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Volkswirte von Dekabank und Degussa erwarten hohe Inflation - WiWo

DÜSSELDORF (Dow Jones)--Deutschland wird nach Auffassung von Volkswirten künftig mit hohen Teuerungsraten zu kämpfen haben. "Preissteigerungen von bis zu vier Prozent werden bei uns die Regel sein", sagte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, im Gespräch mit WirtschaftsWoche (WiWo - Montagsausgabe). Vor allem Dienstleistungen würden hierzulande schon bald teurer werden, prognostiziert der Geldpolitikexperte. Richtig los geht es mit der Inflation laut Kater in drei bis vier Jahren. "Bis dahin ist die deutsche Binnennachfrage deutlich gestiegen. Es ist gleichzeitig viel Geld im System, von dem fraglich ist, ob es die Europäische Zentralbank rechtzeitig und reibungslos wieder einsammeln kann", sagte der Volkswirt weiter.

Die Konsumenten bekämen die Inflation am stärksten bei den Preisen für Dienstleistungen und Mieten zu spüren. "Die Preise für Nahrungsmittel oder Elektronikartikel dürften hingegen stabil bleiben, da sie international gehandelt werden und dem internationalen Preiswettbewerb unterliegen." Normalität werde in der Euro-Zone "gar nicht" mehr einkehren. Zweistellige Inflationsraten erwartet Kater indes nicht: "Das ist übertrieben." Dies würden die Notenbanken vermeiden. "Denn dann würde die Staatsfinanzierung erst recht nicht mehr funktionieren."

Ins gleiche Horn bläst derweil Thorsten Polleit, Chefökonom der Degussa Goldhandel GmbH. Er warnt ebenfalls vor steigender Inflation und prognostiziert gar das Ende des Papiergeldes. "Die EZB ist auf Inflationskurs", sagt Polleit im Gespräch mit dem Blatt. Die Europäische Zentralbank werde alles tun, um Staatsbankrotte zu verhindern. "Sie hat den Banken billiges Zentralbankgeld geliehen, damit sie damit höher verzinsliche Anleihen der Krisenländer kaufen und deren Zinsen nach unten drücken." Sollten die Banken nicht mehr mitspielen, erwartet Polleit, dass die EZB in großem Stil selbst Staatsanleihen - auch von privaten Investoren - kaufen und mit neu gedrucktem Geld bezahlen wird. Das blähe die Geldmenge auf.

Anleger, die Geld halten, seien die Verlierer. "Schon jetzt büßt das Papiergeld seine Funktion als Mittel zur Wertaufbewahrung mehr und mehr ein", so der Ökonom. Seine Prognose: "Der Papiergeldstandard ist ein planwirtschaftliches System. Es wird zerfallen, weil es den Marktgesetzen zuwiderläuft." Der Erosionsprozess verlaufe exponentiell. "Man weiß es nicht mit Gewissheit, aber in drei Jahren könnte der Papiergeldstandard, wie wir ihn kennen, bereits Vergangenheit sein", so der Experte.

DJG/flf 

(END) Dow Jones Newswires

April 22, 2012 04:48 ET (08:48 GMT)

Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.

© 2012 Dow Jones News
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