ESSEN (Dow Jones)--Der Energieversorger E.ON lässt sich von Kritik der Aktionäre an seiner Expansionsstrategie nicht aus der Ruhe bringen. Die Anteilseigner werden unruhig. Einige von ihnen forderten den Konzern während der Hauptversammlung auf, das Geld angesichts der gewaltigen Auslandsabschreibungen der vergangenen Jahre im Konzern zu halten.
"Man könnte den Eindruck bekommen, das E.ON Geld in Deutschland verdient, um es im Ausland zu verbrennen", sagte Ingo Speich, Portfoliomanager bei der Fondsgesellschaft Union Investment, auf der Aktionärsversammlung. Die Pläne in Brasilien schienen "allzu kühn". E.ON dürfe für seine Expansion nicht zu viel bezahlen, warnte Christoph Ohme, Portfoliomanager im Fondsgeschäft der Deutschen Bank, DWS Investment.
Ohme und andere Anteilseigner verwiesen auf die massiven Abschreibungen, die der Konzern auf verschiedene Assets vornehmen musste, die er in den vergangenen Jahren in Italien, Spanien und Frankreich erworben hatte. Insgesamt hatte E.ON mehr als 10 Milliarden Euro bezahlt, musste aber mehr als die Hälfte davon wertberichtigen. Als Gründe nannte der Versorger veränderte Regularien sowie sich eintrübende ökonomische Aussichten. E.ON sollte die nächsten Schritte seiner internationalen Expansion klar definieren, forderte Ohme.
Ungeachtet der Kritik beharrte Vorstandsvorsitzender Johannes Teyssen auf der Richtigkeit einer Expansion in Schwellenländer. Dort gebe es wesentlich höheren Wachstumsraten als in den gesättigten Märkten Europas.
E.ON hatte dieses Jahr Pläne für ein Joint Venture in Brasilien vorgelegt. Zusammen mit dem südamerikanischen Versorger MPX Energia sollen Stromerzeugungskapazitätem in Höhe von 11 Gigawatt in Brasilien und Chile errichtet werden.
Brasilien, Türkei und Indien waren zuvor als potentiell attraktive Wachstumsmärkte identifiziert worden. Teyssen sagte am Donnerstag, das Unternehmen führe "vielversprechende Gespräche" mit Partnern in der Türkei und Indien über mögliche Kooperationen.
Die Investitionen in Brasilien sollen sich in Grenzen halten. Die meisten der geplanten Projekte würden größtenteils über Schulden finanziert. Bis zum Ende des Jahrzehnts werde E.ON in Brasilien Investitionen im niedrigen einstelligen Milliardenbereich getätigt haben oder 100 bis 200 Millionen Euro pro Jahr.
Die Partnerschaft mit MPX werde E.ON den Zugang zu Gas und Kohle ermöglichen, die für den Betrieb der Kraftwerke genutzt werden können. MPX ist Teil eines großen Industriekonglomerats, das Eike Batista gehört, dem reichsten Mann Brasiliens. Er ist außerdem im Kohlebergbau und im Gasgeschäft tätig.
-Von Jan Hromadko, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 29725 102, unternehmen.de@dowjones.com DJG/DJN/mgo/jhe
(END) Dow Jones Newswires
May 03, 2012 10:58 ET (14:58 GMT)
Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.


