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UPDATE: Fraport und Gewerkschaft sitzen wieder an einem Tisch

-- Positionen liegen immer noch weit auseinander

-- Ausgang der Verhandlungen ungewiss

-- Streikgefahr nicht behoben

(Durchgehend neu)

Von Kirsten Bienk 
DOW JONES NEWSWIRES 
 

FRANKFURT (Dow Jones)--Die wieder aufgenommenen Tarifverhandlungen zwischen dem Flughafenbetreiber Fraport und der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) werden von einer großen Unsicherheit überschattet. Zwar sitzen Arbeitgeber und Arbeitnehmer bereits seit dem frühen Morgen erneut an einem Tisch. Ob sich die Parteien aber auch inhaltlich näher kommen, mag im Moment niemand vorhersagen.

Bis zur Wiederaufnahme der Gespräche am Donnerstag klaffte noch eine riesige Lücke zwischen den Forderungen der rund 190 Mitarbeiter in der Verkehrszentrale, der Vorfeldaufsicht und -kontrolle und dem Angebot des Managements. Die Beschäftigten wollen mehr Geld, teilweise sogar mehr als eine Verdopplung, und Veränderungen bei den Arbeitsbedingungen. Das Unternehmen billigt ihnen zwar höhere Gehälter zu, bezeichnet die bisher gestellten Forderungen allerdings weiterhin als "unverschämt" hoch und lehnt sie ab.

Der fünftägige Streik diese Woche hat die Kontrahenten nicht näher gebracht. Zwar hat die Gewerkschaft mit dem Arbeitskampf ihr Ziel verfehlt, den Verkehr auf dem Flughafen Frankfurt lahm zu legen und so den Arbeitgeber schnell zur Vertragsunterschrift zu bringen. Getroffen hat der Arbeitskampf den Flughafenbetreiber dennoch. Es sind insgesamt knapp 1.150 Starts und Landungen ausgefallen. Am Montag und Dienstag, den beiden ganztägigen Streiktagen, waren dies jeweils 17 Prozent aller geplanten Verbindungen. Für Fraport bedeutet dies alleine an diesen beiden Tagen Einnahmeausfälle von zusammen 2 Millionen Euro.

Platzhirsch Lufthansa, als Unternehmen vollkommen unbeteiligt an der Tarifauseinandersetzung, bekam den Arbeitskampf ebenfalls heftig zu spüren. Die Kranichlinie musste auf ihrem Heimatflughafen rund 970 Verbindungen streichen und für gestrandete Reisende 980 Hotelzimmer in Frankfurt zur Verfügung stellen - und damit auch zahlen. Die Airline nennt ihre Umsatz- und Gewinnausfälle derzeit nicht, aber auch sie dürften sich auf mehrere Millionen belaufen.

Entspannt und unvorbelastet sind Arbeitgeber und Arbeitnehmer deswegen bei den Verhandlungen nicht. Außerdem will weiterhin keine Seite nachgeben. Die Gewerkschaft begründet ihre hohen Gehaltsforderungen mit bestehenden Vereinbarungen auf anderen nationalen und internationalen Flughäfen. Außerdem beruft sie sich auf den Kompromissvorschlag des Schlichters Ole von Beust.

Den Schlichter hatte sich Fraport Ende des Jahres ausgesucht, um die Tarifauseinandersetzung zu beenden. Von Beust versuchte sein Bestes, traf sich siebenmal mit den Streitenden, konnte aber keine Einigung erreichen. So gab er Anfang Februar eine Schlichterempfehlung ab, die zur Verwunderung aller die Gewerkschaft akzeptierte, das Unternehmen aber ablehnte.

Fraport begründet ihr Veto mit dem fehlenden Blick des Schlichters für den Gesamtkonzern. Der Vorstand befürchtet, dass die Annahme des Spruchs das Gehaltsgefüge durcheinander bringen würde. Außerdem hat das Management Angst vor einem Flächenbrand und vor Freibriefen für andere kleine Berufsgruppen, sich in Spartengewerkschaften zusammenzuschließen, sehr individuelle Ziele zu setzen und diese auch per Arbeitskampf durchzusetzen.

Trotz dieser Befürchtungen weiß auch Fraport, dass es irgendeinen Kompromiss geben muss. Die Abgeschiedenheit an einem geheimen Ort soll den Parteien helfen und Verschwiegenheit der Öffentlichkeit gegenüber. Im Moment hüllen sich beide Seiten in stimmiges und gemeinsames Schweigen und erzählen nicht, ob es neue Verhandlungsangebote gibt und eine Einigung möglich ist.

Beobachter trauen dem Frieden nicht und verweisen auf die Gefahr des Scheiterns - eben weil sich durch den Streik nichts verändert hat, außer dem Wunsch aller Beteiligten nach einem "guten" Ende.

Unterdessen herrscht am Freitag auf dem Frankfurter Flughafen endlich wieder emsiges Treiben. Einen Tag nach Beendigung des Streiks der Vorfeldmitarbeiter haben die Fluggesellschaften keine Starts und Landungen mehr gestrichen, die mit dem Arbeitskampf zusammenhängen. Die einst streikenden 190 Mitglieder der Gewerkschaft sitzen an ihren gewohnten Arbeitsplätzen und bringen die Flugzeuge von den Landebahnen zu den Parkpositionen und anschließend wieder zu den Startbahnen.

Leidtragende der Auseinandersetzung waren neben den Beschäftigten des Flughafenbetreibers und der Airlines vor allem die Passagiere. Sie konnten ihre Privat- und Geschäftsreisen nicht so durchführen wie geplant, sondern mussten umorganisieren. Da die Fluggesellschaften aber sehr früh angekündigt haben, welche Flüge an den Streiktagen stattfinden und welche nicht, blieb das erwartete Chaos aus.

Fraport und Lufthansa haben noch nicht entschieden, ob sie die Gewerkschaft auffordern werden, Kosten und Ausfälle zu erstatten. Dies wird wohl auch vom Ergebnis der laufenden Gespräche abhängen.

- Von Kirsten Bienk, Dow Jones Newswires, 
+49 (0) 40 3574 3116, kirsten.bienk@dowjones.com 
DJG/kib/jhe 
 

(END) Dow Jones Newswires

February 24, 2012 06:54 ET (11:54 GMT)

Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.

© 2012 Dow Jones News
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