Reinhold Messner hat alle 14 Achttausender bestiegen und zahlreiche Wüsten durchquert, ehe er zum Museumsbetreiber wurde. Im Interview spricht er über Bauernhöfe als Altersvorsorge, seine Facebook-Abneigung und den Yeti.
Herr Messner, Sie sind 67 Jahre alt und damit im Rentenalter. Bekommt man als Extrembergsteiger, Sand- und Eiswüstendurchquerer eine Rente?
Nein, das war früher ein großes Problem, viele Abenteurer hatten nicht vorgesorgt. Ich habe das mit 40 Jahren erkannt und keine Rentenpapiere, sondern einen Selbstversorger-Bauernhof gekauft. Das war meine erste konkrete Investition in eine Altersvorsorge. Mittlerweile habe ich drei Bauernhöfe. Dort produziere ich alles, was ich zum Leben brauche, vom Holz bis zum Wein. Die bringen zwar momentan nichts, aber dorthin kann ich mich zurückziehen, wenn die Krise schlimmer wird.
Würden Sie heute, da der Gedanke, in Land zu investieren, immer populärer wird, noch einmal das Gleiche tun?
Die beste Investition in meinem Leben war die, von der alle Banker gesagt haben: Absoluter Blödsinn! Das war meine Burg Juval. Ich habe sie mit 39 Jahren gekauft und saniert. Heute ist sie etwa 50-mal den Preis wert, den ich damals gezahlt habe. Auch meine Bauernhöfe sind entschieden mehr wert als den Einstandswert. Aber keiner von ihnen wirft Gewinne ab. Sie sind verpachtet, die Pächter müssen davon leben können. Ich werde auch jedem meiner drei Kinder einen Bauernhof vererben.
Selbst Banker investieren mittlerweile nach den Erfahrungen der Krise in Bauernhöfe. Sehen Sie sich da als Vordenker?
Ein Vordenker bin ich bei dem Versuch, die Selbstversorger–Landwirtschaft zu retten. Da steckt ein großes Know-how dahinter. Die gesamte Wertschöpfungskette bleibt auf dem Bauernhof. Wir produzieren auf dem Hof, wir veredeln, und wir verkaufen auf den Teller. Ich hatte beispielsweise schon vor Jahren das Angebot, 35 000 Hektar in Patagonien inklusive zweier Seen zu kaufen. Wenn ich jemanden gefunden hätte, der das bewirtschaftet, hätte es eine gute Investition sein können.
Überlegen Sie heute noch, Land zu kaufen?
Ich würde heute nicht mehr in Südtirol Land kaufen, hier kann es niemand mehr bezahlen. Wenn aber jemand Interesse hat, in Ungarn oder Rumänien zu kaufen, und Erfahrung in der Landwirtschaft hat, kann er damit gut zurechtkommen. Mir ist das zu weit weg.
Diese Selbstversorger-Mentalität ist das Gegenteil von Globalisierung, die vor Jahren propagiert wurde.
Ich bin ein Grün-Liberaler. Global denken und lokal handeln lautet die Erkenntnis, um lokal gegenzusteuern. Ich weiß natürlich, dass ich global keine Konkurrenzfähigkeit habe mit meinen Bauernhöfen. Wenn ich aber weiß, wie Landwirtschaft global funktioniert und mein Know-how lokal umsetze, habe ich eine Chance zu überleben. Wozu brauche ich die Globalisierung?
Lässt sich diese Einstellung auf die Finanzwelt übertragen?
In der Finanzwirtschaft gibt es offensichtlich zurzeit niemanden, der versteht, was wirklich passiert. Ich glaube wenigen Finanzberatern.
"Ich brauche Freiräume"
Regeln Sie alle Finanzgeschäfte selbst?
Ich regle sie nicht, weil ich keine Finanzgeschäfte mache. Meine Frau macht das. Ich bin für das Matriarchat. Das heißt: Die Frau bestimmt, sie verwaltet das Vermögen, sie kennt die Kinder besser als der Vater, sie kümmert sich um unsere Zukunft. Ich habe Gesellschaften getroffen, in denen das Matriarchat funktioniert. Es ist zukunftsfähiger als das Patriarchat.
Und was ist dann Ihr Part?
Ich brauche Freiräume, um meine Träume zu realisieren. Für das Projekt mit den fünf Messner Mountain Museen brauchte ich mehr Geld als für alle Expeditionen zusammen. Ich musste es besorgen. Keine Bank der Welt hätte mir jemals für meine Projekte Geld vorgestreckt.
Wie finanziert man fünf Museen?
Die Häuser gehören mir alle nicht. Ich habe drei davon für 30 Jahre unentgeltlich gepachtet, gefüllt mit Ideen und Kunst und Gestaltung. Mir gehört alles, was drin ist. Vom Computer bis zur Kunst.
Haben Ihre Expeditionen eigentlich Gewinne ...
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