Euroland-Sorgen, US-Sorgen, China-Sorgen
- den Dax
Mancher Beobachter wie etwa Börsenbrief-Autor Hans A. Bernecker sieht in dem jüngsten Kursrutsch die ohnehin erwartete Korrektur. Jedoch sind die Anleger am Markt derzeit hochgradig sensibel. Jede noch so kleinste Nachricht wird als Auslöser zum Handeln genutzt - und bringt den Dax damit ins Trudeln. "Aprilwetterlaune", nennt es Robert Halver von der Baader Bank. Dabei habe sich an der fundamentalen Situation eigentlich nichts geändert, sagt Helmer. Die Liquidität am Markt sei immer noch hoch und müsse irgendwohin, ist sich der Experte sicher. Ganz konkurrenzlos ist er mit dieser Meinung nicht. Am Markt regen sich erste Zweifel, ob nicht die Wirkung der satten Kapitalspritze der EZB von Ende Februar bereits langsam verebbt.
Vor allem Italien und Spanien haben es den Investoren angetan -
im negativen Sinne. Groß sind die Zweifel, dass die Spanier ihr
Haushaltsdefizit in den Griff kriegen - und die Welle von
Ausleihungen spanischer Banken bei der EZB erscheint ebenfalls nicht
als gutes Omen. Beide EU-Länder bekamen die Verunsicherung der
Anleger bei ihren Anleiheemissionen zu spüren, fassen die Experten
der Landesbank Berlin zusammen. Italiens Auktion verlief diese Woche
immerhin relativ erfolgreich. Trotzdem muss das Land als Tribut den
Geldgebern nun deutlich höhere Zinsen zahlen als bei ähnlichen
Emissionen zuvor. Noch klarer zeigten sich die Zweifel der Anleger
an den europäischen Märkten: Für den EuroStoxx 50
Wegen der Besorgnis über die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft und Europas Schuldenkrise rechnen die LBB-Experten auch in den nächsten Wochen nicht mit schönerem Börsenwetter. "Wir gehen davon aus, dass die Aktienmärkte in der Eurozone in nächster Zeit in schwierigerem Fahrwasser verbleiben dürften", heißt es.
Auch die Marktexperten von Julius Bär sind eher skeptisch. Nach dem starken Jahresauftakt - dem besten seit 1998 - befürchten sie nun ein "weniger vielversprechendes" zweites Quartal und einen eher holprigen Verlauf der Aktienmärkte. Dabei sieht Finanzanalyst Christian Gattiker neben Euro-Krise und chinesischer Wachstumsschwäche noch weitere Risikofaktoren in den global hohen Energiekosten. Gattiker empfiehlt Anlegern daher, den Übermut klein zu halten und ihre Risikopositionen nicht weiter zu erhöhen.
Deutlich positiver gestimmt ist hingegen Analystin Claudia Windt von der Landesbank Hessen-Thüringen. Sie sieht zumindest von konjunktureller Seite vorerst kein weiteres Rückschlag-Risiko. Auch China dürfte mit der aktuellen Wachstumsrate von 8,1 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) seinen Tiefpunkt erreicht haben. Und bei der Euro-Krise sei eher Entspannung in Sicht. Weshalb sie wieder mit zunehmender Risikobereitschaft der Anleger rechnet.
US-BERICHTSSAISON GEHT WEITER
Wie viel Auf- oder eben auch Abwärtspotenzial der deutsche
Handel tatsächlich in der kommenden Woche hat, darüber dürfte zudem
der weitere Verlauf der Berichtssaison in den Vereinigten Staaten
entscheiden. Nach dem glanzvollen Start durch Alcoa
Zudem stehen in der kommenden Woche wichtige Konjunkturdaten wie
etwa die Industrieproduktion und die Einzelhandelsumsätze aus den
USA an. Am Dienstag werden in Deutschland noch die
ZEW-Konjunkturerwartungen veröffentlicht, denen am Freitag der viel
beachtete ifo-Geschäftsklimaindex folgt. Von deutscher
Unternehmensseite auf der Agenda sind am Montag die Verkehrszahlen
von Fraport
--- Von Tanja Vedder, dpa-AFX ---
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