Von Alex MacDonald
Der Bergbaukonzern Anglo American passt sein Investitionsprogramm an das aktuell schwierige Marktumfeld an. Die Kapitalausgaben sollen künftig nur noch in jene Rohstoffe mit der attraktivsten Marktdynamik und den niedrigsten Risiken für die Durchführung von Projekten fließen, teilte die Anglo American plc bei der Vorlage ihrer Halbjahreszahlen mit. Trotz eines deutlichen Gewinnrückgangs in den ersten sechs Monaten des Jahres gab Anglo American auf lange Sicht einen positiven Ausblick für Rohstoffe.
"Die kurzfristigen Aussichten für die Weltwirtschaft haben sich in den vergangenen Monaten verschlechtert", sagte CEO Cynthia Carroll. "Neben anhaltenden strukturellen Problemen in der Eurozone hat sich auch das Wirtschaftswachstum in den USA und wichtigen Volkswirtschaften der Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien verlangsamt, wenngleich von einem hohen Niveau ausgehend. Mittel- bis langfristig sehen wir allerdings belastbarere Trends."
Bergbaukonzerne haben mit fallenden Rohstoffkosten zu kämpfen, während die Betriebskosten weiterhin hoch bleiben. Deshalb erwägen einige von ihnen nun, ihre Investitionsprogramme zu verkleinern. Die brasilianische Vale, weltgrößter Produzent des für die Stahlproduktion wichtigen Eisenerzes, kündigte bereits die Feinabstimmung ihres 21,4 Milliarden US-Dollar schweren Investitionsplanes für 2012 an. Und auch die britisch-australische BHP Billiton prüft im Lichte einer niedrigeren Geldschöpfung Veränderungen ihres fünfjährigen, 80 Milliarden Dollar schweren Programms.
Auch Bergbauanalysten werden skeptischer, sie haben ihre Gewinnprognosen nach einem Rückgang der Rohstoffpreise gesenkt. Investoren und Kunden sind gleichermaßen besorgt wegen des langsameren Wirtschaftswachstum in China - weltgrößter Abnehmer für viele Rohstoffe - und der Schuldenkrise in der Eurozone, die von der europäischen Wirtschaft ihren Tribut fordert.
Der Umsatz von Anglo American ging im ersten Halbjahr um 10 Prozent auf 16,41 Milliarden Dollar zurück. Der bereinigte operative Gewinn brach um 38 Prozent auf 3,72 Milliarden Dollar ein und blieb damit unter der Analystenprognose von 4 Milliarden Dollar. Netto verblieben dem Konzern mit 1,21 Milliarden sogar 70 Prozent weniger als im Jahr zuvor.
Belastet wurde das Ergebnis unter anderem von einer geringeren Förderung von Platin und Diamanten sowie niedrigeren Rohstoffpreisen unter anderem für Eisenerz. Der Stahlrohstoff trägt den größten Teil zum operativen Gewinn bei.
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July 27, 2012 04:40 ET (08:40 GMT)
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