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Politische Börsen und ihre Beinlängen

von Jochen Steffens

Die Märkte sind nach den Wahlentscheidungen in Frankreich und in Griechenland in Sorge, dass sich die Probleme im Zusammenhang mit der EU-Krise wieder verschärfen. Vor drei Jahren hätte ich noch salopp dazu geschrieben: "Machen Sie sich keine Sorge, politische Börsen haben grundsätzlich kurze Beine!" Leider wurden wir da im vergangenen Jahr eines Besseren belehrt. Und so hat die leidige Politik auch jetzt wieder das theoretische Potenzial, uns noch eine Weile in unseren Börsenanalysen zu begleiten.

DAX erholte sich schnell

Aber, insgesamt wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird - das fand wohl auch der DAX. Nach einem doch deutlichen Kursrückgang am Morgen konnte er sich gegen Mittag wieder fangen. Hier hatten politische Börsen offenbar doch wieder kurze Beine - wobei wir das Spiel schließlich kennen: Jede Nachricht ist, wenn sie erst einmal eingepreist ist, eine alte Nachricht.

Alles schon eingepreist?

Und doch, welche langfristigen Auswirkungen die Wahlergebnisse auf die Euro-Krise haben, ist noch nicht auszumachen. Es ist schließlich fraglich, ob die weiteren Folgen bereits eingepreist sind. Und so möchte man weiter hoffen, dass die Börsen möglichst bald von dieser unheiligen Verkettung mit der Politik befreit werden!

Die große Hoffnung

Ich kann immer nur betonen: Wenn sich jedoch abzeichnen sollte, dass diese Krise in der EU und die Krise in den USA irgendwann einmal nachhaltig vorbei sein sollte, egal wie dieses "Ende der Krise" dann auch immer aussehen sollte, wäre dies mit hoher Wahrscheinlichkeit ein sehr günstiger Zeitpunkt langfristig zu investieren. Es könnte sogar einer der wenigen Big-Points der Einstiegssignale sein, die man als Trader in seinem Leben erleben darf.

(Kleiner Einschub: Der letzte Big-Point-Einstiegszeitpunkt war zum Beispiel der Zusammenbruch der Sowjetunion. Damals schrieb Kostolany seinen so oft zitierten und nahezu genauso oft fehlinterpretierten Satz: "Jetzt muss man kaufen und sich dann 10 Jahre schlafen legen!" Dieser bezog sich tatsächlich nur auf diese spezielle Situation und war keineswegs als grundsätzliche Anlageform gedacht, wie es so oft dargestellt wird.)

Wenn sich also ein Ende der beiden Krisen abzeichnet, sollten Sie Aktien kaufen und diese 10 bis 15 Jahre halten. In der Zeit sollten Sie schlafen gehen und sich keinesfalls von irgendwelchen Nachrichten verwirren lassen.

Die SKS mit ihrem möglichen Fehlsignal ist immer noch im Spiel:

Und ich muss noch einmal auf die Schulter-Kopf-Schulter-Formation (SKS) zurückkommen, von der ich in den vergangenen Wochen schon häufiger berichtet habe. Vielleicht erinnern Sie sich: Ich hatte geschrieben, dass nach einem Crash in der darauffolgenden Gegenbewegung gerne SKS-ähnliche Formationen auftauchen, die aber aufgrund des Umsatzes keine echten SKS sind. Häufig kommt es aber in dieser Phase zu einem Bruch der Nackenlinie, der sich als Fehlsignal herausstellt.

Die SKS-ähnliche Formation hat sich nun eindeutig herausgebildet, wenn auch etwas anders als ursprünglich angenommen:

Der Unterschied ist, dass die Nackenlinie (blaue Linie) nach rechts etwas abfällt. Das wäre für sich gesehen kein Ausschlussgrund für das Vorliegen einer SKS. Über dieser Nackenlinie hat sich aber die klassische Form der Schulter-Kopf-Schulter-Formation ausgebildet. Wie man ebenso erkennen kann, fehlen die Umsatzspitzen, die sich parallel zur linken "Schulter" und "Kopf" entwickeln sollten. (Die eine große Umsatzspitze unter dem "Kopf" ist der Verfallstag. Da in seinem direkten Umfeld keine weiteren Umsatzhochs ausgebildet worden sind, muss man diese vernachlässigen).

Nackenlinie verletzt

Die blaue Nackenlinie wurde heute im Abverkauf nach unten gebrochen (roter Pfeil). Bei einer regelgerechten SKS wäre dies das entscheidende Verkaufssignal gewesen. Anschließend erholte sich der DAX allerdings wieder deutlich! Damit ist jetzt genau das passiert, wovon ich seit Wochen schreibe. Es könnte sich hier das entsprechende Fehlsignal ausbilden. Und das macht die Situation so unglaublich spannend:

Kommt es in den kommenden Tagen zu einer Erholung, bei der das rechte Schulterniveau überwunden wird, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir eine längere Fortsetzung der bisherigen Rally sehen. Das würde viele Anleger überraschen.

Fällt der DAX jedoch weiter, bleibt die "abc-Konsolidierung" das wahrscheinlichste Szenario. Dann müssen wir mit einem Kursrückgang bis 6.000 Punkte rechnen.

Zumindest haben wir damit aber nun klarere Bezugspunkte in verschiedenen Indizes. Denn das Bild und die entsprechenden Szenarien passen ziemlich gut zu der Analyse des Dow Jones vom Freitag.

Viele Grüße

Jochen Steffens

© 2012 Börse-Intern
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