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Börse-Intern
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Anleger in Sorge

von Jochen Steffens

Und da sieht man wieder, wie abhängig wir von der heiligen Technik sind. Die heutige Handelssitzung auf der elektronischen Handelsplattform Xetra startete erst mit einer Verzögerung von knapp 1,5 Stunden. Bis dahin ging eigentlich nichts. Hintergrund waren laut der Deutschen Börse technische Probleme.

Wilde Theorien

Und so witzelten die Trader, dass die Regierung wohl kein Geld mehr hätte, die ganzen Stützungskäufe zu tätigen. Auch war zu hören, dass die Xetra-Händler und Market-Maker in einen internen Streik getreten seien, um gegen diese politisch motivierten Börsen zu demonstrieren. Andere gingen davon aus, dass mal wieder einer dieser Programmierer die falschen Tasten gedrückt hatte oder ein Update nicht kompatibel war, wer weiß … (Diesen Absatz bitte nicht ernst nehmen.)

Börse ohne Signal

Die Börse reagierte erstaunlich gelassen, aber es war auch nicht das erste Mal, dass es zu einem solchen Stillstand gekommen ist - die Technik eben.

Ansonsten konnten die Börsen das Reversal des gestrigen Tages erst einmal nicht fortsetzen. Erneut sind es politische Themen: Wird es in Griechenland Neuwahlen geben, wird Griechenland sogar doch in eine Staatspleite schliddern? Was geschieht dann mit dem europäischen Finanzsystem? Die Unsicherheit ist entsprechend groß! Antworten auf diese Fragen gibt es noch keine.

Auf der anderen Seite wollte zunächst trotz dieser doch wichtigen negativen Themen noch keine richtige Abwärtsdynamik aufkommen. Doch im weiteren Verlauf rutschte der DAX dennoch immer weiter abwärts, um schlussendlich mit einem Minus von 1,9 % zu schließen. Im Moment ähnelt die Beschäftigung mit der Börse damit eher dem hilflosen Herumstochern in einer trüben Brühe.

Die einen kaufen, weil sie wissen, die Aktien sind billig, die anderen verkaufen, weil sie Angst vor einer Verschärfung der Euro-Krise haben. Seit März sind die Bären im Vorteil. Mit den heutigen Kursverlusten ist das gestern beschriebene Fehlsignal wiederum negiert und somit rückt die "abc"-Abwärtskonsolidierung erneut in den Vordergrund.

(Hinweis: Die roten Rechtecke sind in diesem Chart im Vergleich zu der vorherigen Version der weiteren Kursentwicklung angepasst worden, um das Kursziel genauer bestimmen zu können.)

Die Kurse können bei diesem Szenario bis zur 6.170er Marke fallen. Da damit der (grüne) Aufwärtstrend gebrochen wäre, sind auch Kurse bis 6.000 Punkte möglich. Aber warten wir ab, was in den nächsten Tagen an neuen kursbewegenden Nachrichten veröffentlicht wird. Vielleicht ist morgen wieder alles ganz anders. Politische Börsen sind, wie Sie aus dem letzten Jahr bereits wissen, schwer zu prognostizieren, da hier Menschen entscheiden und nicht wirtschaftliche Entwicklungen.

Seit 14 Jahren seitwärts

Ich hatte gestern geschrieben, dass wir vielleicht bald einen Big-Point bei den Einstiegssignalen sehen. Dazu noch mal der langfristigen Chart des DAX. Schließlich befinden uns mittlerweile nicht nur auf dem Niveau von Ende Januar, sondern bald auch wieder in dem Bereich des Hochs aus dem Jahr 1998! Ja, Sie haben richtig gehört: 1998 - damals, als die Welt noch eine ganz, ganz andere war. Wie gerne hätten wohl viele von uns diese alten Zeiten wieder zurück...

Im Juli 1998 stieg der DAX in seinem Hoch auf 6.200 Punkte. Heute notiert er bei knapp über 6.400 Punkten. Kurz, seit 14 Jahren hat der DAX nahezu keine Rendite erwirtschaftet. Wenn Sie sich dann im Vergleich die Entwicklung von Gold, den Immobilienpreisen oder auch der Zinsen anschauen, wird deutlich, wie extrem unterbewertet der DAX im Vergleich mit diesen anderen Anlageklassen eigentlich ist. Denn die im DAX befindlichen Unternehmen haben sich in den vergangenen 14 Jahren durchaus weiterentwickelt.

Dieses Ungleichgewicht führt zu Aktienkäufen

Und das ist der Grund, warum immer mehr langfristig orientierte Anleger Aktien als Beimischung ins Depot legen. Leider reagiert der gemeine Anleger anders. Er fühlt sich wohler, wenn in den vergangenen 14 Jahren der Markt gestiegen ist. Schließlich neigen wir Menschen dazu, das Vergangene in die Zukunft zu projizieren. Dieses Verhalten ist aber mit Blick auf die Börsen grundfalsch und führt gerade im langfristigen Kontext oft zu groben Fehleinschätzungen.

Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit höher, langfristig erfolgreich anzulegen, wenn eine 14 jährige Seitwärtsbewegung hinter einem liegt, als wenn die Kurse 14 Jahre nur gestiegen sind. Das hat damit zu tun, dass die Börsenzyklen, also der Wechsel zwischen steigenden Kursen und Seitwärtsbewegungen, meist 15 bis 20 Jahre daueren. Für uns bedeutet das: Wer jetzt erste langfristige Positionen anlegt und dabei noch genügen Geld in der Hinterhand behält, um bei weiteren Kursrückgängen nachzukaufen, hat gute Chancen in 15 bis 20 Jahren ein Vermögen verdient zu haben.

Aber, auch das ist nur eine der möglichen Entwicklungen. Zwar die wahrscheinlichste, aber wie immer kann auch alles ganz anders kommen. Und das ist der Grund, warum man niemals alles auf eine Karte setzen sollte - sprich ausschließlich im Aktienmarkt investiert sein darf. Vermögen will immer diversifiziert angelegt, sprich auf mehrere Anlegeklassen verteilt, sein. Und so dürfen die anderen Anlageklassen, auch wenn sie schon vergleichsweise teuer sind, trotzdem niemals in einem gut geführten Portfolio fehlen.

Viele Grüße

Jochen Steffens

© 2012 Börse-Intern
Software vor dem Comeback – diese 5 Aktien könnten durchstarten!
Während Halbleiter- und KI-Infrastrukturwerte von einem Hoch zum nächsten jagen, wurden viele Software-Aktien in den vergangenen Monaten regelrecht aus den Depots gedrängt. Die Angst vor Disruption hat Investoren zu einem radikalen Strategiewechsel veranlasst – mit der Folge, dass zahlreiche Qualitätsunternehmen heute auf Mehrjahrestiefs notieren.

Doch genau hier entsteht eine seltene Chance. Denn während die Bewertungen im Halbleitersektor inzwischen auf ambitionierten Niveaus liegen, ist der Bewertungsabschlag bei Software-Titeln so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Gleichzeitig liefern viele Unternehmen weiterhin starke Wachstumszahlen und integrieren KI erfolgreich in ihre Geschäftsmodelle. Die Diskrepanz zwischen Kursentwicklung und operativer Stärke könnte sich schon bald auflösen.

Für Anleger bedeutet das: antizyklisch denken und gezielt zugreifen, bevor der Markt dreht. Denn erste technische Signale deuten darauf hin, dass sich die Trendwende bereits anbahnt.

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