser kuriosen Situation führt beispielsweise eine Abschlagszahlung, die in der IFRS-Bilanz keine ergebniswirksamen Spuren hinterlässt - bei der HGB-Bilanz aber schon: "Ein Punkt ist die Abschlagszahlung von einer Milliarde Euro, die die Bank dem Staat zahlen musste, weil sie im Sommer frühzeitig einen großen Teil der Staatshilfen zurückführte", erklärte Hein dem HB.
Ein weiterer Punkt ist das Griechenland-Engagement der Commerzbank. Das bisher bekannt gemachte Zahlenmaterial der Commerzbank enthält lediglich Abschreibungen auf Griechenlandanleihen von bis zu 50 Prozent bis zum dritten Quartal. Nun sind jedoch Verluste von mehr als 70 Prozent für das vierte Quartal zu erwarten. Damit ließe sich laut HB eine Abschreibung auf Griechenland-Titel in Höhe von 600 Millionen Euro im Schlussquartal erwarten.
