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Vontobel Marktkommentar April 2012

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Vontobel Marktkommentar April 2012

In dieser Rubrik stellen wir Ihnen regelmäßig den aktuellen Marktkommentar des Chefstrategen der Vontobel-Gruppe, Herrn Christophe Bernard, vor.

Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre.

Gewinne punktuell mitzunehmen kann nicht schaden

Wenn die Märkte heisslaufen, ohne dass die Risiken abgenommen hätten, ist es an der Zeit, vorsichtiger zu werden. In dieser Situation kommt uns das Zitat des US-Investors Bernard Baruch "nobody ever lost money taking a profit" zupass.

Märkte im Liquiditätshoch

In diesem Jahr haben die Finanzmärkte den besten Start seit 1998 hingelegt. Dabei haben sich Titel, die 2011 unter die Räder gekommen waren - beispielsweise Bankenaktien oder Staatsanleihen der sogenannten Peripherieländer der Eurozone - im ersten Quartal besonders deutlich erholt. Das Umfeld ist jedoch nur auf den ersten Blick besser geworden: Ein grosser Teil der Avancen geht auf ausserordentliche Massnahmen der Regierungen und der Zentralbanken im Nachgang der Finanzmarktkrise von 2007/2008 zurück. Die Europäische Zentralbank (EZB) beispielsweise hat den Geschäftsbanken gewissermassen einen Rettungsring zugeworfen - sie stellt dreijährige Liquidität im Umfang von einer Billion Euro zu äusserst günstigen Konditionen zur Verfügung - und hat so die Systemrisiken in der Eurozone deutlich verringert. Ein Zusammenbruch des Finanzsystems konnte verhindert werden. Doch der Weg zu nachhaltigem Wirtschaftswachstum erfordert schmerzhafte Anpassungen wie die Reform von Sozialsystemen. Insofern stellt das EZB-Programm eine Chance für Regierungen dar, endlich die Hausaufgaben zu erledigen und mit beherzten Schritten die Wettbewerbsfähigkeit der betroffenen Volkswirtschaften zu verbessern. Natürlich ist hier und dort mit politischem Widerstand gegen unpopuläre Massnahmen zu rechnen. Deshalb werden die bevorstehenden Wahlen in Griechenland und Frankreich ein Härtetest für die Bereitschaft der Wähler sein, die bittere Medizin der Regierungen zu schlucken.

Damoklesschwert über den Märkten

Die US-Wirtschaft scheint in einer relativ robusteren Verfassung als jene Europas zu sein. Die Zahl der neu geschaffenen Stellen hat zugenommen und der Wohnbau hat sich nach einem sechsjährigen Rückgang stabilisiert. Die Gewinnmargen der Unternehmen befinden sich nahezu auf Rekordhöhe und die Konsumenten reduzieren ihre Schulden. Doch der Preis für diese relative Stärke ist hoch: Zum einen bringt die äusserst lockere US-Geldpolitik reale Negativzinsen mit sich, die Sparguthaben wegfressen. Zum anderen türmen sich immer neue Schuldenberge auf - das US-Haushaltsdefizit beträgt für 2011 1,25 Billionen US-Dollar oder 8,3 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Für 2012 werden 1,3 Billionen US-Dollar geschätzt, was 8,1 Prozent des BIP entspricht.

Die US-Regierung hofft, die Steuereinnahmen im Zuge des anziehenden Wirtschaftswachstums steigern zu können. Selbst wenn dies zutreffen sollte: Um die Nettoverschuldung im Verhältnis zum BIP auf einem vertretbaren Mass zu halten, braucht es harte Massnahmen. Angesichts der von Konfrontation geprägten US-Politik ist es allerdings unwahrscheinlich, dass die Parteien nach den Wahlen im November wichtige Projekte wie zum Beispiel die Reform des US-Steuersystems gemeinsam angehen. Dies wird für die Anleger zwar nicht heute oder morgen zum Problem werden. Unserer Meinung nach werden solche Versäumnisse jedoch früher oder später wie ein Damoklesschwert über den Märkten hängen.

Gewinne punktuell realisieren, Cash-Bestand erhöhen

In der kurzen Frist - solange die Zentralbanken für niedrige Zinsen sorgen - wird die vorhandene hohe Liquidität die Preise von riskanteren Anlageklassen stützen. Die Volatilität hat sich verringert, und die Stimmung unter den Anlegern ist deutlich besser geworden. Wir nutzen die gegenwärtige Stärkephase an den Märkten zu punktuellen Gewinnmitnahmen. Zu diesem Zweck verringern wir unser Aktienengagement und bauen mit den Mitteln den Cash-Bestand auf.

Es geht darum, in einem weiterhin von Risiken geprägten Umfeld Flexibilität zu wahren. Gefahren gehen wie erwähnt von den Wahlen in Europa aus. Ein gewichtiger Unsicherheitsfaktor ist auch der hohe Ölpreis, der die Wirtschaft empfindlich treffen könnte.

Einfach gesagt: das Chance-Risiko-Verhältnis ist nicht mehr so attraktiv wie noch vor ein paar Monaten.

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