--Operativer Verlust in Europa beträgt 256 Millionen Dollar
--GM schreibt 600 Millionen Dollar auf Europa-Geschäft ab
--Nordamerikanischer Markt floriert
--Bereinigter Nettogewinn deutlich über Erwartungen
(Neu: Durchgehend neu)
Von Matthias Goldschmidt DOW JONES NEWSWIRES
DETROIT (Dow Jones)--Trotz der glänzenden Verkaufserfolge auf dem florierenden nordeuropäischen Heimatmarkt sowie in den Schwellenländern Asiens wird General Motors (GM) eine gewichtige Baustelle nicht los. Das Europageschäft mit seinen Marken Opel und Vauxhall macht dem US-Autogiganten nach wie vor zu schaffen.
Dennoch geben sich die Verantwortlichen in der Detroiter Konzernzentrale zuversichtlich. "Wir werden weiter an der Optimierung von Umsatzerlösen und Kosten arbeiten, bis wir mit GM ein wettbewerbsfähiges Profitabilitätsniveau erreichen", sagte Konzernchef Dan Akerson. Wie lange dies dauern wird, ist indes offen. Es sei "zu früh zu sagen, wann in Europa die Talsohle erreicht ist", so Finanzchef Dan Ammann.
Allein im ersten Quartal verbuchte GM in Europa einen operativen Verlust von 256 Millionen Dollar. Das ist zwar bedeutend weniger als noch im vierten Quartal, als der operative Verlust diesseits des Atlantiks 600 Millionen Dollar erreichte. Zum Jahresauftakt 2011 hatte es GM aber immerhin noch geschafft, das Europageschäft knapp über die Gewinnschwelle zu hieven.
Mittlerweile hat General Motors in Europa Milliarden in den Sand gesetzt. Im ersten Quartal 2012 macht sich das mit einer gewaltigen Abschreibung bemerkbar. Fast 600 Millionen Dollar beträgt die Wertberichtigung, die der Konzern auf das Europageschäft durchführt.
Das trübt die Freude über die ansonsten glänzenden Zahlen, die vor allem im Heimatmarkt erzielt werden. Hier kletterte der operative Gewinn von 1,3 auf 1,7 Milliarden Dollar. Außerdem hob GM die Absatzprognose für den gesamten US-Markt um eine halbe Million auf 14 bis 14,5 Millionen Fahrzeuge an.
Das Absatzplus konnte GM unter anderem wegen der Opel-Abschreibung nicht in ein steigendes Nettoergebnis ummünzen. Der Gewinn brach im Zeitraum von Januar bis März von 3,2 auf 1 Milliarde Dollar ein. Hinzu kam, dass die Messlatte des Vorjahresquartals außerordentlich hoch lag. Vor einem Jahr war der Gewinn wegen Beteiligungsverkäufen kräftig in die Höhe geschossen.
Bereinigt um Sonderposten belief sich das Ergebnis je Aktie auf 0,93 Dollar, das war deutlich mehr als Analysten im Vorfeld erwartet hatten. Der Umsatz stieg um vier Prozent auf 37,8 Milliarden Dollar.
Derzeit geht GM die Restrukturierung des Europageschäfts an, um die seit Jahren anfallenden Verluste endlich zu stoppen. Die Nachfrage nach neuen Autos sinkt seit geraumer Zeit, und Überkapazitäten der Industrie von rund 20 Prozent erschweren alle Bemühungen, in Europa profitabel zu arbeiten. Jüngst hieß es, GM müsse in Europa ein oder zwei Werke aufgeben. Zuletzt hatte im Jahr 2010 das Werk im belgischen Antwerpen seine Pforten geschlossen.
Investoren, Gewerkschaften und Regierungen warten gespannt auf einen Restrukturierungsplan. Dieser könnte laut Finanzchef Ammann nach und nach umgesetzt werden. "Jeder wartet auf einen großen Knall", so der Manager. "Ich bin mir nicht sicher, ob es einen großen Knall geben wird."
Unterdessen haben sich die Amerikaner nach anderen Möglichkeiten umgeschaut, um Kosten zu sparen und wettbewerbsfähige Autos zu entwickeln. So wurde im Februar eine Allianz mit dem französischen Hersteller PSA Peugeot Citroen geschlossen. Die beiden Autokonzerne wollen im Herbst mit einem ersten gemeinsamen Entwicklungsprojekt beginnen. Die beiden Unternehmen versprechen sich im Rahmen ihrer Kooperation bis 2017 Einsparungen in Höhe von 2 Milliarden Dollar.
-Von Matthias Goldschmidt, Dow Jones Newswires; (Sharon Terlep hat zu diesem Bericht beigetragen) +49 (0)69 29725 102, unternehmen.de@dowjones.com DJG/DJN/mgo/jhe
(END) Dow Jones Newswires
May 03, 2012 10:44 ET (14:44 GMT)
Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.


