Deutschlands drittgrößter Versicherer Talanx bereitet mit einem kräftigen Gewinnsprung den Boden für seinen lange erwarteten Börsengang. Ob der Konzern mit seinen Marken wie HDI und HDI-Gerling den Sprung aufs Parkett 2012 nach mehr als einem Jahrzehnt der Ankündigungen tatsächlich wagt, ließ Vorstandschef Herbert Haas am Donnerstag offen. "Es kann durchaus sein - obwohl die Zeichen derzeit auf Grün stehen - dass wir sie im Laufe des Jahres nochmals auf Rot stellen." Derzeit sei das Kapitalmarktumfeld immerhin deutlich attraktiver als noch 2011.
Im vergangenen Jahr verdiente Talanx trotz immenser
Katastrophenbelastungen unter dem Strich 520 Millionen Euro - fast
zweieinhalb mal so viel wie ein Jahr zuvor. Die Belastungen aus den
Erdbeben in Japan und Neuseeland und dem Hochwasser in Thailand, die
vor allem die Konzerntochter Hannover Rück
In dem Gewinnsprung sieht Haas auch gute Voraussetzungen für den geplanten Börsengang. "Am Ende müssen die Investoren entscheiden, ob das Ergebnis ihnen ausreicht und ob es bei ihnen genügend Speichelfluss auslöst, dass sie bei uns investieren wollen." Auch die jüngste Prämienentwicklung in der Industrie- und Kfz-Versicherung mache eine Investition in Versicherungsaktien wieder attraktiver. Zudem müssten die Banken, die den Börsengang begleiten, den Investoren die "Story" von Talanx nahebringen. Neben den Angeboten seiner Stammmarken HDI und HDI-Gerling für Privatkunden und Industrie stellt Talanx unter anderem die Versicherungsprodukte für die Postbank und die Targo Bank.
Zu den möglichen Eckdaten für den Börsengang hielt sich Haas bedeckt. Zuvor hatten Insider verlauten lassen, dass Talanx noch im zweiten Quartal an die Börse wolle und dabei einen Erlös von 750 Millionen Euro ins Auge gefasst habe. Talanx hat den Börsengang seit Ende der 90er Jahre angekündigt, aber immer wieder verschoben. Eigentümer der Talanx AG ist der HDI (Haftpflichtverband der Deutschen Industrie), ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit. Talanx selbst hält wiederum 50,2 Prozent am weltweit drittgrößten Rückversicherer Hannover Rück und will diesen Anteil laut Haas mindestens halten.
Sollte Talanx bis Ende Juni an die Börse gehen und dabei so viel
wie angepeilt einnehmen, wäre es der größte Börsengang seit dem des
Hamburger Hafenbetreibers HHLA
Im vergangenen Jahr machte die griechische Schuldenkrise dem Versicherer weniger zu schaffen als vielen Mitbewerbern: Der Konzern hatte seine Griechenland-Anleihen fast komplett verkauft eine Belastung von 55 Millionen Euro verbucht. Unterdessen nutzte das Unternehmen das niedrige Zinsniveau, um vergleichsweise hochverzinste Staatspapiere aus bonitätsstarken Ländern wie den USA und Deutschland zu hohen Kursen abzustoßen. Damit konnte Talanx sein Kapitalanlageergebnis um ein Prozent auf rund 3,3 Milliarden Euro steigern.
Unterdessen baute der Konzern sein Geschäft weiter aus. Die Bruttoprämieneinnahmen stiegen um knapp vier Prozent auf 23,7 Milliarden Euro. Wegen der teuren Katastrophen bei der Hannover Rück reichten die Prämieneinnahmen jedoch nicht aus, um die Aufwendungen für Schäden, Verwaltung und Vertrieb zu decken. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote lag mit 101,0 Prozent um einen Zehntelprozentpunkt höher als im Vorjahr. Der operative Gewinn (EBIT) verbesserte sich hingegen um 21 Prozent auf gut 1,2 Milliarden Euro.
Eine Gewinnprognose lehnte Haas mit Blick auf den geplanten Börsengang ab. Die Prämieneinnahmen sollen um einen niedrigen einstelligen Prozentwert zulegen. Außerdem kann sich der Vorstand nach Zukäufen in den Niederlanden und Polen und weitere Übernahmen vorstellen. Der Erlös aus dem möglichen Börsengang soll dem Konzern finanziell wieder "Luft verschaffen"./stw/she
ISIN DE0008402215
AXC0167 2012-03-22/13:58
