Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz will klagenden Ex-Mitarbeitern der Drogeriekette vor Gericht keine Abfindungen mehr anbieten. "Der Insolvenzverwalter hat sich in Gesprächen mit Verdi darauf geeinigt, dass solche Angebote nicht mehr unterbreitet werden", sagte der Sprecher des Insolvenzverwalters, Patrick Hacker, am Freitag der Nachrichtenagentur dpa und bestätigte damit einen Bericht der "Stuttgarter Nachrichten". Indes setzt die verbliebene Belegschaft von etwa 13 500 Mitarbeitern ein Zeichen für ihre Bereitschaft einen Sanierungsbeitrag leisten zu wollen - sie verzichtet vorrübergehend auf Geld.
Das Vorgehen der Insolvenzverwaltung vor Gericht hatte Verdi stark kritisiert, da nur klagenden Mitarbeitern eine Abfindung angeboten wurde. Die Insolvenzverwaltung hatte zuvor zwei Ex-Mitarbeitern vor dem Ulmer Arbeitsgericht eine Abfindung von 500 Euro angeboten. Hacker sagte, dass es sich bei diesen Güteverhandlungen um Vergleichsangebote handelte und Abfindungen aufgrund von Kündigungen nicht betroffen seien: "Jeder Mitarbeiter, der gekündigt wurde, hat die Information bekommen, dass ihm eine Abfindung zusteht."
Während viele frühere Schlecker-Mitarbeiter ihre Kündigung anfechten, wollen die im Unternehmen verbliebenen Beschäftigten auf eine fällige Einmalzahlung von je 50 Euro vorerst verzichten. Das hat die Bundestarifkommission aus Arbeitnehmern und Gewerkschaftern am Freitag bei ihren Beratungen in Ulm beschlossen, wie Schmitz sagte. "Das ist ein erstes Signal der Belegschaft für ihre Bereitschaft, einen Sanierungsbeitrag zu leisten."
Die 50 Euro waren im Tarifvertrag zwischen der insolventen Drogeriekette und Verdi vereinbart worden. Das Geld wäre in einigen Regionen schon im April fällig geworden, sagte Schmitz. Die Auszahlung werde erst einmal bis August ausgesetzt.
In konkrete Verhandlungen könne man aber noch nicht mit Geiwitz gehen. Für einen angestrebten Sanierungstarifvertrag, der den von Geiwitz geforderten Lohnverzicht beinhalten soll, verlangt Verdi mehr Informationen über die Pläne von möglichen Investoren. "Wir kennen die Investorenkonzepte nicht und laden die Investoren zu direkten Gesprächen mit uns ein", sagte Schmitz weiter. Nun soll eine weitere Sondierungsrunde am Mittwoch in Frankfurt stattfinden. Der ursprünglich bis Ende April geplante Handschlag wäre damit verfehlt.
Nach der Entlassung von rund 10.000 Beschäftigten Ende März sind nur noch etwa 13.500 Mitarbeiter bei Schlecker beschäftigt. Den "Stuttgarter Nachrichten" zufolge haben mittlerweile mindestens 3.800 der Ende März gekündigten rund 10.000 Mitarbeiter eine Kündigungsklage eingereicht. Dies kommentierte die Insolvenzverwaltung zunächst nicht.
Geiwitz ist derzeit in Gesprächen mit fünf "ernsthaften" Interessenten für eine Übernahme der insolventen Drogeriekette. Noch vor Pfingsten will er einen Investor präsentieren. Die Klagen könnten aber abschreckend auf die Bewerber wirken, fürchtet Geiwitz./ozy/DP/he
AXC0311 2012-04-27/19:27